Wetterbilanz

Nassauer Land: 2018 war viel zu trocken und viel zu heiß - es liegen aber auch überraschende Ergebnisse vor

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Sehr sonnig und zu trocken war das Wetterjahr 2018 im Nassauer Land. Die Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen aber auch, dass die gefühlten Wetterextreme mitunter kleiner sind als gedacht, wie eine Auswertung der Stationen in Ennerich (Runkel) und Obershausen (Löhnberg) belegt.

Der Deutsche Wetterdienst verfügt über mehrere Wetterstationen im Landkreis Limburg-Weilburg. Die aussagekräftigsten Stationen stehen dabei in Runkel-Ennerich und Löhnberg-Obershausen. Deutlich wärmer als üblich war es an beiden Orten, wie Karsten Mix vom Deutschen Wetterdienst auf Anfrage dieser Zeitung gestern mitteilte. Im Durchschnitt lag in Ennerich die Temperatur im Jahresmittel 2018 bei 10,8 Grad, was ein sehr hoher Wert ist: Er lag damit um drei Grad höher als im langjährigen Mittel zwischen 1961 und 1990 und immerhin noch um ein Grad höher im langjährigen Mittel zwischen 1981 und 2010. In Obershausen waren es 10,4 Grad (mit einem Plus von 1,1 und 1,5 Grad).

Und das sind die wichtigsten Wettereckdaten 2018:

  Der heißeste Tag war am 7. August mit 36,6 Grad in Ennerich und 35,3 Grad in Obershausen.

  Der kälteste Tag war am 27. Februar in Obershausen mit minus 11,8 Grad und am 28. Februar in Ennerich mit minus 10,6 Grad.

  Der regenreichste Tag war in Ennerich am 23. Dezember und in Obershausen am 23. September.

  Viel zu trocken war es vielerorts trotzdem: In Obershausen wurde zwar noch 93 Prozent der durchschnittlich zu erwartenden Regenmenge gemessen, in Ennerich dagegen nur 68 Prozent. Auch in Bad Camberg, Selters-Niederselters und Waldbrunn-Lahr gab es nach den Daten des Deutschen Wetterdienstes deutlich weniger Regen als im Durchschnitt: In Niederselters fehlten gut 36 Prozent der sonst üblichen durchschnittlichen Regenmenge, in Bad Camberg knapp 29 Prozent und in Lahr 27 Prozent.

In diesen Orten werden nur die Regenmengen erfasst. Den meisten Niederschlag gab es 2018 in allen drei Orten in den Monaten Januar und Dezember, die trockensten Monate waren in Bad Camberg und Niederselters jeweils der Februar und der Oktober, während in Lahr der Juli noch trockener war. Die Daten für Diez, die Karl Heck (Text rechts, Grafik) gemessen hat, zeigen das gleiche Bild.

  Sehr sonnig war es dafür: 1974 Sonnenstunden gab es in Ennerich – eine Steigerung um 38 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt. Über 1886 Sonnenstunden konnten sich die Bürger in Obershausen freuen – eine Steigerung um 32 Prozent.

  Mehr Frosttage als Sommertage gab es 2018 zumindest in Obershausen, was einige überraschen dürfte, weil es sich rückblickend vielleicht anders angefühlt hat: 84 Sommertage (Temperaturen über 25 Grad) stehen immerhin 88 Frosttage gegenüber (niedrigste Temperatur unter null Grad). In Ennerich „siegen“ dagegen die Sommertage (89) über die Frosttage (72).

Dass es im höhergelegenen Obers-hausen kälter zugeht als in Ennerich zeigt auch die Gegenüberstellung der heißen Tage (mehr als 30 Grad) und der Eistage (Höchsttemperatur unter null Grad): 18 heiße Tage standen 2018 in Obershausen 13 Eistage gegenüber, in Ennerich waren es dagegen 23 heiße und nur neun Eistage.

  Die stärkste Windböe verzeichneten die Wetterstationen jeweils im Januar: 106,2 km/h und damit „orkanartigen Sturm“ gab es am 3. Januar in Ennerich. Deutlich ruhiger ging es in Obershausen zu mit einer maximalen Windböe von 70,2 km/h am 18. Januar, was aber auch „Sturm“ bedeutet.

  Einen zu kalten Frühlingsanfang gab es an beiden Orten am 20. März: minus 9 Grad und vier Zentimeter Schnee gibt der Deutsche Wetterdienst an der Station in Obershausen an, minus 7,5 Grad und Schneeflocken an der Station in Ennerich.

  Den meisten Schnee gab es auch im März: Die maximale Schneehöhe wurde jeweils am 3. März erreicht mit zehn Zentimetern in Obershausen und vier Zentimetern in Ennerich.

Sommerliche Starkregenereignisse wie es sie im vergangenen Jahr auch im Landkreis gab, zum Beispiel in Villmar-Aumenau und in Weilmünster-Laubuseschbach, „können nach derzeitigem Stand der Wissenschaft überall auftreten“, teilt Guido Halbig vom DWD mit. Das gelte weitgehend unabhängig von der sogenannten Orographie, also den jeweiligen Höhenstrukturen wie Bergen und Tälern. Im fortschreitenden Klimawandel werde allgemein eine Zunahme erwartet, sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Info: Wie es in den einzelnen Monaten aussah

Januar: Der gesamte überreichliche Niederschlag mit 82,5 Liter je Quadratmeter fiel an 20 Tagen ausschließlich als Regen. Oft war es sehr windig, manchmal auch stürmisch. Die Temperaturen waren sehr mild, stiegen tagsüber zeitweise bis auf 15 Grad Celsius und lagen auch nachts über dem Gefrierpunkt.

