Nepomuk-Feier in Villmar

Brücke in neue Heimat

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In der traditionellen Johannes-von-Nepomuk-Gedenkfeier auf der Villmarer Marmorbrücke erinnerten die Veranstalter an den Ursprung dieses Standbildes: Die Ankunft der Heimatvertriebenen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren, die von einem in Bahnhofsnähe eingerichteten Lager über die Brücke in ihre neue Heimat gingen.

„Wir stehen zum 19. Mal auf der Villmarer Marmorbrücke, um St. Nepomuk zu ehren, der auf vielen Brücken steht und den Menschen Mut macht, über Brücken und Wege zu gehen und standhaft zu bleiben.“ Mit diesen Worten begrüßte der Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde der Diözese Limburg, Peter Hoffmann, die Teilnehmer der von einem Bläserensemble musikalisch eingestimmten Gedenkstunde. Eingeladen hatte die Ackermann-Gemeinde zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde, dem Partnerschaftsverein, Villmar–Grulich/Kraliky, dem Bund der Vertriebenen und der Egerländer Gmoi z’ Limburg.

Johannes von Nepomuk stehe schweigend, halte das Kreuz im Arm, oft mit einer Palme, die an sein Martyrium erinnere und habe einen Kranz von Sternen, so Hoffmann, der selbst in Nachbarschaft einer Nepomukstatue aufgewachsen ist, die neben seinem Elternhaus gestanden habe. „Wir stehen heute in Verbindung mit vielen Menschen, die sich zu einem Gedenken an Nepomuk treffen, der Brücken und Verbindungen zu Nachbarn baut und Patron der Priester, Schiffer, Flößer und vieler anderer Menschen ist“, sagte Hoffmann. Wenn er auch in Zeiten des Kommunismus in Böhmen und Mähren, Sudetenland und Schlesien aus tschechischen Köpfen verschwunden sei, bewahrte das Volk ihn im Herzen und in einem Nepomuk-Lied aus dem 19. Jahrhundert.

Pfarrer Michael Vogt blendete in seine Schulzeit zurück, in der im Unterricht die Geschichte der Heimatvertriebenen niemals thematisiert wurde. Erst als Seelsorger habe er Kontakt zu Heimatvertriebenen bekommen. Besonders angerührt hätten ihn die Lebensgeschichten ungarndeutscher Frauen aus dem kleinen Ort Ciko, die nach dem Krieg als Zwangsarbeiterinnen in Sibirien unter der Last harter Arbeit in Bergwerken zu leiden hatten. Die Überlebenden hätten ihm viele Stunden Nachhilfe in deutscher Geschichte gegeben. Eine besondere Lehrstunde seien ihm die Geschichte des Johannes von Nepomuk und der Städtepartnerschaft zwischen Villmar und Grulich/Kraliky, in der Brücken gebaut würden.

Die Statue habe dreifache Bedeutung: Sie stehe meist auf der Mitte von Brücken, um den Menschen die Angst vor deren Begehen zu nehmen. Die Statue auf der Villmarer Brücke stehe auf der anderen Uferseite und habe eine andere Botschaft. Sie ermuntere die Ankommenden, über diese Brücke in ihre neue Heimat zu gehen.

Der Schöpfer der Statue, Walter Schmidt, habe sie sehr jugendlich dargestellt, damit sie eine innere Haltung ausstrahle, die unseren Glauben und unser Vertrauen auf Gott jung und dynamisch halte. Es gelte, auf die inneren Kraftreserven des Christentums in Europa zu schauen, auf die vielen Menschen, die christliche Werte leben und bezeugen. Eine

Willkommenskultur

sei angebracht, so wie Johannes Nepomuk an dieser Stelle alle begrüße, die vom Bahnhof her nach Villmar kommen. Johannes Nepomuk mache auch Mut, für Gerechtigkeit, Wahrheit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzustehen und standhaft zu bleiben.

In ihren Grußworten hoben Bürgermeister Arnold-Richard Lenz (SPD) und der Kreisbeigeordnete Thomas Werner (CDU) die positive Entwicklung der Partnerschaft Villmar–Grulich hervor und sprachen das derzeitige Flüchtlingsdrama im Mittelmeer an, das uns verpflichte, die ankommenden Menschen freundlich zu empfangen.

Herzliche Grüße aus Nepomuk, dem Geburtsort des Heiligen, hatte Pater Slavek Holy per Brief gesandt, in dem er seine Freude darüber ausdrückte, dass Johannes von Nepomuk sowohl auf der Lahnbrücke als auch in den Herzen der Bevölkerung Platz gefunden hat. Während die Versammelten mit dem Nepomuk-Lied die Gedenkstunde ausklingen ließen, wurden gemäß eines alten Brauches unter der Brücke die Lichter auf das Wasser gesetzt, die langsam flussabwärts Richtung König-Konrad-Halle trieben, in deren Gaststätte sich die Teilnehmer zu einem abschließenden geselligen Beisammensein einfanden.

(mhz)

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