Ein trauriger Anblick bietet sich dem Weilburger Forstamtsleiter Werner Wernecke in diesem Waldstück in Schupbach. Dort hat der Wind eine gewaltige Schneise in den Baumbestand geschlagen.

Tausende Bäume überleben nicht

Das Wetter des vergangenen Jahres hat die Bäume im Kreis Limburg-Weilburg schwer geschädigt

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Die Wetterkapriolen des zurückliegenden Jahres haben die Wälder des Landkreises Limburg-Weilburg schwer geschädigt – darin sind sich die Leiter der Forstämter Weilburg und Weilmünster, Werner Wernecke und Johannes Maassen, einig. Die Schadholzmenge beträgt in den von ihnen betreuten Wäldern insgesamt rund 150 000 Festmeter.

Limburg - Erst fegte Sturm Friederike übers Land, dann folgten Trockenheit und Hitze sowie obendrein noch der Borkenkäfer – viele heimische Bäume hatten im zurückliegenden Jahr ums nackte Überleben zu kämpfen. Eine große Zahl schaffte es nicht. Allein im Bezirk des Forstamts Weilmünster (Süden des Kreises Limburg-Weilburg sowie Braunfels und Waldsolms), so dessen Leiter Johannes Maassen, fielen 70 000 Festmeter Holz dem Sturm und weitere 30 000 Festmeter dem Borkenkäfer, Hitze und Trockenheit zum Opfer.

Eine Situation wie 2018 gab es noch nie

Im Bezirk des Forstamts Weilburg (Norden des Kreises Limburg-Weilburg sowie Driedorf und Greifenstein) sah es etwas besser aus: Dort betrug die Sturmholz-Menge 32 600 Festmeter; weitere 20 000 Festmeter waren von Hitze, Trockenheit und Käferbefall betroffen, so dessen Leiter Werner Wernecke. Beide Forstamtschefs sind sich einig: Eine Situation wie 2018 gab es noch nie. „Es war sicher das trockenste Jahr seit Mitte der 70er Jahre“, vermutet Maassen.

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„Bis Jahresende, so Maassen, fehlten noch immer rund 200 Millimeter Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Mittel. Zwischen April und November – das hätten private Messungen in Hintermeilingen gezeigt – seien die Niederschläge weit unter dem Durchschnitt früherer Jahre geblieben. Vielerorts hätten sich die Böden in wahre „Trockenwüsten“ verwandelt, vor allem dort, wo sie nur begrenzt Wasser speichern können, zum Beispiel in Mittelgebirgslagen. Wernecke erläutert: „Wenn Hitze und Trockenheit aufeinandertreffen, wird es kritisch für den Wald.“ Betroffen sei der gesamte Landkreis Limburg-Weilburg, wobei laut Wernecke tiefere Lagen etwas stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden als höhere Gebiete. Im Tal sei es noch etwas wärmer und trockener gewesen als weiter oben.

Enormer Preisverfall

Die Höhe des Schadens infolge der Wetterkapriolen macht eine weitere Zahl deutlich: Im Forstamt Weilmünster fiel mehr Schadholz an, als normalerweise im gesamten Jahr Holz eingeschlagen wird, während im Nachbarforstamt Weilburg der Schadholzanteil immerhin rund zwei Drittel des Jahreseinschlags betrug. Dies hat enorme wirtschaftliche Schäden zur Folge, vor allem wegen des massiven Preisverfalls für Fichtenstammholz.

Zwar konnte ein Großteil der geschädigten Fichtenstämme noch zu üblichen Marktpreisen verkauft werden – laut Maassen 94 Euro pro Festmeter. Zuletzt jedoch sei der Preis auf rund 50 Euro abgesackt. Hinzu komme, dass ein nicht unerheblicher Teil des Holzes infolge des Borkenkäferbefalls qualitativ minderwertig sei und daher nicht mehr die besten Preise erzielen konnte. Wernecke schätzt den Einnahmenausfall im gesamten Forstamt Weilburg auf rund eine Million Euro.

Gelitten hat dabei vor allem eine Baumart: die Fichte. Sie reagiert nach Aussage beider Forstamtsleiter sehr empfindlich auf Hitze und Wassermangel. Der Grund dafür ist sehr einfach: Die Wurzeln der Fichte reichen nicht besonders tief. In geringerem Umfang sei aber auch die Buche geschädigt worden, was sich im sogenannten Schleimfluss dieser Baumart bemerkbar mache.

Das genaue Ausmaß der Schäden lasse sich vermutlich aber erst im Laufe dieses Jahres feststellen, wie beide Forstamtsleiter befürchten. Denn: Viele Bäume, die im vergangenen Jahr stehen geblieben sind, seien durch Hitze und Trockenheit derart geschwächt, dass sie im Frühjahr dem Käferfraß anheimfallen dürften. Der gegenwärtig milde Winter unterstütze diese Tendenz noch.

Folgeschäden zu erwarten

Enorme Schäden gab es laut Maassen und Wernecke auch in den neu angelegten Kulturen der vergangenen Jahre. Da der Oberboden vieler Schonungen bereits im Hochsommer vollständig ausgetrocknet gewesen sei, seien die jungen Bäume vielfach nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt worden. Aber auch hier werde sich wohl erst im Frühjahr zeigen, we hoch der Schaden tatsächlich ist.

Um die Folgeschäden des vergangenen Jahres in Grenzen zu halten, ist in den kommenden Monaten laut Wernecke ein „waches Auge“ der zuständigen Revierförster gefragt. Eventuell vom Borkenkäfer befallene Fichten müssten in jedem Fall rasch entfernt werden, „damit der Druck auf umstehende Bäume nachlässt“.

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