"Bruzzelfee" Carmen Setka war der Umweltgedanke schon vor dem Plastikverbot wichtig.
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"Bruzzelfee" Carmen Setka war der Umweltgedanke schon vor dem Plastikverbot wichtig.

Wir haben mit heimischen Betrieben gesprochen, was das Plastikverbot für sie bedeutet

Verständnis, aber auch eine angekündigte Klage

  • VonRobin Klöppel
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Trinkhalme, Rührstäbchen und Einweggeschirr aus konventionellem Plastik, To-go-Becher und Einweg-Behälter aus Styropor gehören der Vergangenheit an

Limburg Weilburg -Rolf Schneider von Imbiss Schneider Dornburg sieht die Änderung mit gemischten Gefühlen. Noch haben er und sein Händler alte Waren im Lager, die sie noch verwenden dürfen. Schneider wäre aber eher für eine gesunde Mülltrennung als für ein Verbot gewesen. Denn er sieht bei der Umstellung auch Probleme auf Imbissbetriebe zukommen, wenn er auf Holzbesteck und kompostierbare Verpackungen umsteige. Denn Kunden wollten beispielsweise nicht auf Holz beißen.

Schneider sieht auch das Problem, dass kompostierbare Gabeln das Essen nicht gut schneiden würden. Zudem könne er das Besteck nicht in seine Biotonne schmeißen, weil die Kontrolleure sie auf den ersten Blick nicht von den alten Plastikgäbelchen unterscheiden könnten und ihm sonst ein Bußgeld drohe. Schneider muss folglich noch austesten, was er künftig verwenden wird. In unbeschichteten Currywurstschalen aus braunem Papier könne man vielleicht noch trockene Pommes verkaufen, doch wenn Sauce dazukomme, würden diese Schalen sofort durchweichen. Schneider kann auch keine dünnen Schälchen verwenden, die die Kunden aufgrund der Hitzeentwicklung nicht mehr in der Hand halten könnten. Da die neuen Verpackungen deutlich teurer seien, würden Imbissbetriebe wohl auch nicht darum herumkommen, Verkaufspreise ihrer Produkte anzupassen.

Dominique Huth, Geschäftsführer der Bäckerei Huth in Limburg, ist der Umweltgedanke wichtig. Er hält das System aber für nicht durchdacht. "Wir haben bisher bereits Kaffeebecher verwendet, die 90 Prozent weniger Materialverbrauch wie herkömmliche Becher haben", sagt Huth. Mehrwegbecher würden sich nur lohnen, wenn sie mehr als 20 Mal benutzt würden und mit reinem Ökostrom gespült. Zudem müsse man auch die Auswirkungen des Geschirrspülmittels betrachtet werden. Folglich spricht Huth von einer "Becherlüge" und kündigte an, gegen den Bund zu klagen.

Funktioniert nur

in Großstädten

Er könne nicht vier Euro für einen Mehrwegbecher bezahlen und den dann in seinen Cafés zum selben Preis wie einen Einwegbecher verkaufen. Hinzu komme, dass den Erfahrungen nach Mehrwegbechersysteme in Großstädten wie Frankfurt funktionierten, weil dort ein urbanes Publikum wohne, das dahinterstehe. In Limburg dagegen seien eher Kunden, die das Mehrwegsystem weder wollten noch bezahlen könnten.

Das Verrückte sei laut Huth, dass er die Mehrwegbecher an seinen Verkäufer zurückgeben könne, wenn er selbst keine Spülmöglichkeit habe. Doch der Verkäufer habe ihm erklärt, dass er die Becher nicht spülen, sondern nach Frankreich schicken werde, wo diese dann geschreddert würden. Huth bezweifelt, dass das ein Gewinn für die Umwelt sei. Er fragt auch, warum er seine Becher verboten bekomme, Fast-Food-Filialen die Colabecher aber nicht.

Carmen Setka, Inhaberin des Elzer Imbisses "Bruzzelfee", berichtet: "Ich muss gar nichts umstellen. Ich habe seit der Eröffnung auf die Umwelt geachtet." Sie verwende Holzbesteck und kompostierbare Verpackungen aus Bambus. "Ich mache das schon immer, da ich Enkelkinder habe, die auch noch auf dieser Welt leben wollen", betont Setka. Obwohl sie die Verpackungen 50 Cent pro Stück mehr als herkömmliche gekostet hätten, habe sie das nie auf den Preis draufgerechnet.

Andreas Weyandt, Pächter des Hadamarer Imbisses Olschok, sagt, dass sich die Kundschaft beschwere, dass das Holzbesteck breche und Fleisch schlecht schneide. Die Diskussionen mit Kunden seien anstrengend, die die neuen Regelungen oft nicht verstehen könnten. Der Oberzeuzheimer Imbissbetreiber Alfred Enk weiß, dass Plastik ein Auslaufmodell ist und verwendet soweit möglich schon länger wiederverwendbares Besteck und Teller. Enk ist aber sauer, dass die Imbisse von der Politik an den Pranger gestellt würden. Denn in diesen würden doch nicht die riesigen Mengen an Plastik verbraucht, sondern eher in Supermärkten, wo alles doppelt und dreifach verpackt sei.

Foodtruck-Preise

nicht erhöht

Eric Schröder, Organisator mehrerer Foodtruck-Festivals in der Region, berichtet: "Es gibt nicht wenige Kunden, die von sich aus auf den Umweltgedanken schauen." Von daher verwende er an seinen Ständen Pommesschälchen aus Agrarabfällen produzierten und recycelbarem Papier sowie Holzgabeln und -löffel. Für die Cocktails habe er Becher und Strohhalme aus Maisstärke. Alle anderen Getränke würden ohnehin nur in Flaschen ohne Becher ausgegeben. Schröder sagt, dass er die Preise vorerst nicht erhöhen wolle, weil das viele Kunden sonst nicht mitgehen würden.

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