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Fischbestände im Fluss gehen zurück

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Winfried Klein (rechts) setzt mit Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (links daneben) und Weilmünsterer Schülern Junglachse in die Weil. Doch das Projekt bringt aktuell leider nicht den gewünschten Erfolg.
Winfried Klein (rechts) setzt mit Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (links daneben) und Weilmünsterer Schülern Junglachse in die Weil. Doch das Projekt bringt aktuell leider nicht den gewünschten Erfolg. © IG Lahn

Mikroschadstoffe im Wasser machen Tieren zu schaffen

In der Jahreshauptversammlung der Interessengemeinschaft (IG) Lahn in der Eichelberghalle Aumenau wurde viel Kritik an den Zuständen entlang des Flusses geübt. Winfried Klein (Runkel), der vier weitere Jahre als 1. Vorsitzender weitermacht, sagte, dass die Lahn die ganze Strecke als FFH-Gebiet streng geschützt sei. Es habe höchste Priorität, das Gewässer wieder auf ökologisch guten Stand zu bringen.

Lachswart Frank Plettenberg konnte vom Lachsansiedlungsprojekt jedoch nichts Gutes berichten. Im letzten Jahr sei bei Lahnstein kein einziger Rückkehrer gefangen und nur zwei Tiere überhaupt gesehen worden. "Das ist demotivierend", meinte Plettenberg. Denn aus der Aufzuchtsstation Aumenau seien elf Kilo Junglachse in Weil und Dill ausgesetzt worden. Warum die Lachse Probleme haben, die Rückkehr zu schaffen, erklärte Plettenberg mit Gefahren durch Wasserkraftanlagen, Netzfischerei in den Niederlanden und auch der Angelfischerei in Deutschland. Der Lachswart appellierte an die Mitglieder der Anglervereine, zufällig gefangene Lachse schonend zurückzusetzen und die IG Lahn über diese Fänge zu informieren.

Plettenberg glaubt aber keineswegs, dass das alles Zufallsfänge seien. Er denkt, dass es Angler gebe, die auch an illegalen Stellen gezielt Lachse angelten. "Die wenigen Lachse, die zurückkommen, sollten nicht noch am Haken hängen", sagte Plettenberg und forderte stärkere Kontrollen, um illegales Angeln zu verhindern. Ein großes Problem sei auch die Zunahme von Welsen in der Lahn, die auf die Lachse lauerten. Vor 15 Jahren, berichtete Klein, seien in einer Saison mal 600 Lachse zurückgekehrt und in die Zuchtstation Aumenau gebracht worden. Aus dem Laich seien dann 100 000 Jungfische entstanden.

Zum Aal-Erhaltungsprojekt berichtete Klein, dass im vergangenen Jahr 225 Kilo Glasaale über die Lahn verteilt in Hessen und Rheinland-Pfalz ausgesetzt worden seien. Trotzdem glaubt er nicht, dass der Aal dauerhaft in unserer Region zu retten ist. Der Aal lebe bereits seit 50 Millionen Jahren in europäischen Gewässern und müsse eben an seinem Lebensende über den Atlantik in die Sargassosee zurück, um dort abzulaichen. Schuld am Tod der Aale sei alleine die Wasserkraft, weil es keine wirksamen Verhütungsmöglichkeiten gebe, dass Aale in den Turbinen tierschutzwidrig gehäckselt würden.

Das Wiederansiedlungsprojekt der Nase dagegen funktioniere gut. Mittlerweile sei der Fisch wieder in der ganzen Lahn vorhanden und vermehre sich selbst. Auch die Wiederansiedlung der Quappe funktioniere gut. Diese Fischart sei wegen chemischer Belastung nach dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend aus der Lahn verschwunden. Das Bachmuschelprojekt funktioniere nur teilweise, so Klein. Die IG Lahn hofft, dass es bald zum Durchbruch komme und habe auch die Elritze verstärkt angesiedelt, die die Muscheln zur Fortpflanzung brauchten.

Klein berichtete weiter "Erstmalig haben wir jetzt im Oktober Edelkrebse in den Seeweiher und Vöhler Weiher ausgesetzt." Im Füllberg-Steinbruch-Weiher in Waldbrunn hätten sie sich gut vermehrt. Mit Sorge sieht Klein aber den Rückgang der Fischbestände insgesamt in der Lahn. Der IG-Vorsitzende berichtete: "Die Brassen und die Güster sind fast ganz aus der Lahn verschwunden, andere schwächeln." Die Ursache seien wahrscheinlich Mikroschadstoffe im Wasser aus allen möglichen Quellen, aber vor allem aus tierischen und menschlichen Ausscheidungen. Sehr problematisch seien Schmerzmittelrückstände. Diese Mittel wirkten auch in den Kläranlagen auf die Bakterien, die das Abwasser reinigten und setzten dadurch die Klärleistung der Anlagen herab.

Klein teilte außerdem mit, das seit 2019 die Wasserflora in der Lahn erneut komplett verschwunden sei. Wahrscheinlich habe es Überkonzentrationen von Herbiziden (Glyphosat) gegeben, die die Wasserflora bis auf die Teichrosen abgetötet hätten. Auch Mikroplastik im Wasser ist laut Klein ein Problem, weil es von den Fischen aufgenommen und in den Zellen abgelagert werde. Folglich nehme der Mensch dieses Plastik mit auf, wenn er Fisch esse. Robin Klöppel

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