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Trennung von Arzt und Apotheker beibehalten

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Von: Sabine Rauch

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Die Ärzte impfen seit elf Monaten mit gegen das Coronavirus. Dass nun auch noch Apotheker mitmachen sollen, denken die heimischen Hausärzte allerdings nicht.
Die Ärzte impfen seit elf Monaten mit gegen das Coronavirus. Dass nun auch noch Apotheker mitmachen sollen, denken die heimischen Hausärzte allerdings nicht. © dpa

Bisher impfen die Apotheker im Landkreis Limburg-Weilburg nicht.

Limburg-Weilburg -Vor einem knappen Dreivierteljahr kamen auch schon mal hunderte Patienten am Tag, obwohl sie gar nicht krank waren. Das war damals, kurz nachdem die Priorisierung aufgehoben worden war und es endlich Impfstoffe gegen das Coronavirus gab. Damals waren die Praxen voll, und alle waren am Limit. Schließlich mussten ja auch noch die Kranken versorgt werden. Aber die meisten Ärzte im Landkreis Limburg-Weilburg haben mitgemacht und geimpft, so viel es ging. Und haben bewiesen, "dass wir dank unserer Erfahrungen mit vorherigen großen Impfkampagnen in kürzester Zeit eine große Anzahl von Menschen im ambulanten Bereich und in den Heimen gegen Corona impfen konnten", sagen die Ärztevertreter im Kreis, Dr. Wilfried Thiel vom Ärztenetz Piano und Dr. Simon Fachinger, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Limburg-Weilburg.

Und nun das: Jetzt, wo der große Impf-Stress vorbei ist, jetzt, wo nicht mehr ungezählte Patienten ganz dringend und am besten sofort geimpft werden wollen, jetzt wollen auch noch andere mitmachen: Seit Anfang Februar impft das St.-Vincenz-Krankenhaus nicht nur sein Personal, sondern alle, die kommen. Und dann haben die ersten Apotheken in Hessen angekündigt, Covid-19-Schutzimpfungen anbieten zu wollen.

"Das ist einigen Kollegen ein Dorn im Auge", sagt Simon Fachinger. Und verweist auf die Jahrhunderte alte Trennung von Arzt und Apotheker, die Trennung von Verordnung und Abgabe von Medikamenten. Schon allein, um Korruption vorzubeugen. Aber auch aus medizinischen Gründen sei es nicht sinnvoll, wenn Apotheker impfen. Das Prüfen der Indikation und Kontraindikation und überhaupt der Impffähigkeit sei eine ärztliche Tätigkeit. Die Apotheker lernten zwar das Impfen, aber wenn etwas passiert, müsse trotzdem ein Arzt kommen. "Ich würde mir das als Apotheker nicht zutrauen."

"Wir stehen bereit,

falls man uns braucht"

Noch sind die Apotheker im Kreis allerdings auch zurückhaltend. Einige haben zwar schon die Impf-Ausbildung absolviert, aber impfen wollen sie noch nicht. Lola Emer, Inhaberin von vier Apotheken im Kreis, zum Beispiel. Die Prüfungen hat sie bestanden, das Zertifikat in der Tasche, ihre Apotheke in Hadamar so umgebaut, dass sie die Auflagen erfüllt. Aber Lola Emer impft noch nicht. "Wir stehen bereit, falls man uns braucht", sagt sie. Falls die nächste Welle kommt, ganz viele Menschen innerhalb kürzester Zeit geimpft werden müssen und den Ärztinnen und Ärzten die Zeit für die Behandlung ihrer Patienten fehlt. "Wir können impfen, um die Ärzte zu entlasten", sagt Lola Emer. So sei das ja auch vom Gesetzgeber gewollt, deshalb habe er das Infektionsschutzgesetz geändert.

"Der Apotheker vor Ort muss vorbereitet sein" und seinen Teil zur Bekämpfung der Pandemie beitragen - so wie er das ja auch schon mit der Vergabe von Schutzmasken oder dem Angebot von Schnelltests getan habe und tue. "Wir sind keine Konkurrenz für die Ärzte", betont Lola Emer. Und das wolle und könne sie auch gar nicht sein. Sie dürfe zwar jetzt impfen, habe in ihrem Impfseminar auch gelernt, woran sie Impfreaktionen erkennt, vor allem den allergischen Schock. Sie hat sich extra Beamtmungsmasken und Sauerstoff- und Pulsmessgeräte zugelegt, um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein. "Aber wir sind nicht geübt, wir können keine ärztliche Leistung erbringen", falls doch mal etwas passiert. "Die Verantwortung ist groß." Und dazu noch die Dokumentationspflicht: 10 Jahre müssen die Impfunterlagen aufgehoben werden. "Wir sind nicht scharf aufs Impfen", sagt Lola Emer.

