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"Eine europaweite Ausstrahlung erzeugen"

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Von: Tobias Ketter

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Cem Özdemir (vordere Reihe links) und Priska Hinz (vordere Reihe rechts) haben die Öko-Feldtage in Villmar eröffnet.
Cem Özdemir (vordere Reihe links) und Priska Hinz (vordere Reihe rechts) haben die Öko-Feldtage in Villmar eröffnet. © Tobias Ketter

Politprominenz um Cem Özdemir eröffnet die Öko-Feldtage auf dem Gladbacher Hof in Villmar. Auch der neue Forschungsstall wird vorgestellt.

Villmar -Großer Andrang in Villmar. Mehr als 15 000 Menschen sollen in dieser Woche auf den Gladbacher Hof strömen. Dort sind die Öko-Feldtage in vollem Gange. Auch die Politprominenz hat es sich nicht nehmen lassen, das bundesweite Branchentreffen zu besuchen. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) eröffnete gestern gemeinsam mit seiner Parteikollegin und Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz die Veranstaltung. "Wir machen Hessen klimaneutral. Ohne einen Wandel bei Landwirtschaft und Ernährung geht das nicht", sagte Hinz. "Die Öko-Feldtage zeigen zukunftsweisende Lösungen für die gesamte Landwirtschaft", so die Politikerin. Ökologische Landwirtschaft sei innovativ und habe eine Zukunft. "Hessen ist bei dem Thema insgesamt gut aufgestellt", behauptete die Ministerin. Der Klimawandel und die Biodiversitäts-Krise dürfe aber durch die aktuelle Energie-Krise nicht in Vergessenheit geraten.

Cem Özdemir betonte, dass bis zum Jahr 2030 die ökologisch bewirtschafteten Flächen in Deutschland auf 30 Prozent erhöht werden sollen. "Nachdem was ich hier in Villmar gesehen habe, fühle ich mich darin bestärkt, dass diese Zielsetzung der richtige Weg ist", sagte der Grünen-Politiker. Seine Hauptaufgabe sei es, die passenden Rahmenbedingungen für den Öko-Landbau zu schaffen.

Neue Forschungsprojekte

hautnah erleben

Voller stolz sprach Andreas Gattinger, wissenschaftlicher Leiter am Gladbacher Hof und Professor für ökologischen Landbau an der Justus-Liebig-Universität (JLU) in Gießen, gestern zu den Landwirten. "Die Veranstaltung in Villmar kann eine europaweite oder sogar eine weltweite Ausstrahlung erzeugen", sagte er. Die Besucher hätten die Möglichkeit, neuste Forschungsprojekte hautnah mitzuerleben.

Auf dem Gladbacher Hof gibt es derzeit einiges zu entdecken. Davon überzeugten sich auch Hinz und Özdemir während eines Rundgangs. Unter anderem wurde dem Duo der neue Forschungsstall gezeigt. Die Wissenschaftler möchten dort einen modernen und ökologischen Gemischtbetrieb mit Schwerpunkt Milchproduktion entwickeln. Die Rinderhaltung im Gemischtbetrieb gilt nämlich als Lösungsmöglichkeit, um entkoppelte Stoffkreisläufe zu schließen. Jedoch fehlt es noch an Wissen, welche Wirkungen auf Ökologie, Ökonomie und Tierwohl von verschiedenen Intensitätsstufen solcher Produktionssysteme ausgehen. Diese Wissenslücke soll durch das Projekt geschlossen werden.

In dem Stall werden deshalb künftig zwei Herden mit je 64 Kühen getrennt voneinander untergebracht. Die eine Gruppe wird mit hofeigenem Mais und Getreide gefüttert. Die anderen Rinder erhalten Raufutter aus dem Grünland und Luzerne von den Ackerfutterflächen. Es soll dann untersucht werden, welche Methode die nachhaltigere ist. Dabei schauen die Forscher auch auf die Umweltauswirkungen.

