Für vier Tage „Eltern“

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Wie es ist, rund um die Uhr für ein Baby verantwortlich zu sein, das erfuhren vier Mädchen und zwei Jungen bei einem Schulprojekt.

Die Zeiten des Tamagotchi sind längst vorbei. Vorbei die Zeit, als Kinder noch einen kleinen Computer „am Leben“ halten mussten. Die Idee an sich ist aber nun noch verfeinert worden und hatte im Alltag der Schülerinnen und Schüler der Freien Montessori-Schule Westerwald Einzug gehalten.

Unter dem Titel „Verantwortung – Leben“ wurde den Schülerinnen und Schülern gezeigt, was es heißt Eltern zu sein und Kinder zu haben. Sieben Schülerinnen und Schüler bekamen einen eigenen Babysimulator, für den sie vier Tage lang, 24 Stunden am Tag, verantwortlich waren. Die Babysimulatoren wurden so eingestellt, dass sie realistisch dem Verhalten eines Neugeborenen folgen.

Die „Babys“ weinten, weil sie entweder Hunger hatten, die Windel gewechselt haben wollten, aufstoßen mussten oder Zuwendung brauchten. Nachdem die Eltern das Bedürfnis des Babys befriedigt hatten, machte das Baby wohlige Glucksgeräusche.

Zuvor musste sich jeder der „Eltern“ mit einem Chip (an einem Armband, welches nicht abgenommen werden konnte) bei seinem Baby „anmelden“. Daher war es den Schülern nicht möglich, ihre Babys jemand anderem für längere Zeit anzuvertrauen. Die Babys wurden während der Tage ganz normal mit in den Alltag der Schüler integriert.

So waren sie mit im Unterricht, im Tanzkurs, auf Familiengeburtstagen und so weiter. In der Schule war für die Eltern auf Probe ein Wickelraum eingerichtet, sodass dieser, sobald das Baby im Unterricht weinte, von den alleinerziehenden „Müttern“ und „Vätern“ aufgesucht werden konnte.

Jeden Tag fand zudem eine Art Krabbelgruppe mit der leitenden Lehrerin Anna Schneider statt, in der die „Eltern“ Zeit zum Austausch und zu Fragen hatten. Ziel des Projektes war es, nicht die Schüler abzuschrecken selbst Babys zu bekommen, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, sich selbst in einer anderen Rolle zu erleben, auch unter mehr und ungewohnter Belastung.

Verantwortung zu übernehmen ist in verschiedenen Lebensbereichen der 16- und 17-Jährigen derzeit ein großes Thema. Sei es durch die stetig wachsende Strafmündigkeit, Führerschein, die Berufswahl oder in der Liebe. Einige Schüler fühlten sich in der Woche als sehr gereizt und müde, andere hingegen waren erstaunt über sich selbst, wie locker und entspannt sie mit der „Mehrbelastung“ fertig wurden.

Am Ende des Projektes wurden die Simulatoren mittels Computer ausgewertet so, dass alle Bedürfnisbefriedigungen, Vernachlässigungen oder Misshandlungen gesichtet und besprochen werden konnten. Alle Schüler hatten in der Auswertung sehr gute Ergebnisse, alle hatten über 95 Prozent in der Babypflege erreicht. In der abschließenden Reflexion gab die Mehrheit der teilnehmenden Schüler an, dass sie froh seien, die Babys wieder abgeben zu können, weil sich der Alltag so verändert habe und der Schlafmangel sehr groß und kräfteraubend gewesen sei. Die Hausarbeiten hätten sich daher bei vielen angestaut. Für einige Schüler war es aber auch „komisch“ die Babys wieder abzugeben, da man sich schon etwas an sie gewöhnt hatte.

Die Erfahrungen aus diesem Projekt wurden nun auch den zahlreichen Besuchern beim abwechslungsreichen „

Tag der offenen Tür

“ an der Montessori-Schule vermittelt.

An diesem Tag wurde auch die neue Gruppe des Schulsanitätsdienste vorgestellt. Günter Raspel überreichte als Vorsitzender der DRK-Ortsgruppe und als Beigeordneter der Verbandsgemeinde Westerburg die Ernennungsurkunde an die Jugendlichen. Anschließend fanden noch eine Autorenlesung mit Petra Lahnstein statt, die aus dem Buch „Die kleine Wolke“ vorlas.

(kdh)

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