+
Vorsicht ist geboten, über den Sportlern drohen Stromdrähte. Johannes Koenig (im Vordergrund) macht sich ganz klein.

Reportage

Teilnehmer gehen bei Grafen Challenge an ihre Grenzen

  • schließen

„Sei bereit für die größte Herausforderung Deines Lebens.“ Unter dem Motto traten mehr als 200 Teilnehmer bei der „Grafen Challenge“ in Diez an. Kaltes Wasser, viele Hindernisse und jede Menge Matsch wurden mit viel Teamgeist bezwungen. Unser Mitarbeiter Johannes Koenig hat sich der Herausforderung gestellt.

Einen Rugby-Spieler an den Füßen, kaltes Aarwasser bis ans Kinn, viele vermatschte Wege und (fast) unüberwindliche Hindernisse: Die zweite Auflage der Diezer Grafen Challenge hat es in sich. Für mich noch ganz besonders, weil es mein erster Hindernislauf ist. Denn Joggen gehe ich zwar oft und gerne, aber freiwillig irgendwelche Hindernisse zu erklimmen – auf die Idee bin ich bisher noch nicht gekommen.

Das feucht-kalte Wetter ist dabei weniger unangenehm als gedacht. Gruppenweise werden die mehr als 200 Teilnehmer innerhalb weniger Minuten auf die Strecke gelassen. Über aufgeweichten Boden geht’s direkt hinein in den Schlamm, denn es gilt, unter Viehzaunkabeln hindurch zu kriechen. Wer sie berührt, kriegt einen Stromschlag verpasst. Kaum wieder auf den Beinen, lande ich fast wieder auf dem Bauch, als ich von einem Rugbyspieler angegangen werde. Als menschliche Mauer stürmt er mit einigen Kumpanen den Läufern entgegen.

Endgültig zurück in den Matsch befördert mich wenig später die glatte Aar-Böschung. Ehe ich mich versehe, knalle ich mit dem Hinterkopf auf den Boden. „Geht’s Dir gut?“, fragt gleich ein Mitläufer. Teamgeist wird bei der Challenge ganz groß geschrieben. Weiter geht es in die Aar. Eigentlich wollte ich das bereitliegende Floß nehmen, aber die Warteschlange ist lang. Das Wasser ist weniger kalt als befürchtet. Doch wegen des Rückstaus am anderen Ufer, wird es allmählich unangenehm. Auf der anderen Seite geht es über die Gleise der stillgelegten Aartalbahn. Mit nassen Schuhen sind die Bahnschwellen besonders rutschig. „Es ist keine Schande, zu gehen statt zu laufen“, sage ich mir, als es den steilen Hang zur Burg Aardeck hochgeht. Überhaupt sind die Regeln nicht so streng, jeder überwindet die Hindernisse, so gut er kann, zur Not mit tatkräftiger Unterstützung der Mitstreiter. Es ist normal, dass wildfremde Menschen oben auf den Hindernis bleiben, um Nachfolgenden hochzuhelfen. Ein Teilnehmer kauerte sich sogar als Trittbrett vor eine glatte Holzwand. Vorsichtig steige ich ihm auf den Rücken, über die Wand schaffe ich es trotzdem nicht.

Mein Erfolgserlebnis kommt später: „Super, dass Du das geschafft hast“, strahlt mich ein Begleiter an, nachdem ich wie ein Feuerwehrmann an einem Stahlrohr heruntergerutscht bin. Im Geiste hatte ich mich schon gesehen, wie ich am Rohr entlang mit ungebremster Geschwindigkeit den Boden entgegenrausche.

In kleinen Gruppen geht es über Feld- und Waldwege auf die andere Talseite in Richtung Birlenbach. Weitere Hindernisse bestehen unter anderem aus Heuballen, Ölfässern, einem Reifenparcours und einer schrägen Wand. „Ratsch“ macht es, als ich bäuchlings die Wand runterrutsche. „Du hast Deine Startnummer verloren“, lautet die prompte Feststellung. Aber kein Problem, mit Sicherheitsnadeln wird die Nummer erneut am Leibchen fixiert.

Gemein wird es noch beim vorletzten Abschnitt: Erst geht es einen steilen Waldhang hoch und dann gleich wieder runter. Da ist volle Konzentration gefragt, um eine unfreiwillige Rutschpartie zu vermeiden. Mit dem Ziel vor Augen verlieren dann auch die als letztes Hindernis aufgestellten Wassercontainer ihren Schrecken.

( koe)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare