Kostenesxplosion

Straßenbau: Kommunen müssen mit Aufschlägen von bis zu 50 Prozent kalkulieren

Viele Kommunen im Nassauer Land müssen sowieso mit klammen Kassen wirtschaften. Doch nun wird es vor allem im Straßenbau auch noch immer teurer. Die Gründe sind vielschichtig, die Lösungsansätze auch, wie eine Umfrage in verschiedenen Städten und Gemeinden zeigt.

Über steigende Preise für Bauleistungen klagen viele Kommunen im Nassauer Land. 30 bis 40 Prozent mehr als ursprünglich geplant musste etwa die Gemeinde Beselich für mehrere Straßenbauprojekte ausgeben, berichtet Bürgermeister Michael Franz (parteilos). Dabei hatte die Gemeinde die Planungsansätze zuvor bereits nach oben korrigiert. Beselich hat derzeit drei Bauprojekte laufen: Die Straßen „Am Pfannstiel“ und Fliederweg in Obertiefenbach werden zurzeit endausgebaut, während der Straßenabschnitt zwischen Sportplatz und Kirche in Niedertiefenbach saniert werden soll.

Alles Maßnahmen, die aus Sicht der Gemeinde nicht aufgeschoben werden können. „Warum auch?“, fragt Franz. „Wir wissen heute nicht, wie die Baupreise sich in den nächsten Jahren entwickeln. Wenn das so weiter geht wie bisher, liegen wir dann vielleicht bei 60 bis 70 Prozent über den heutigen Preisen.“

Auf kreative Lösungen setzt deshalb die Stadt Limburg . Weil die Preise für die ausgeschriebenen Tiefbauarbeiten in der Altstadt für die Domstraße, die Nonnenmauer und den Mühlberg deutlich über den kalkulierten Kosten lagen, wurde die Ausschreibung aufgehoben. Es gab anschließend eine neue Ausschreibung – die gesamte Baumaßnahme wurde allerdings in neun Abschnitte eingeteilt, mit der Folge dass die gesamten Kosten deutlich unter denen der ersten Ausschreibung lagen.

Eine weitere Möglichkeit, die von den Baufirmen verlangten hohen Kosten zu reduzieren, ist der Faktor Geduld, wie der Sprecher der Stadt Limburg, Johannes Laubach, erklärt. So sei ursprünglich vorgesehen gewesen, den Endausbau der Wohnstraße „Im Krippchen“ in Offheim bis Ende dieses Jahres abzuschließen. Die Stadt setzte in der Ausschreibung dagegen einen großzügigeren Zeitrahmen und hoffte, dass dadurch ein günstigeres Angebot möglich wird, weil es für eine Baufirma attraktiv sein kann, eine Zeitlücke ohne Aufträge günstig schließen zu können. Diese Rechnung ging nach Laubachs Angaben auf: Es habe ein günstiges Angebot eingeholt werden können. Der Endausbau soll nun im Frühjahr 2019 erfolgen. Von dieser Strategie profitieren vor allem die betroffenen Anwohner, die den Großteil der Straßenbaukosten selbst tragen müssen.

„Bereits 2016 war ein gravierender Preisanstieg im Baugewerbe spürbar“, sagt auch die Stadtbauamtsleiterin von Bad Camberg , Bärbel Stillger. Besonders betroffen war der Bau des neuen Feuerwehrhauses in Schwickershausen. Dieses sei baugleich zu einem Haus in Niederense (NRW) gebaut worden. Daher sei man von der sonst üblichen Preissteigerung von zehn Prozent ausgegangen. Die Rückläufe der Ausschreibungen ergaben jedoch Steigerungen von etwa 30 bis 50 Prozent, und das in zwei Jahren. „Die Handwerker erklärten dies vor allem mit gestiegenen Materialkosten, vor allem resultierend aus den Stahlpreisen, aber auch den deutlich höheren Aufwendungen für die Sozialabgaben, Versicherungen. . .“, sagt Stillger.

Mittlerweile sei der Baukostenindex auf den konjunkturellen Preisanstieg angepasst. Der zeigt, dass sich das Bauen seit 2016 deutlich verteuert hat. „Das heißt, man geht bereits bei den Kostenschätzungen heute vom insgesamt sehr hohen Preisniveau aus“, sagt Stillger. Vor allem zum Jahresende hin sei auch wahrnehmbar, dass die Handwerker ihre Auftragsbücher voll haben – dies nach Rückfragen teilweise bis in die Mitte des nächsten Jahres. „Für Aufträge, die unbedingt noch ausgeführt werden sollen, müssen deshalb tendenziell etwas höhere Kosten einkalkuliert werden“, sagt Stillger. Da die Baumaßnahmen an Haushaltsmittel in dem betreffenden Jahr gebunden und es in der Regel nicht möglich sei, diese Gelder in das nächste Jahr zu übertragen komme es leider zum Jahresende hin immer wieder zu großem Druck.

In Sachen Tiefbau sieht die Kostensteigerung ähnlich aus, erklärt die Leiterin der Bad Camberger Stadtwerke Sonja Seelbach: „Die Baupreise im Bereich Straßen- und Leitungsbau sind in den vergangenen fünf Jahren um etwa 25 bis 30 Prozent gestiegen.“ Dafür hat sie auch eine Erklärung. Zunächst hätten Kommunen die Investitionen in den Straßenbau reduziert, um die Haushalte zu sanieren. Dazu hätten Ver- und Entsorgungsunternehmen Sanierungsverfahren angewandt, die keine größeren Tiefbauarbeiten erforderten. Darauf reagierten die Unternehmen mit Personalanpassungen und kleinere Tiefbaufirmen seien vom Markt verschwunden.

Nun aber seien laut Seelbach viele Versorgungsunternehmen an dem Punkt angekommen, dass die Sanierungen nur noch mit Tiefbauarbeiten möglich sind. Viele Kommunen und Versorger brächten damit ihre Projekte zum gleichen Zeitpunkt und mit ähnlichen Bauzeiten – auch bedingt durch die Genehmigung der Haushalte – auf den Markt. Stadtwerke versuchen, diesem Preisanstieg entgegenzuwirken, indem die Projekte über zwei Jahre gesplittet werden.

„Wir haben die gleichen Probleme wie alle anderen Kommunen“, stellt auch Michael Ruoff (CDU), Bürgermeister von Hadamar nüchtern fest. Die Preissteigerungen im Tief- und Straßenbau seien extrem. „Teilweise liegen die Aufschläge bei bis zu 50 Prozent“, sagt er. „Bei der Erschließung des Baugebietes Galgenberg/Bruchborn II in der Kernstadt hatten wir noch Glück, da für diese Maßnahme ein wirklich – für die heutige Zeit – akzeptables Angebot eingegangen ist.“ Tatsächlich hatte die Verwaltung hier aber bereits eine Preissteigerung von 15 Prozent einkalkuliert.

Eine weitere kostspielige Baustelle befindet sich im Stadtteil Oberweyer: Die Teilerneuerung der Kreisstraße 459 in der Ortsdurchfahrt. Zwar sei dafür die Kreisverwaltung zuständig. Allerdings ist die Stadt an den Kosten für Nebenanlagen wie etwa den Gehwegen, der Erneuerung der Wasserleitung und des Kanals beteiligt. „Auch hier wurden die eingerechneten Reserven aufgebraucht, und im Bereich der Erneuerung der Wasserleitung mussten geringfügig Mittel in Höhe von 12 000 Euro zusätzlich eingestellt werden“, sagt Ruoff. abv/goe/pp/dick

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