Außerdem wurde Hinz und Özdemir ein zwölf Hektar großes Feld gezeigt, auf dem inmitten der Anbaufläche insgesamt sechs Reihen mit Apfelbäumen sowie Pappeln und Holundersträuchern stehen. "Mit Hilfe der Bäume soll die Bodenqualität verbessert, die Artenvielfalt erhöht und Erosion verhindert werden", so die zuständige Mitarbeiterin der JLU.

Beim Rundgang über das Gelände kamen die beiden Politiker auch an einem Roboter namens "Farm Droid" vorbei, der zum Hacken und zur Saat verwendet wird. 100 solcher Maschinen gibt es in Deutschland. Der Nettopreis liegt bei je 80 000 Euro. Der Roboter automatisiert die Aussaat sowie die kontinuierliche Unkrautbekämpfung auf den Feldern ohne den Einsatz von Chemikalien. Eine weiterer Vorteil ist die Einsparung von Arbeitszeit.

Am Stand mit dem Namen "Öko-Modell im Land Hessen" meldete sich Hinz erneut zu Wort. "Die Kommunen unseres Bundeslandes haben sich zu insgesamt 13 Modell-Regionen zusammengeschlossen. Das Ziel dabei ist es, die Anzahl der ökologisch bewirtschafteten Flächen zu erhöhen", sagte sie. Dabei seien auch die Verarbeitung und die Vermarktung wichtige Punkte. Hessens Ziel sei es, die ökologisch bewirtschaftete Fläche bis 2025 auf 25 Prozent zu erhöhen. Aktuell liegt der Anteil bei 16,2 Prozent. Hessen liege damit im bundesweiten Spitzenfeld. "Wenn alle Bundesländer so vorangehen würden, wäre das 30-Prozent-Ziel bis 2030 leichter zu erreichen", sagte Özdemir.

Veranstalter erwarten

mehr als 15 000 Besucher

Die Öko-Feldtage auf der Hessischen Staatsdomäne Gladbacher Hof in Villmar laufen noch bis morgen. Das bundesweite Branchentreffen für alle Öko-Bauern sowie für alle Landwirte, die sich umstellen wollen oder nach neuen Methoden für eine umweltfreundliche Landwirtschaft suchen, wird bereits zum dritten Mal ausgerichtet. Rund 330 Unternehmen, Verbände und Organisationen sind an Ort und Stelle anzutreffen. Die Aussteller präsentieren unter anderem Saatgut, Landtechnik, Betriebsmittel sowie Futtermittel und Stallbau. Das Hessische Landwirtschaftsministerium ist Mitveranstalter der Öko-Feldtage und fördert die Veranstaltung mit rund 440 000 Euro aus dem Hessischen Öko-Aktionsplan 2020 bis 2025. Darüber hinaus ist das Forschungsinstitut für biologischen Landbau, die Justus-Liebig-Universität und der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen für die Durchführung der Öko-Feldtage verantwortlich.

Mit 15 000 bis 18 000 Besucherinnen und Besuchern werden noch mehr Gäste als in den Vorjahren erwartet. Rund um den Gladbacher Hof ist deshalb auch heute und morgen mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen. Es stehen zwei Parkplätze für die Besucher zur Verfügung. Von dort aus werden die Gäste mit Shuttle-Bussen zum Gladbacher Hof gebracht. Der Parkplatz West kann über die L 3063 von West (Villmar), Ost (Aumenau) und Nord (Weilburg) angefahren werden. Den Parkplatz Ost erreichen die Besucher über die K 468 von Süden aus (über Selters-Münster). Die K 468 ist zwischen dem Parkplatz Ost am südlichen Waldrand oberhalb von Münster und der Einmündung in die L 3063 noch bis Freitag, 1. Juli, 15 Uhr, gesperrt. Eine Umleitung ist eingerichtet. tob

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