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600 Kilo hingen am Haken unter der Trecker-Gabel, als Alois und Markus Heep Tauchboot Bruni vor dem Heimatmuseum ?verankerten?.

Startklar für Unterwasser-Einsätze

Tauchboot am Heimatmuseum verankert

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Das Heimatmuseum Thalheim ist um eine Attraktion reicher: Ein funktionsfähiges, knallgelbes Tauchboot. Markus Heep hat es wieder fitgemacht.

Fast zwei Jahre hat Markus Heep geschraubt, geschweißt und getüfelt. Am Wochenende ist sein Tauchboot vor Anker gegangen in Thalheim. Auf seine alten Tage kommt „Bruni“ am Museum zu neuen Ehren.

Die Sammelleidenschaft und der Ehrgeiz, kaputten alten Kram wieder zum Laufen zu bringen, eint Vater und Sohn Heep. Während Schmied Alois Heep den Tick entwickelte, winzige Uhrwerke wieder in Gang zu setzen, ging Sohn Markus als Kind im Traum auf die Reise mit Käpt’n Nemo und seiner Nautilus – „20 000 Meilen unter dem Meer“, wie Jules Verne seinen Roman taufte. Vater Heep verwirklichte als Rentner seinen Traum, indem er seine Technik-Sammlung vor zehn Jahren ins neue Thalheimer Heimatmuseum umsiedelte. Sohn Markus perfektionierte seine Leidenschaft als Maschinenbauer.

Ende 2014 sah der inzwischen 52-Jährige seine Chance gekommen, dem Tauchboot-Traum näherzukommen: Vater und Sohn staubten aus einem Nachlass eines Sammlers in Koblenz das kaputte Unterseeboot „Bruni“ ab.

Über 40 Jahre hat die doppelwandige, knallgelbe Röhre mit Flosse und Propeller auf dem Buckel. Gebaut an der Uni in Hamburg, suchte „Bruni“ am Meeresgrund nach Lecks in Leitungen. Auch wenn eine sehr dünne, kleine Person in das Rohr krabbeln könnte: „Bruni“ ging unbemannt auf Tauchfahrt. In seinem Bauch steckten mehrere 24-Volt-Batterien, Messgeräte und vorne im „Bullauge“ eine Kamera. Radius und Tauchtiefe blieben beschränkt auf die Länge der Leitung, an der das Boot hing.

Von einem Tauchgang kehrte die Drohne nicht mehr wie geplant zurück. Markus Heep weiß auch, warum: Die Dichtungen im Propeller seien falsch eingebaut gewesen. So sickerte nach und nach immer mehr Wasser erst ins Triebwerk, dann über die Hydraulikschläuche ins Hauptschiff und blub . . . .

Wie Bruni wieder auftauchte und nach Koblenz kam, wissen die Heeps nicht. Jedenfalls holten sie es vor knapp zwei Jahren in die „Werft“ nach Niederhadamar, dorthin, wo Markus Heep sonst seine Maschinen baut oder repariert. Aus der geplanten zweimonatigen Trockendock-Zeit wurden ein paar Wochen mehr. Dafür hat Markus Heep aber einiges verbessert.

Er entrostete die Röhre, demontierte die alte Elektronik. In dem Boot stecken mehr Motoren als gedacht. Da wären zunächst einmal die beiden Propeller-Triebwerke an den „Flügeln“. Heep musste den fehlenden linken Motor ersetzten und setzte richtige Dichtungen ein. In den seitlichen Röhren bewegen Motoren Trimm-Gewichte hin- und her. Das können technikinteressierte Zuschauer nun auch durch ein seitliches Fenster beobachten.

Ein ganz neues Bauteil steckt nun an der Flosse: Ein Motor in dem grauen Zylinder bewegt das Höhenrunder. Das sei bislang nur vor der Tauchfahrt einstellbar gewesen. Im Inneren gibt es schließlich noch Pumpen, die Luft und Wasser in der Doppelwand hin- und herpumpen und so das Ab- oder Auftauchen einleiten. Und vorne im Bullauge richtet eine Kamera ihre Linse aufs Heimatmuseum, statt auf Leitungslecks.

Im Wasser bekäme „Bruni“ eine mehrere Meter lange Schwimm-Schleppantenne, weil sich die Funksignale der Fernsteuerung nur wenige Meter durch das Wasser bewegen können und so der Kontakt schnell verloren ginge.

Fast 3000 Euro investierte Markus Heep in das Boot, für das er sogar „

Anteilsscheine

“ an Förderer (Anteilseigner) ausgibt zum Stückpreis von 50 oder 100 Euro. Wer das Museumsprojekt unterstützen will, der kann das auch heute noch tun.

Es gibt übrigens kein neues Lack-Gewand für Bruni. Es bleibt bei der „natürlichen Patina“. Fest verankert im Thalheimer Mutterboden braucht Bruni zwar keinen Wasserdruck mehr aushalten, darf aber durchaus ein paar Kinder beim Klettern tragen. Ein langes Stromkabel vom Heimatmuseum soll dann in Zukunft reichen, um nicht nur Bruni unter Spannung zu setzen, sondern auch Kinder auf Fantasie-Reisen zu schicken, „20 000 Meilen unter dem Meer“. Vielleicht gibt es ja im nächsten Frühjahr, wenn die Temperaturen wieder zu Wasserspielen einladen, eine Tauf-Fahrt am Heimatmuseum?

Kontakt: Alois Heep, Telefon:  06436/13 07.

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