Axel Becker sammelt nicht nur Marmor, sondern verarbeitet ihn auch sehr kunstvoll. Hier steht er vor einem Marmorsockel mit Musikanlage und Boxen aus Marmor.
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Axel Becker sammelt nicht nur Marmor, sondern verarbeitet ihn auch sehr kunstvoll. Hier steht er vor einem Marmorsockel mit Musikanlage und Boxen aus Marmor.

Ein Geheimnis aus Schupbach

Ein Lobgesang auf den heimischen Marmor

Axel Becker und Willi Wabel veröffentlichen Buch "Vom Tropenriff zum Denkmal"

Schupbach -Wer an Lahnmarmor denkt, dem fällt mit ziemlicher Sicherheit sofort Villmar ein. Dort befindet sich der Unica-Steinbruch mit der großen geschliffenen Wand, bei der man wie durch ein Schaufenster Millionen Jahre zurückblicken kann, oder auch das Lahn-Marmor-Museum mit dem geologischen Lehrpfad. Was die allerwenigsten wissen, ist, dass in Schupbach deutlich mehr Marmor abgebaut wurde als in Villmar.

Axel Becker aus Schupbach, Jahrgang 1954, hat es schon als kleiner Bub in einer Zeit, als es weder Computer noch Internet gab, in die Marmorsteinbrüche rund um den heutigen Beselicher Ortsteil gezogen. Sie haben ihn fasziniert und fortan hat er eine Leidenschaft für die unterschiedlichen Spielarten dieses ganz besonderen Steines entwickelt, die ihn bis heute nicht losgelassen hat. Sein ganzes Leben hat er nicht nur Steine gesammelt und sie bearbeitet, sondern hat - oft mit enormem Aufwand - auch in alten Unterlagen gestöbert und Bilder zusammengetragen, um möglichst viel über den Marmorabbau in seiner Heimatgemeinde herauszufinden.

Willi Wabel, Jahrgang 1941, ist als Pfarrerssohn ebenfalls in Schupbach aufgewachsen. Mit Kunstwerken aus Marmor in der Schupbacher Kirche und im Pfarrhaus war er bereits in seiner Kindheit konfrontiert. Der heimische Marmor wurde für ihn zur Passion, als er entdeckt hatte, wie viele wunderschöne Steinmetz- und Bildhauerarbeiten seit über 400 Jahren aus dem Stein seines Heimatdorfes geschaffen worden waren. Fortan hat er unzählig viele Archivinformationen über die Steinbrüche und die daraus entstandenen Kunstwerke gesammelt und ausgewertet. Die ersten 200 Jahre der Verwendung des Lahnmarmors hat er in seinem Buch "Form Farbe Glanz - Lahnmormor im Barock" beschrieben.

Unschätzbares

Wissen

All ihr Wissen haben Becker und Wabel nun in einem von Wolfgang Kissel aus Heckholzhausen liebevoll und aufwendig gestalten Buch zusammengetragen. "Wenn wir es nicht getan hätte, hätte es niemand mehr gemacht", sind sich die beiden sicher. Und dann wäre unschätzbares Wissen über den Schupbacher Marmor verlorengegangen.

Das großformatige, reich bebilderte, gebundene Buch mit dem Titel "Vom Tropenriff zum Denkmal - 400 Jahre Schupbacher Marmor" nimmt den Leser auf 180 Seiten mit in die Marmor-Steinbrüche von Schupbach, aber auch Gaudernbach, beschreibt die Lage aller - auch der heute nicht mehr zugänglichen oder verschütteten - Marmor-Abbauplätze und zeigt auf zahlreichen Fotos nicht nur die unterschiedlichen Farbgebungen der Brüche "Famosa", "Rote Kaut", "Schupbach Schwarz", "Schupbach Weiß", "Korallenfels", "Kölken", "Goldader", "Gemeindebruch", "Goldader am Schamottwerk" und "Wiedischrosa, sondern auch viele Beispiele, an welchen Orten der Welt und oft berühmten Gebäuden Marmor aus diesen Brüchen kunstvoll verbaut und heute noch zu bewundern ist.

In ihren Darstellungen gehen Becker und Wabel auf Erdgeschichte und Geologie ebenso ein wie auf Gewinnung, Transport, Verarbeitung und Vermarktung. "Es war uns wichtig, kein abgehobenes Fachbuch zu schreiben, das nur von Experten verstanden wird, sondern es sollte ein Buch für die Menschen aus Schupbach und Umgebung wie auch aller Freunde des Lahnmarmors in nah und fern werden", betonen sie. Die wenigen Fachbegriffe erläutern sie im Anhang. Dort finden sich außerdem Archivquellen zur Geschichte der Schupbacher Marmorbrüche, Signaturen der ausgewählten Archivquellen, ein Literaturverzeichnis sowie Abbildungsnachweise.

Die meisten Fotos stammen von Becker und Wabel selbst. Ihr ganzes Leben lang haben sie immer wieder Gelegenheiten genutzt, zu den Orten, an denen Schupbacher Marmor verbaut wurde, zu fahren. Auch für die Bebilderung des Buches haben sie viele Orte erneut aufgesucht, um aktuelle Fotos zu machen.

Andreas E. Müller

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