Februar: Endlich hielt der Winter seinen wenn auch schwachen Einzug. Von den nur acht Tagen mit 16,8 Liter je Quadratmeter Niederschlag, schneite es an drei Tagen.

März: Anfang des Monats setzte sich die Kältewelle fort und kam nach kurzer Milderung gegen Mitte März wieder. Insgesamt gesehen war der März zu kalt. Der in 17 Tagen mit 55,5 Liter je Quadratmeter gefallene Niederschlag fiel an 15 Tagen als Regen und an zwei Tagen als Schnee.

April: 2018 zeigte er sich sehr trocken und war sogar sehr warm. Anders als 2017 blieb Spätfrost diesmal aus. An zehn Tagen fielen nur 25,5 Liter Regen je Quadratmeter.

Mai: Jetzt schon waren Sommertemperaturen an der Tagesordnung. Ende des Monats, bei über 30 Grad, kamen einige kleine Gewitter, die nur geringen Regen brachten. 48,3 Liter Regen je Quadratmeter an nur sieben Tagen war die geringe Summe.

Juni: Mit 52,8 Liter je Quadratmeter Niederschlag an nur acht Regentagen lag er unter dem Durchschnitt der 30-jährigen Aufzeichnungen. Die größte Regenmenge kam am 11. und 12. Juni mit 40,9 Liter je Quadratmeter herunter. Der oft sonnige Juni hatte Temperaturen bis über 30 Grad.

Juli: Der sonnige Juli brachte hochsommerliche Temperaturen von über 25 Grad Celsius. Einige Tage wurden die 35 Grad sogar überschritten. An nur sechs Tagen regnete es insgesamt nur 32,3 Liter je Quadratmeter.

August: Es ging genauso sonnig, sehr heiß und überwiegend trocken wie im Juli weiter. Die Temperaturen zogen noch einmal an. Es wurden sogar 36 Grad überschritten. Mit 32,7 Liter je Quadratmeter fiel fast die gleiche Menge Regen wie im Juli. Dies an nur fünf Tagen, wovon an zwei Gewittertagen 24 Liter in relativ kurzer Zeit herunterkamen.

September: Außer einem Regentag zu Monatsbeginn ging der Jahrhundertsommer weiter. Mit 59,8 Liter je Quadratmeter Regen konnte eine annähernd durchschnittliche Regenmenge gemessen werden. Diese kam an nur fünf Tagen herunter.

Oktober: Weiter ging es mit dem Altweibersommer. Erst gegen Ende des Monats gab es einige Tage mit schauerartigem Regen. In neun Tagen fielen nur 15,1 Liter je Quadratmeter. Die meiste Zeit des Monats lagen die Temperaturen über 20 Grad, manchmal sogar über 25 Grad.

November: Die Dürreperiode ging weiter. An zehn Tagen mit Regen fielen nur 26,8 Liter je Quadratmeter. Die Sonne zeigte sich immer noch oft am Himmel. Erst gegen Monatsende wurde es wesentlich kühler.

Dezember: Jetzt stellte sich erst die Witterung ein wie sonst im November. Oft war Nieselregen in der Luft. Ein kurzes Gastspiel für einen Tag mit Schnee brachte Frau Holle zur Dezembermitte. Danach kam eine wärmere und schauerartige Periode. An 18 Tagen fielen 82,7 Liter je Quadratmeter Niederschlag.

Info: An der Messstation in Freiendiez

Wie in fast ganz Deutschland wird das Jahr 2018 auch in unserer Heimat mit seinem Rekordhitzesommer in langer Erinnerung bleiben. „Es war das wärmste und mit der ungewöhnlichen trockenen Vegetationszeit das extremste Dürrejahr“, sagt Karl Heck, der in Freiendiez seit 30 Jahren Wetterbeobachtungen aufgezeichnet hat und auf dessen Daten unser Grafik basiert.

Mit einer gesamten Jahresniederschlagsmenge von 530 Liter je Quadratmeter lagen die Messungen im Vergleich zur errechneten 30-jährigen Durchschnittsmenge von 664 Liter Niederschlag je Quadratmeter im abgelaufenen Jahr 134 Liter niedriger. In den sieben Wachstumsmonaten April bis Oktober fielen in Freiendiez insgesamt nur 265 Liter Regen je Quadratmeter.

Nur dank der niederschlagsreichen Monate Januar und Dezember kam das Jahr 2018 etwa an die Niederschlagsmengen, die die Trockenjahre 2011 mit 525,5 Liter und 1989 mit 531,4 Liter je Quadratmeter zu verzeichnen hatten, hat Karl Heck gemessen.

Während selbst im heimischen Raum Unwetter teils große Schäden verursachten, blieb der Raum Limburg-Diez davon weitgehend verschont. Gewitter mit starkem Sturm und extremem Starkregen zogen in einem Bogen herum. Relativ nahe wurden einige Orte im Weiltal im Taunus und auch an der Lahn getroffen.

Auch die Temperaturen waren sehr außergewöhnlich. Das Quecksilber zeigte oft Werte um oder teils über die 35 Grad Celsius hinaus. Wegen der extremen Trockenheit und Hitze klafften im Sommer breite Risse in den Acker- und Gartenböden. „Positiv in 2018 wirkte sich das Ausbleiben der Spätfröste im Frühjahr auf die Obstblüte aus und bescherte einen überreichlichen Ertrag an Äpfeln, Zwetschgen und anderen heimischen Obstarten“, berichtet Karl Heck.

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