Nur im Gehen den Ball über den Platz zu treiben machte am Anfang doch Probleme. Bei vielen in Weyer juckte es doch noch und sie umdribbelten mit dem Leder "wie gewohnt" die ausgelegten Pylonen. Dabei ist laufen verboten und führt im Spiel zu einem Freistoß für die gegnerische Mannschaft.
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Nur im Gehen den Ball über den Platz zu treiben machte am Anfang doch Probleme. Bei vielen in Weyer juckte es doch noch und sie umdribbelten mit dem Leder "wie gewohnt" die ausgelegten Pylonen. Dabei ist laufen verboten und führt im Spiel zu einem Freistoß für die gegnerische Mannschaft.

"Fußball im Gehen" ist im Kommen

"Entschleunigt" Fußball spielen

  • VonRolf-Peter Kahl
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Als fünfter Sportverein in Hessen hat der RSV Weyer "Walking Football" nun in sein Sportangebot aufgenommen

Weyer -Man stelle sich folgendes Szenario vor. Beim sonntäglichen Heimspiel der Grün-Weißen wird Andreas Petry mit einem Steilpass in Szene gesetzt. Er sprintet wie gewohnt - im Stile eines 100-Meter-Läufers - dem Leder hinterher. Die Anhänger des RSV jubeln. Da ertönt der Pfiff des Schiedsrichters. Abseits? Ein Foul? Der Schiri entscheidet auf Freistoß für die gegnerische Mannschaft. Die Zuschauer schütteln ungläubig den Kopf.

Solche Situationen wird es zukünftig sicherlich öfters auf dem Weilersberg geben: beim "Walking Football" - oder auf Deutsch dem Geh-Fußball. Denn bei denen gilt als wichtigste Regel: Laufen, egal ob mit oder ohne Ball, ist verboten. In Weyer gibt es nun eine solche neue Abteilung. Werner Abraham vom Hessischen Fußballverband (HFV) gab eine Einweisung in Theorie und Praxis. Und dazu hatten sich rund 15 interessierte ältere Herrschaften auf dem Kunstrasenplatz des RSV eingefunden. Abraham sagte, dass immer mehr Menschen auch im reiferen Alter ihrer Leidenschaft Fußball nachgehen möchten. Der HFV arbeite daran, Fußballangebote altersgerecht und gesundheitsorientiert zu etablieren. Für Spieler um die 60 Jahre und älter erfreue sich der "Walking Football" zunehmender Beliebtheit.

Verletzungsrisiko soll

gemindert werden

Und wenn man sich mal umschaute, erkannte man mit Thomas Kraus, Andreas Lindemaier, den Brüdern Marc und Kai Klement oder Erol Lindner viele ehemalige "Fußballgrößen", die in ihrer aktiven Zeit so manchen Sieg oder sogar die Meisterschaft 2000 auf den Weilersberg holten. Aber es gab auch Personen, die bislang weniger mit Fußball zu tun hatten. Unter ihnen ist auch Nicole Schneider, Breitensportwartin beim HFV und seit zwei Jahren auch Sportwartin beim RSV Weyer. Sie war es auch, die "den Stein ins Rollen brachte", als sie den Vorstandskollegen des Vereins vom Geh-Fußball erzählte. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Weyer und Neugierige aus Limburg und Bad Camberg waren ebenfalls mit dabei.

Wie der Name schon sagt, darf beim "Walking Football" nicht gerannt werden. Zudem darf der Ball nicht über Hüfthöhe gespielt werden. Ein Verstoß der Regeln führt zu einem Freistoß für die gegnerische Mannschaft. Eine weitere Regel ist die Vermeidung von hartem Körperkontakt und Fouls, wodurch das Verletzungsrisiko gemindert werden soll und es damit gesundheitsfreundlicher ist. Bei offiziellen Spielen oder Turnieren im "Walking Football" messen die Tore drei mal ein Meter. Doch keine Sorge: Es müssen keine neuen Tore angeschafft werden, es kann auch auf ein umgekipptes Jugendtor oder ein Mini-Tor gespielt werden. Planmäßig wird "Walking Football" gespielt mit sechs gegen sechs auf einem Platz von 21 mal 42 Metern. Doch auch die Anzahl der Spieler und die Spielfeldgröße können variiert werden. Gerade wenn es noch in den Füßen juckt, die Knochen, der ramponierte Knorpel oder der fehlende Meniskus aber den geregelten AH-Spielbetrieb nicht mehr zulassen, dann ist es eine echte Alternative.

Es kommt beim Geh-Fußball darauf an, sich das Leder möglichst passgenau zuzuspielen. Die meisten Regeln sind die gleichen wie beim normalen Fußball. Allerdings ist die Spielweise anders: langsamer, also "entschleunigter", um das Modewort einmal beim Namen zu nennen. Trotzdem sei "Walking Football" aber nicht die gediegene Alternative, für die sie viele hielten, sagt Abraham. Im Gegenteil: Durch die kleineren Teams und die kleineren Plätze, müsse man viel mehr in Bewegung sein, weil der Ball immer in der Nähe sei. "Ruhephasen gibt es während des Spiels so gut wie nie", so Abraham weiter.

Erstmals wurde diese Fußball-Variante 2011 in Chesterfield/England gespielt - und begeistert inzwischen die ganze Insel. Fast 1000 Mannschaften, einige auch in einem geregelten Spielbetrieb, bestreiten den neuen Sport in England. Über die Niederlande gelangte "Walking Football" nun auch nach Deutschland. Die Fifa hat Geh-Fußball als eigene Sportart anerkannt. Trainiert wird die neue Gruppe in Weyer ab sofort freitags ab 18 Uhr auf dem Weilersberg.

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