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Was tun mit verletzten Wildtieren?

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Von: Nadja Quirein

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Tierarzt Peter Weck mit einem verletzten Schwan in seiner Holzheimer Praxis.
Tierarzt Peter Weck mit einem verletzten Schwan in seiner Holzheimer Praxis. © Nadja Quirein

Gerade im Herbst finden Passanten und Tierschützer oftmals verletze Wildtiere. Doch was soll man tun, wenn man ein verletztes Wildtier findet? Und wer zahlt eigentlich die Behandlung?

Besonders verwundert war Dr. Peter Weck nicht, als plötzlich ein stattlicher Schwan als Patient in seiner Holzheimer Praxis vorgestellt wurde. Das sei nichts Ungewöhnliches, oft seien Wildtiere als Patienten in seiner Praxis, so der verständnisvolle Tierarzt.

Der Schwan, den Tierheimleiterin Adelheid Noble gemeinsam mit ihrem Mann auf der Überholspur der B49 verletzt vorfanden, sei wieder wohlauf, sagt Dr. Weck. „Er hatte nur ein paar blaue Flecken“, so das Urteil nach der Behandlung. Für die Behandlung erhielten der Schwan und sein Finder keine Rechnung. Der Behandlung des Schwans folgte ein Aufenthalt in der Wildtierpflegestation, um dort aufgepäppelt zu werden. Laut Informationen von Dr. Weck sei der Schwan schon wieder in der freien Wildbahn. Mal ein Schwan, ein Igel, verletzte Vögel, Füchse, Dachse und viele andere Wildtiere seien vor allem im Herbst oft in der Praxis vertreten. Nicht immer aber gebe es dafür allerdings einen Grund. Manchmal, so Dr. Weck, seien die Tiere bloß erschöpft und erholten sich nach einiger Zeit auch ohne tierärztliche Hilfe wieder. Ruhe reiche manchmal schon aus. Für Laien allerdings sei das gar nicht so einfach zu beurteilen.

Immer Experten fragen

Blutende Wunden, sichtbar verletzte Gliedmaße oder Brüche oder atypisches Verhalten seien immer ein Fall für den Tierarzt. Sitze ein junger Vogel aber einfach nur auf dem Boden, sei das noch kein Grund zur Sorge. Da gelte es erst einmal, die Situation zu beobachten und abzuwarten ob die Elternvögel sich vielleicht gleich kümmern. Deshalb sollte man zunächst einen Experten fragen, bevor man in solchen Fällen aktiv wird.

Bei verletzten Tieren ist aber immer der Tierarzt erster Ansprechpartner, bei anderen Situationen je nach Tierart und Ort des Tierfundes aber auch andere Experten wie Tierpflegestationen oder Tierheime, die auch weitervermitteln oder Adresse weitergeben können. Wichtig sei es zudem, sich selbst zu schützen und sich als Finder von verletzten Tieren nicht in Gefahr zu bringen, so Weck.

Was die Bezahlung der Wildtierbehandlungen betrifft, so sei dies im Normalfall von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich und auch die Art des Tieres spiele eine Rolle, so der Tierarzt. Bei Waldbewohnern beispielsweise sei das anders als bei verwilderten Haustieren. Das seien individuelle Fälle, bei denen verschiedene Einrichtungen wie Jagdbehörden oder Tierschutzvereine und Gemeinden Auskünfte geben können.

Kaffeekasse für Wildtiere

Dr. Ulrike Amsel, Tierärztin aus Limburg, hat eine Wildtierkasse. Das sei eine Art Kaffeekasse, aber eben speziell für Wildtiere, so die Tierärztin. Menschen, die ein Wildtier zur Behandlung vorbei bringen ebenso wie Tierhalter, die in ihre Praxis kommen, können spenden. Kommt ein Wildtierfall in die Praxis, werden von dem Geld in der Kasse die Medikamente bezahlt. Die Leistung der Tierärztin, also die Untersuchung und Behandlung, mache sie kostenfrei. „Das ist dann mein Beitrag zum Tierschutz“, sagt Dr. Ulrike Amsel. Es komme etwa einmal im Monat vor, dass ein verletztes Wildtiere zu ihr gebracht werde. Meistens Vögel, Fledermäuse oder Igel. Im Idealfall findet sich eine Pflegestelle und das Tier wird nach der Genesung ausgewildert.

Kann ein Tier wegen einer sehr starken Verletzung nicht mehr artgerecht weiterleben, müsse es in manchen Fällen eingeschläfert werden.

Auch Tierärztin Nannett Welk von der Tierarztpraxis Elz kennt die Thematik. Die Tierärztin freut sich, wenn Menschen Verantwortung für verletzte Tiere übernehmen und sie zur Versorgung zu Tierärzten bringen, obwohl sie nicht wissen, welche Kosten auf sie zukommen. Denn, so die Tierärztin, normalerweise ist der, der kommt, der Auftraggeber und zahlt. Je nach Tier und Ort könne auch bei der Gemeinde oder Stadt ein Antrag für die Erstattung der Kosten gestellt werden, wenn der Finder in Vorkasse tritt. In der Tierarztpraxis Elz gibt es allerdings eine Art Kaffeekasse, die als Tierschutzkasse in Gebrauch ist und zum Teil für die Behandlung von Wildtieren genutzt wird. „Bitte immer erst einen Experten um Rat fragen“, wünscht sich die Tierärztin. „Nicht einfach selbst loslegen oder etwa mit Milch füttern.“ Das könne dem Tier schaden. Zudem sei es wichtig, dass die Finder ihre eigene Sicherheit ernst nehmen. Ein verletztes Tier sei auch ängstlich und könne beißen oder kratzen. Also nicht gleich einfangen, sondern erst Rücksprache halten. War eine Behandlung nötig, sei das Tier oft trotzdem noch nicht in der Lage, wieder in die Natur zurückzukehren. Weder die Tierarztpraxis noch der Finder seien dann immer in der Lage, sich weiter um das Tier zu kümmern. In diesem Fall seien spezielle Tierpflegestationen eine gute Alternative. Adressen erfahren die Finder über Tierheime, den Tierschutzverein oder den Tierarzt.

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