In Erinnerungen schwelgen und an die Zukunft denken: Bernhard Gruber und Ursula Scheu.
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In Erinnerungen schwelgen und an die Zukunft denken: Bernhard Gruber und Ursula Scheu.

Villmar blickt über den Tellerrand

25 Jahre Freundschaft über die Grenzen hinweg

Seit 1996 besteht ein enger, partnerschaftlicher Kontakt zum tschechischen Králiky/Grulich

Vor 25 Jahren ist die Freundschaft zwischen Villmar und Králiky/Grulich in Tschechien gegründet worden. Da aufgrund der Pandemie keine große Feier stattfinden kann, soll das zurückliegende Vierteljahrhundert zumindest noch einmal in Erinnerung gerufen werden - im Gespräch mit dem seit 2019 wirkenden Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins, Bernhard Gruber, und der Zweiten Vorsitzenden Ursula Scheu sowie anhand vieler Dokumente.

"So wie sich aus dem 1996 gelegten Samen der Partnerschaft ein kräftiger Baum entwickelte, der weiterhin wächst und gedeiht, so hat sich aus dem einstmals schmalen und schwankenden Steg eine solide und tragfähige Brücke zwischen den Kommunen und den Menschen in Villmar und Králiky/Grulich herausgebildet. Villmar und Králiky/Grulich haben Europa im Blick und schauen sowohl nach Osten wie auch nach Westen", heißt es im Vorwort der Chronik, die der heutige Ehrenvorsitzende Wolfgang Friedrich begonnen hat und seit zwei Jahren von Bernhard Gruber weiter geführt wird. "Seit den ersten Gedanken von Pfarrer Günter Daum und Bürgermeister Hermann Hepp nach dem ökumenischen Gottesdienst am 8. Mai 1995 im Limburger Dom aus Anlass des Kriegsendes vor damals 50 Jahren ist das kleine Samenkorn Partnerschaft zu einem kräftigen Baum geworden", heißt es weiter.

Vorbilder seien die Partnerschaften mit den europäischen Nachbarn im Westen gewesen, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Freundschaft und Verständigung der Völker beitrugen. "Warum nicht auch mit den Nachbarn im Osten?", fragten sich Pfarrer Günter Daum und Bürgermeister Hermann Hepp.

Menschen der

ersten Stunde

Mit Hilfe des Bundes der Vertriebenen und der Ackermanngemeinde der Diözese Limburg sowie des Obmannes des Bundes der Deutschen in Mährisch-Schönberg/Sumperk, Walter Sitte, fiel die Wahl auf Králiky/Grulich im Adlergebirge. Ein erster Besuch einer Delegation der Villmarer Zivil- und der Kirchengemeinde im Oktober 1996 verfestigte die Pläne. Wie Bernhard Gruber und Ursula Scheu erzählten, seien sich die Menschen in all diesen Jahren durch die vielen Besuche immer nähergekommen, und es hätten sich persönliche Freundschaften entwickelt. Ursula Scheu verriet auch, dass sie ihre Freunde sehr vermisse und sie und ihr Gatte sicher bald eine Möglichkeit finden würden, sich in diesem Jahr wenigstens einmal an der Grenze mit ihnen zu treffen.

Zu den "Menschen der ersten Stunde" in Grulich gehörten damals auch der Erste Beigeordnete Günther Zanner, der damalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Bernd Gruber sowie Franz Krotzky und Joachim Zuzok von der Ackermanngemeinde. Bei den Gesprächen im Rathaus Grulich mit Bürgermeister Anton Zima und Pfarrer Alois Baschant wurde am 13. Oktober 1996 der Anfang der Freundschaft besiegelt. Der gemeinsame Wille zu einer gegenseitigen Zusammenarbeit im Geist des Verständnisses und der Freundschaft sei erklärt worden, ist in der Chronik nachzulesen. So habe man vereinbart, dass eine Liste von Vereinen und Interessengruppen ausgetauscht wird, gegenseitige Besuche von Vereinen und bürgerlichen Aktivitäten unterstützt und vorbereitet werden und Kontakte auf kommunaler Ebene erfolgen sollten.

