Stellten das Buch vor (von links): Bernd Philipp, Wolfgang und Mathilde Müller, Matthias Rubröder und Karl Aumüller.
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Stellten das Buch vor (von links): Bernd Philipp, Wolfgang und Mathilde Müller, Matthias Rubröder und Karl Aumüller.

Erinnerungen für die Nachwelt

"Alles andere als ein Heldentod"

  • VonRobin Klöppel
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Buch über Gefallene des Zweiten Weltkrieges in Villmar. Das Ehepaar Müller setzte die Arbeit von Lydia Aumüller fort.

Villmar -Das neue Buch "Villmarer Gefallene/Vermisste des 2. Weltkrieges" ist fertiggestellt und wurde im Bauamt des Marktfleckens Villmar vorgestellt. Die Hauptarbeit dafür hat die verstorbene Villmarer Heimatforscherin Lydia Aumüller geleistet. Die mit ihre befreundete Mathilde Müller sowie deren Mann Wolfgang haben nach Aumüllers Tod das Projekt noch durch eigene Recherchen ergänzt und das Projekt zu einem guten Ende gebracht.

Das Buch berichtet, soweit vorhanden, mit Bildern über das Schicksal aller 103 Gefallenen des Zweiten Weltkriegs aus dem Ortsteil Villmar. Mathilde Müller sagte: "Die jungen Männer wollten alle nicht in den Krieg ziehen. Wie sie grausam ums Leben kamen, das war alles andere als ein Heldentod". Die Müllers haben versucht, dem Schicksal aller Villmarer Vermissten nachzugehen. Da von manchen aber keine Daten vorhanden gewesen seien, sei das viel schwieriger gewesen und habe folglich nicht in allen Fällen zum Erfolg geführt, sagte die Villmarerin. Wenn aber jemand noch Informationen, Unterlagen und Bilder hat, würden sich die Müllers auch jetzt noch über Nachricht freuen. Noch länger mit der Veröffentlichung warten wollten die Müllers aber nicht, wie Wolfgang Müller betonte.

130 Vorbestellungen liegen den beiden vor, so Mathilde Müller. Weitere Bestellungen werden gerne angenommen. Mathilde Müller weist aber darauf hin, dass ein Nachdruck voraussichtlich ein paar Euro mehr als die 25 Euro kosten werde, für die das Buch zunächst angeboten worden sei. "Wir selbst verdienen daran nichts", betonte die Mitautorin.

Karl Aumüller, der das Archiv seiner Mutter Lydia verwaltet, hatte den Müllers die Unterlagen übergeben und zeigte sich bei der Präsentation begeistert. Er findet, dass das Buch viel ansprechender und interessanter geworden sei als ähnliche Bücher, die bereits in anderen Orten der Region erschienen seien. Aumüller findet es wichtig, für die Nachwelt zu erhalten, was Menschen im Zweiten Weltkrieg widerfahren ist. Das gehöre zur Kultur.

Karl Aumüller warnte auch davor, den Weg dieser Menschen zu be- oder gar zu verurteilen. "Wir haben nicht in dieser Zeit gelebt und können nicht wissen, wie wir uns in solcher Situation verhalten hätten", sagte er. Aumüller hat zwei Onkel im Krieg verloren. So wird in dem Buch auch über einen anderen Karl Aumüller berichtet, den Bruder seines Vaters und ehemaligen Villmarer Bürgermeisters Hubert Aumüller. Dessen ältester Sohn bedauert, dass die Menschheit aus ihrer Geschichte offenbar keine Lehren ziehe und es nach wie vor überall auf der Welt Kriegsherde gebe. Er regte bei Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU) an, die umfangreichen Recherchearbeiten seiner Mutter zu nutzen und daraus in Villmar ein Museum aufzubauen. Die ganzen Unterlagen müssten aber digitalisiert und professionell aufbereitet werden, denkt er.

Bürgermeister Rubröder sagte, Lydia Aumüller habe für das Buch eine "hervorragende Vorarbeit" geleistet. Sie sei in Sachen Heimatforschung ein Unikat gewesen und habe sich hohe Verdienste um den Marktflecken erworben. Rubröder findet es wichtig, dass das Buch zu Ende gebracht worden sei. So besäßen die Verwandten der Gefallenen nun ein dauerhaftes Andenken. Der Bürgermeister dankte dem Ehepaar Müller dafür, dass es Aumüllers Arbeit mit Liebe und Fleiß fortgeführt habe.

Das Vorwort schrieb sie noch persönlich

Auch Bernd Philipp, 2. Vorsitzender des einst als Kriegsopferverbandes gegründeten VdK in Villmar, zeigte sich erfreut über das gelungene Buchprojekt. Mathilde Müller berichtete, dass Lydia Aumüller eine Freundin ihrer Mutter gewesen sei, der sie von dem Buchprojekt erzählt habe. Kurz vor ihrem Tod habe sie auch gewusst, dass die selbst das Buchprojekt nicht mehr werde fertigstellen können. Sie habe dann aber noch persönlich das Vorwort geschrieben. "Es hat mir leidgetan, dass Lydia Aumüller das Buch nicht fertigstellen konnte", so Mathilde Müller. Für sie war es dann selbstverständlich, das Projekt ihrer Freundin fortzuführen.

So haben die Müllers weiter recherchiert, weitere Bilder zusammengetragen, das Buch Korrektur gelesen und das Layout erstellt. Wolfgang Müller sagte, dass das Buch bewusst auch freie Seiten habe, auf denen Angehörige ihre persönlichen Erinnerungen eintragen und Fotos einkleben könnten. Seine Frau und er hätten bei der Recherche viel Unterstützung von Bürgern bekommen. Die Angehörigen hätten die Idee eines Buches alle begrüßt. Die Recherche sei oft spannend gewesen. Beispielsweise sei ein Villmarer in einem U-Boot ums Leben gekommen. Dazu habe das Marinemuseum alleine 300 Seiten Material gemailt. In Villmar habe es, so Müller, Familien gegeben, in denen gleich zwei oder drei Söhne im Krieg ums Leben gekommen seien.

Recherche geht weiter

Wer noch ein Buch haben oder Material zu Gefallenen oder Vermissten aus Villmar hat, der kann sich bei Wolfgang und Mathilde Müller in 65606 Villmar, Am Wiesenberg 2, Tel. (0 64 82) 6 06 83 03, melden.

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