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Das Pfarrhaus in Villmar

Haushaltsplan

Villmar kauft Pfarrhaus und es bleibt noch Geld übrig

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Die Gemeindevertretung Villmar hat in ihrer Sitzung am Donnerstagabend in der Volkshalle Weyer den Entwurf des Haushaltsplans 2019 verabschiedet. Erstmals seit vielen Jahren fiel der Beschluss einstimmig. Damit hat das Parlament unter anderem die Finanzmittel für den Ankauf des Pfarrhauses in Villmar bereitgestellt.

Eine derart breite Zustimmung zu einem Haushaltsentwurf hat es in Villmar seit Jahren nicht mehr gegeben: Einstimmig bei zwei Enthaltungen der SPD hat die Gemeindevertretung am Donnerstag in Weyer das Zahlenwerk für 2019 verabschiedet. Es schließt mit einem Überschuss von 131 000 Euro im Ergebnishaushalt ab.

„Auf dünnem Eis“

Die Einigkeit war umso überraschender, als zuvor fünf Gemeindevertreter von UFBL und SPD die Erhöhung der Hebesätze für die Grundsteuer B auf 420 sowie der Gewerbesteuer und Grundsteuer A auf 400 Prozentpunkte nicht mittragen wollten: Sie stimmten mit Nein, drei weitere Gemeindevertreter enthielten sich.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Rosbach sah allerdings keinen Anlass zum Jubeln: „Das ist ein Haushalt auf dünnem Eis“, sagte er, „und kein Grund, sich zurückzulehnen.“ Schon kleine Änderungen könnten aus dem Plus ein Minus machen. „Wir können froh sein, dass die hessische Landesregierung den defizitären Kommunen das Geschenk der Hessenkasse macht.“

„Überzeugende Lösungen“

Rosbach sah in dem Haushalt aber auch eine „Vielzahl an Ansätzen zur Attraktivitätssteigerung unserer Gemeinde“. Als Beispiele nannte er die Investitionen in die U-3-Betreuung in den Kindergärten (60 000 Euro), die Unterstützung von Vereinen, vor allem für die Dacherneuerung am Sportlerheim Seelbach und die Förderung für die Schießanlage des Schützenvereins Weyer, die Sanierung der Abwasserkanäle und der Lahn-Marmor-Brücke in Villmar (700 000 Euro).

Besonders lobte Rosbach auch, dass die Gemeinde 263 500 Euro für den Ankauf des Pfarrhauses mit Pfarrgarten bereitstellt. Der Erlass eines Sperrvermerks, wie im Bauausschuss beantragt, wäre aus seiner Sicht einer Ablehnung des Projektes gleichgekommen. Denn die „Möglichkeit des langen Rumverhandelns“ sehe er nicht. Jetzt gelte es, erst einmal eine Sicherung des Anwesens durchzuführen, um anschließend schnellstmöglich ein durchdachtes Nutzungs- und Sanierungskonzept zu erstellen.

Der AAV-Fraktionsvorsitzende Axel Paul sah in dem Haushalt „überzeugende Lösungen“ für eine Vielzahl von Problemen. Ein Herzensanliegen der AAV sei der Erhalt des Pfarrhauses als ortsbildprägender Immobilie in Villmar. Aber auch die Bereitstellung von Ankauf- und Erschließungsmitteln für ein Neubaugebiet im Ortsteil Villmar und der Ausbau der U-3-Betreuung zeigten, dass es sich um einen Haushalt handele, der zu wichtigen Anliegen in der Gemeinde Ja sage.

Kritik am Schützenverein

Kritisch setzte sich Paul mit der geplanten Förderung einer Schießanlage des Schützenvereins Weyer auseinander. Die Antragsunterlagen, die der Verein bisher vorgelegt habe, seien völlig unzureichend, meinte Paul. Daher sei es richtig gewesen, diese Position mit einem Sperrvermerk zu versehen. Frank Paul (AAV) verwahrte sich gegen den Vorwurf, dass die AAV dem Verein schaden wolle. Er sei aber „maßlos entsetzt“ darüber, dass offenbar alleine die CDU ausreichend über die Pläne des Schützenvereins informiert worden sei. Dies hatte zuvor Stefan Rosbach erklärt.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jörg Schmidt sah Anlass zur Kritik an dem Haushaltsentwurf. Die Gemeinde gebe hohe Summen für den Digitalfunk aus, ohne dass das Gemeindegebiet komplett mit dieser Technik abgedeckt werde. Die bauliche Umrüstung der Kindergärten für die U-3-Betreuung sei ebenso wie der Digitalfunk ein weiteres Beispiel dafür, dass die Gemeinde Vorgaben der Landesregierung folgen müsse. „Kommunalpolitik hat längst nicht mehr Gestaltung als Schwerpunkt, sondern Mangelverwaltung“, meinte Schmidt. Froh zeigte er sich darüber, dass Hessen Mobil die Sanierung der Lahn-Marmor-Brücke mit 200 000 Euro unterstützen will. Auch den Erwerb des Pfarrhauses begrüßte Schmidt.

Rita Frost (UFBL) lobte die „transparenten und offenen“ Haushaltsberatungen. Als Vertrauensvorschuss habe ihre Fraktion auf Anträge für Sperrvermerke verzichtet. Zwei wichtige Dinge habe die UFBL angestoßen: Den Bau einer Wasserenthärtungsanlage für alle Ortsteile, die nicht vom Wasserverband Georg-Joseph versorgt werden, und die Bereitstellung von Transportkarren auf allen Friedhöfen. Gertrud Brendgen (AAV) regte an, künftig auch das Kinder- und Jugendparlament beim Haushalt mitreden zu lassen. Außerdem appellierte sie an die Gemeindevertretung, das Pfarrhaus zu einem identitätsstiftenden Gebäude für die ganze Gemeinde zu entwickeln.

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