Hundert Amtstage

Bürgermeister Matthias Rubröder: „Das Amt macht mir viel Spaß“

Das Unwetter im Juli hatte dem frisch ins Amt eingeführten Bürgermeister Matthias Rubröder alles andere als einen Auftakt nach Maß beschert. Wie er mit dieser Situation umgegangen ist und welche Bilanz er nach den ersten 100 Tagen Amtszeit zieht – darüber sprach der neue Chef im Villmarer Rathaus mit NNP-Redakteur Rolf Goeckel.

Mehr als hundert Tage sind Sie nun als Villmarer Bürgermeister im Amt. Wie oft haben Sie sich schon Ihr altes Leben zurückgewünscht?

MATTHIAS RUBRÖDER: Bisher nicht wirklich, denn das Amt des Bürgermeisters macht mir viel Spaß. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man sein Hobby, die Politik, zum Beruf machen darf. Das genieße ich sehr. Natürlich ist mein Leben als Bürgermeister mit viel Arbeit verbunden, aber das habe ich ja vorher gewusst. Ich habe schon als Fraktionsvorsitzender viele Veranstaltungen besucht, jetzt sind es eben noch ein paar mehr.

Gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit ging ein schweres Unwetter über Villmar nieder, das hohe Schäden verursacht hat. Da waren Sie als Bürgermeister gefordert. Waren Sie auf derartige Herausforderungen vorbereitet?

RUBRÖDER: Mir war bewusst, dass ich mit Herausforderungen zu rechnen habe, doch mit einem solchen Ereignis gleich zu Beginn meiner Amtszeit war nicht zu rechnen. Zeit zum Überlegen war nicht viel, es musste gehandelt werden. Da fragt niemand, wie viele Tage man gerade im Amt ist. Ich musste die Situation so hinnehmen und mich um die Dinge kümmern, die zu tun waren.

In der Gemeindevertretung wurde Ihnen später Untätigkeit vorgeworfen. Wie sehr trifft Sie eine solche Kritik?

RUBRÖDER: Dieser Vorwurf hat mich schon sehr geärgert, weil er nicht der Wahrheit entspricht. Vieles, was ich in dieser Situation gemacht habe, war nach außen nicht sichtbar. Vorzuwerfen habe ich mir nichts. Der Bauhof hat das ganze Wochenende über gearbeitet, hat Gräben gezogen und den Radweg instand gesetzt. Die Firma Reusch haben wir mit der Straßenreinigung beauftragt. Mit dem Kreis wurde über weitere Maßnahmen beraten, beispielsweise den Bau von Rückhaltebecken. Im Ergebnis wird jetzt die Kreisstraße 468 zwischen Münster und Aumenau instand gesetzt, so dass eine Gefahrenquelle beseitigt wird.

Abgesehen von dem Unwetter – wie lautet Ihr persönliches und politisches Fazit nach den ersten hundert Amtstagen?

RUBRÖDER: Ich habe ein überwiegend positives Echo von vielen Bürgern bekommen. Das bestärkt mich darin, dass ich mich jederzeit wieder um dieses Amt bewerben würde. Und trotz des Unwetters, wo wir langsam auf einen grünen Zweig kommen, läuft es gut. Derzeit wird der Haushaltsplan 2019 vorbereitet, den ich Ende Oktober in die Gemeindevertretung einbringen werde.

Sie sind mit 31 Jahren nur etwas mehr als halb so alt wie Ihre beiden Vorgänger. Ihnen fehlt also ein Stück weit deren Lebenserfahrung. Aus Ihrer Sicht ein Nachteil?

RUBRÖDER: Das sehe ich gar nicht so. Ich gehe mit einem ganz anderen Blickwinkel an viele Situationen heran. Vieles unterliegt zurzeit dem Wandel. Da fällt es mir als jungem Menschen wahrscheinlich viel leichter, diesen Wandel mitzugehen. Nein, einen Nachteil kann ich nicht erkennen.

Wie sehr mussten Sie Ihr tägliches Leben umstellen? Bisher waren Sie ja als Projektmanager einer Unternehmensberatung tätig. Dazu kommt: Sie sind jetzt eine Respektperson.

RUBRÖDER: So viel hat sich nicht geändert. Ich fahren jeden Morgen ins Büro – so wie früher auch. Ich habe früher Projekte gemanagt, das tue ich auch jetzt als Bürgermeister. Im Rathaus pflegen wir ein sehr kollegiales Verhältnis miteinander, zumal ich die meisten Mitarbeiter schon sehr lange kenne. Ich bin für viele hier nicht der Herr Bürgermeister, sondern der Matthias. Das Amt an sich verdient natürlich Respekt, ich selbst habe mich aber deshalb nicht verändert. Ich bin mit allen per Du, da wäre es komisch, wenn ich plötzlich gesiezt würde.

Wen fragen Sie um Rat, wenn Sie mal einen benötigen?

RUBRÖDER: Ich habe mich sowohl mit meinem direkten Vorgänger, dem ehemaligen Bürgermeister Lenz, als auch mit dessen Vorgänger Hermann Hepp ausgetauscht. Ich spreche auch mit anderen Bürgermeisterkollegen im Kreis. Da wir alle ähnliche Probleme haben, holt man sich gegenseitig Rat ein. Ich frage aber auch schon mal gute Freunde um Rat. Ein externer Blick kann nie schaden, das tut der Sache gut.

Mit Verwaltungsdingen waren Sie in Ihrem früheren Berufsleben nicht befasst. Woher holen Sie sich das notwendige Fachwissen, um eine Gemeindeverwaltung zu führen?

RUBRÖDER: Ich habe schon nach der Wahl viele Kurse besucht. Und am kommenden Montag zum Beispiel bin ich bei einer Fortbildung in Kassel, da geht es um Feuerwehrangelegenheiten. Ich versuche allen Mitarbeitern Weiterbildung zu ermöglichen, wo sie gewünscht wird. Auch ich bin ein Mitarbeiter im Rathaus, wenn auch als Chef.

Was haben Sie sich für die nächsten hundert Tage vorgenommen?

RUBRÖDER: Das Neubaugebiet Arfurter Berg muss angekauft und erschlossen werden; der Verkauf der Grundstücke muss vorbereitet werden. Der Bebauungsplan ist ebenfalls in Vorbereitung. In den Kindergärten gibt es kleinere Baustellen, was die Öffnungszeiten angeht, da gibt es Optimierungsbedarf. Außerdem arbeiten wir intensiv daran, Windenergie auf dem Galgenberg zu verhindern.

Wie soll der Marktflecken zum Ende Ihrer Amtszeit in sechs Jahren aussehen?

RUBRÖDER: Ich werde versuchen, dass alle Ortskerne belebt sind und die Infrastruktur verbessert wurde. Wir wollen neue Geschäfte ansiedeln und versuchen, dass sowohl in Weyer als auch in Aumenau wieder ein Bankautomat steht; die wurden leider abgebaut. Die Gebäude-Leerstände sollen reduziert und der Tourismus besser als bisher genutzt werden.

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