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Walter Rudersdorf +

Trauer um einen Heimatforscher

Ein großer Heimatforscher unserer Region hat endgültig seine Schreibfeder zur Seite gelegt. Wenige Tage nach Vollendung seines 89. Lebensjahres ist Walter Rudersdorf nach einem erfüllten und arbeitsintensiven Leben in Gießen verstorben.

Von Alfred Sehr

Schreiben und fotografisch dokumentieren, sammeln, forschen und sein Wissen präsentieren, das waren Leidenschaften, die Walter Rudersdorfs Denken und Tun bereits in jungen Jahren tief prägten – von der Zeit als Oberprimaner bis zu seinem Krankenbett in diesen Tagen. Denn noch immer erscheinen regelmäßig im Waldbrunner Mitteilungsblatt seine historischen Fotos und Artikel über die Menschen und die Geschichte seiner Westerwälder Heimat.

Auf diese Weise ist über viele Jahrzehnte rastlosen Schaffens ein rekordverdächtiges, kaum zu erfassendes Werk entstanden. Hier seinen beispielhaft nur seine etwa 8000 kulturgeschichtlichen Beiträge sowie die über 3000 heimatgeschichtlichen Vorträge angeführt.

Zu den Höhepunkten im Leben des Walter Rudersdorf dürften gehört haben: die Verleihung der „Eugen-Heyn-Medaille“ als höchste Auszeichnung des Westerwaldvereins 1987, das Bundesverdienstkreuz durch Bundespräsident Johannes Rau 2003, die Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Waldbrunn 1995, die Ehrenmitgliedschaft vieler Vereine und 1998 der Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde für seine immense Vortragstätigkeit.

Dabei war er in verschiedenen Themenbereichen unterwegs. Von dem vorchristlichen Gaugericht Heidenhäuschen über den Hexenwahn und die Pest bis zum Wandel der Landwirtschaft und der Zusammenstellung jüdischer Wörter reichte seine Themenpalette.

Der Verstorbene hat sich trotz seiner besonderen Leistungen niemals von den Menschen seiner Heimat abgehoben, sondern blieb stets in seinen Westerwälder Wurzeln geerdet: „Gerade diese Bindungen haben mir Kraft gegeben und mir viel im Leben geholfen“, sagte er im Jahre 1995.

Walter Rudersdorf hat den Menschen einen Spiegel vorgehalten und ihnen damit über 65 Jahre lang immer wieder ihre eigenen Lebensgrundlagen und ihre Wurzeln als geschichtliche Wesen vor Augen geführt – in der festen Überzeugung, dass der gegenwärtige und der zukünftige Mensch wesentlich aus seiner Vergangenheit lebt.

Daher kann man mit Fug und Recht festhalten: Walter Rudersdorf hat Geschichte aufgeschrieben und damit Geschichte gemacht, um schließlich selber Teil der Geschichte zu werden.

Mit der Einrichtung des Kulturgeschichtlichen Heimatmuseums, des historischen Archivs mit etwa 35 000 vertonten Dias und zuletzt der heimatgeschichtlichen Bibliothek im Ludwig-Bös-Haus hat der „Wahl-Frankfurter mit dem Wäller Herzen“ in seinem Geburtsort Ellar eine einzigartige Schatzkammer von überregionaler Bedeutung geschaffen. Diesen seinen Nachlass hat er mit vorbildlicher Großzügigkeit der Gemeinde Waldbrunn und dem Kultur- und Geschichtsverein Ellar übertragen.

Hier und in den vielen Spuren seines Schaffens wird er weiterleben, auch wenn Ende 2015 seine Beiträge in den Waldbrunner Nachrichten auslaufen werden. So lange hatte er schon vorgearbeitet.

Am heutigen Freitag findet um 14.30 Uhr das Requiem in der St. Maximinus Kirche zu Ellar statt, anschließend wird Walter Rudersdorf neben seiner Frau Mechthild auf dem Friedhof im „Schatten der Burg Ellar“ seine letzte Ruhestätte finden.

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