Das sieht Adolf Wuth, Apotheker in Limburg, genauso: "Für uns ist das kein Thema." Auch er hat zwei Mitarbeiter zu den Schulungen geschickt, aber ob sie dann tatsächlich irgendwann impfen, ist eine andere Frage. In seiner Apotheke an der Werner-Senger-Straße jedenfalls nicht. "Bei uns ist gar kein Platz dafür." Und außerdem seien die Limburger in der glücklichen Lage, dass dort genug Impfangebote gibt, ein Impfzentrum und jede Menge impfende Ärzte.

Wilfried Thiel ist Kardiologe in Limburg und einer von ihnen. Er hat von Anfang an mitgeimpft. "In der zweiten Reihe", sagt er. Immer dann, wenn seine Patienten woanders keinen Termin bekamen und auch seine Praxis Impfstoff zugeteilt bekam. Primär sei das Impfen die Aufgabe der Hausärzte, aber die niedergelassenen Ärzte im Landkreis arbeiteten gut zusammen, die Kommunikationswege seien kurz, und wenn dem Einen mal eine Impfdosis fehle, finde sich oft schnell ein Anderer, der noch eine abzugeben hat. "Und dann schicken wir den Patienten eben dorthin." So lange es genug Impfstoff gebe, sei das kein Problem. "Wir versuchen, das zu ökonomisieren", sagt Wilfried Thiel.

Nachfrage aktuell

sowieso gering

Von der guten Zusammenarbeit unter Kollegen berichtet auch Simon Fachinger und davon, wie wichtig es sei, sich beim Haus- oder Facharzt des Vertrauens impfen zu lassen, dort, wo man sich kennt. Derzeit sei es in Sachen Impfen relativ ruhig in seiner Praxis in Niederbrechen, sagt Simon Fachinger. Vor ein paar Monaten kamen auch schon mal 150 bis 250 Impflinge pro Impf-Tag in seine Praxis - neben seinen kranken Patienten. Derzeit sind es 20 bis 30 - auch die konzentriert auf einen Tag. Aus organisatorischen Gründen, damit kein Impfstoff weggeworfen werden muss. Ein paar Erstimpfungen sind noch immer dabei, aber auch schon jede Menge Patienten, die ihre vierte Spritze bekommen.

Viele Patienten warteten aber noch auf Nuvaxovid, den neuen Impfstoff der Firma Novavax, ein Impfstoff nach dem "klassischen Verfahren", der aus virusähnlichen Partikeln und einem Wirkverstärker besteht. Aber auch wenn der Impfstoff seit Montag in Deutschland auf dem Markt ist, für die niedergelassenen Ärzte sei Nuvaxovid "nicht in greifbarer Nähe", sagt Simon Fachinger. Denn auch dieser Impfstoff sei jetzt erst einmal Mangelware und werde zunächst in den Impfzentren verimpft - und auch nur an jene Menschen, bei denen eine gesetzliche Impfpflicht ansteht.

Novavax-Impfstoff zunächst nur für bestimmte

Gruppen und im Impfzentrum

Rund 78,1 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Limburg-Weilburg sind inzwischen vollständig geimpft worden - im Impfzentrum des Kreises oder in Wiesbaden, bei einer Sonderimpfaktion des Kreises oder bei einem der niedergelassenen Ärzte. Bei den Erstimpfungen sind es 79,2 Prozent, bei den Drittimpfungen 61,7 Prozent.

Der Andrang ist überall längst nicht mehr so groß, wie er einmal war. Deshalb hat auch das Impfzentrum seine Öffnungszeiten längst angepasst: Das Impfzentrum, Auf der Heide 3 in Dietkirchen, ist montags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr und freitags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Verimpft werden dort ohne Termin die Impfstoffe von Biontech und Moderna für alle ab fünf Jahren. Seit Montag steht dort zudem der Novavax-Impfstoff zur Verfügung. Allerdings warnte der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) gleich vor allzu großen Hoffnung: Der Impfstoff sei knapp: "Vordringlich sollte dann das von der einrichtungsbezogenen Impfpflicht umfasste Personal Impfangebote mit diesem Impfstoff erhalten", sagt Klose. Der Landkreis bietet ihn daher zunächst auch nur für diese Personengruppe an. Termine können über dessen Homepage gebucht werden. Und die Arztpraxen würden angesichts der kleinen Liefermenge von zunächst 108 000 Dosen für ganz Hessen erst einmal leer ausgehen. "Eine Verteilung von Kleinstmengen an alle Arztpraxen ist angesichts dieser zunächst eher überschaubaren Zahl nicht sinnvoll." sbr

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