Von Beginn an waren auch junge Menschen aus beiden Kommunen eingebunden, was das Bewusstsein einer gemeinsamen Zukunft im "Haus Europa" sehr förderte. Der heutige Bürgermeister Matthias Rubröder beispielsweise war 2001 noch als Jugendlicher mit einer Gruppe junger Villmarer und Pfarrer Daum zu Gast in Králiky bei Bischof Otcenášek.

Ein erster Gegenbesuch erfolgte im Juni 1997, als Bürgermeister Anton Zima und Vertreter von Stadt, Kirchengemeinde und der deutschen Minderheit nach Villmar reisten. Kurz darauf wurde Grulich von einem schlimmen Hochwasser betroffen, Pfarrer Daum, der gerade ein paar Urlaubstage in Grulich verbrachte, rief zu Spenden auf. Die Villmarer sammelten 9000 Mark, die in Grulich über die Kirchengemeinde verteilt wurden. 1998 wurde der Freundeskreis Villmar - Králiky/Grulich gegründet.

Im Mai 1999 nahmen Grulicher am Fest "250 Jahre Kirche Villmar" teil. Dabei zelebrierte der Erzbischof von Hradec Kralove (Königsgrätz), Monsignore Karel Otcenášek, den Festgottesdienst mit. Im August 2000 wiederum wurden "300 Jahre Kloster auf dem Muttergottesberg", dem Wahrzeichen Grulichs, gefeiert, und unter der Leitung von Pfarrer Daum waren Villmarer Bürger des "Freundeskreises Grulich", Weihbischof Gerhard Pieschl aus Limburg und Regierungspräsident Wilfried Schmied, ein gebürtiger Grulicher, dabei. Übrigens lässt sich der Name Králiky mit "Kaninchen" übersetzen, und dies führte dazu, dass im Jahr 2003 eine 42 Personen umfassende Gruppe aus Grulich zusammen mit dem neuen, im November 2002 gewählten Bürgermeister Dusan Krabec mit Kaninchenohren geschmückt am großen Festzug zur 950-Jahrfeier Villmars teilnahm.

Vereinsgründung

mit 34 Mitgliedern

Am 20. März 2004 fand die Gründungsversammlung des Partnerschaftsvereins Villmar mit zunächst 34 Mitgliedern statt. Und am 18. November 2006 gab es eine akademische Feier anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Partnerschaft in der König-Konrad-Halle in Villmar. Fünf Jahre später wurde auch das 15-jährige Bestehen der gelebten Partnerschaft gefeiert, verbunden mit der offiziellen Begründung der Städtepartnerschaft Villmar-Králiky/Grulich: Die Urkunden der Städtepartnerschaft wurden von der frisch gewählten Bürgermeisterin Jana Ponocná und Bürgermeister Hepp unterzeichnet. 2015 war der tschechische Knabenchor Boni Pueri mit 45 Jungen und sechs Begleitern in Europa unterwegs, so auch in Belgien und der EU-Zentrale in Brüssel. Mit einem großen Konzert vor den Europaabgeordneten gab der 1982 gegründete und inzwischen international bekannte Chor eine Kostprobe seines Könnens. Auf der Rückfahrt von Brüssel machten die jungen Sänger mit ihrem Dirigenten Jaroslav Slais in Villmar Station, wo sie in der gut besuchten König-Konrad-Halle ein begeisterndes Konzert gaben.

Im Mai 2017 fand die Feier "20 Jahre gelebte Partnerschaft" in der König-Konrad-Halle statt, nun war Arnold-Richard Lenz Bürgermeister von Villmar. Viele weitere Besuche und Treffen folgten, bis Corona ganz Europa lähmte. Und als die Mund- und Nasen-Schutz-Masken noch rar waren, traf ein Paket im Rathaus des Marktfleckens ein: Die Grulicher hatten für ihre deutschen Freunde Masken genäht. Margit Bach

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