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Airbrusher verleiht Motorrädern eine individuelle Note

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Von: Tobias Ketter

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Marcell Siebrands aus Aumenau hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er verschönert unter anderem Motorräder mit einer Airbrush-Pistole. Mittlerweile hat er Kunden in ganz Deutschland.
Marcell Siebrands aus Aumenau hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er verschönert unter anderem Motorräder mit einer Airbrush-Pistole. Mittlerweile hat er Kunden in ganz Deutschland. © Tobias Ketter

Marcell Siebrands macht fast alle Wünsche wahr

Villmar -Der Sommer steht in den Startlöchern und auf den Straßen der Region sind deshalb immer mehr Biker unterwegs. Für sie sind die Motorräder oftmals nicht bloß reine Fortbewegungsmittel. Vielmehr sollen sie auch schick aussehen. Wer ein ganz besonderes Design auf seinem Motorrad haben möchte, ist bei Marcell Siebrands aus Aumenau genau an der richtigen Adresse. Der 31-Jährige verdient sein Geld nämlich als Airbrusher. Wie wäre es beispielsweise mit einem heulenden Wolf auf dem Tank des Mopeds oder mit der Lieblingsfilmfigur auf dem Helm? All dies macht der Künstler aus der Gemeinde Villmar möglich.

"Ich arbeite mit einer Airbrush-Pistole, die durch Luftdruck die Farbe auf die Objekte bringt", sagt Siebrands, der vor seiner Tätigkeit als freiberuflicher Künstler in der Maschinenbau-Branche aktiv war. Rund 80 Prozent der Motive fertigt er freihand an. Bei den restlichen kommen Schablonen zum Einsatz.

Neben der Verschönerung von Motorrädern und Zubehörteilen werden in der kleinen Kunst-Werkstatt des 31-Jährigen beispielsweise auch T-Shirts und Leder-Kutten ganz nach den Wünschen der Kunden designt.

Selbstständig gemacht hat sich der Aumenauer übrigens im Jahr 2020. Die Kunstform betreibt er aber schon seit 14 Jahren. "Ich wollte 2008 mein Moped verschönern. Das hat dann sehr gut geklappt, und ich habe viele positive Kommentare bekommen", erinnert sich Siebrands. Seitdem ist nichts mehr vor seiner Airbrush-Pistole sicher. Der Künstler hat sogar schon Schuhe und den Schreibtisch seiner Ehefrau Jenni ganz individuell gestaltet. "Jenni ist meine größte Kritikerin. Sie wirft stets einen genauen Blick auf meine Kunst", berichtet der 31-Jährige.

Siebrands hat mittlerweile Kunden aus ganz Deutschland. Viele Motorradliebhaber schicken einzelne Teile ihrer Maschinen per Post zu ihm, um sie verschönern zu lassen. Aber auch in Aumenau und Umgebung gibt es einige Bürger, die die Dienste des Künstlers in Anspruch nehmen. "Teilweise wissen die Kunden zunächst nicht, was sie genau haben wollen. In Gesprächen entwickeln wir dann gemeinsam Ideen. Der individuelle Style wird dabei eigentlich immer gefunden", sagt Siebrands.

Sehr angesagt seien derzeit Totenkopf- und Flammenmotive. Aber auch besonders außergewöhnliche Aufträge nimmt der Künstler gerne an. So wollte ein Neurochirurg aus Bayern beispielsweise ein möglichst realistisches Gehirn auf seinem Motorrad haben. "Allein die Vorzeichnungen für diesen Job haben viele Stunden gedauert", so der Airbrusher. Darüber hinaus hat er auch schon in komplettes Motorrad im Japan-Style entworfen. Für dieses Kunstwerk seien mehr als 120 Arbeitsstunden nötig gewesen. Siebrands habe sich den eigenen

Arbeitsschritte im

Internet verfolgen

Angaben zufolge einen sehr zeitaufwendigen Beruf ausgesucht. "40 Stunden pro Woche reichen oft nicht aus", sagt er. Dabei werde auch die ein oder andere Nachtschicht eingelegt. Das sei aber kein Problem, denn die Arbeit mache einfach großen Spaß.

Der 31-Jährige nimmt jedoch nicht alle Aufträge an. "Motive, die unter die Gürtellinie gehen, rechtes Gedankengut und frauenfeindliche Wünsche lehne ich strikt ab", sagt er. Verbotene Zeichen und Symbole seien ein absolutes No-Go. "Ich habe kürzlich die Anfrage bekommen, ob ich Putin mit einem Z airbrushen könnte. Natürlich habe ich dies nicht angenommen", teilt der Künstler mit. Letztlich nehme er nur Aufträge an, mit denen er sich auch identifizieren könne.

Siebrands habe sich mittlerweile ein recht großes Netzwerk aufgebaut, wie er selbst sagt. "Ich habe oft Kontakt mit einer Airbrusherin aus den USA und mit einem Kunstprofessor aus Korea. Er ist eine Art Mentor für mich", berichtet der Künstler aus Aumenau. Darüber hinaus wirbt er in den sozialen Medien und in Online-Foren für seine Arbeit. Und auf dem eigenen Youtube-Kanal werden auch immer wieder Videos hochgeladen. "Ich will meine Kunst schließlich präsentieren und ich zeige den Leuten des Weiteren, wie die einzelnen Arbeitsschritte funktionieren", erklärt der 31-Jährige.

Die steigende Inflation und die hohen Energiepreise gehen trotz der vielen Online-Werbung auch nicht spurlos an Siebrands vorbei. Nachdem sich der Kundenstamm während der Corona-Krise stetig erweitert habe, seien die Auftragszahlen laut dem Aumenauer in den vergangenen Wochen nicht mehr gestiegen. "Die Leute geben einfach weniger Geld für Kunst aus", sagt er. Dennoch wird der Familienvater auch weiterhin an seinem Job festhalten. Denn es gebe schließlich nichts schöneres, als sein Hobby zum Beruf zu machen. tobias ketter

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