Villmarer Fledermausbeauftragter

Der Herr der Fledermäuse

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Fledermäuse faszinieren ihn wie kaum eine andere Tierart: Uwe Haun aus Villmar ist Fledermausbeauftragter der HGON und kümmert sich intensiv um diese bedrohte Tierart.

Uwe Haun hat Fledermäuse zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Seit 25 Jahren ist der naturbegeisterte Villmarer Fledermausbeauftragter im Landkreis Limburg-Weilburg. Diese Funktion hat er auch ein bisschen dem Zufall zu verdanken. Die heimische Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) suchte damals einen neuen Aktiven für dieses Aufgabengebiet. Uwe Haun nahm sich der Aufgabe an und sprang ins kalte Wasser.

Fledermäuse, erzählt er, fand er von Anfang an sehr spannend, weil sie überwiegend nachts unterwegs sind und der normale Bürger folglich nicht viel über sie weiß. Die Tiere zu beobachten, wenn sie ausfliegen und auf Insektenjagd gehen, hat für den 50-Jährigen bis heute nichts an Reiz verloren. Fledermäuse beobachtet er aber am liebsten ganz alleine, denn nur dann könne er sich darauf voll konzentrieren und möglichst viel von der Natur mitbekommen.

Der Schutz der Fledermäuse liegt der HGON am Herzen. In einem alten Haus im Greifensteiner Ortsteil Allendorf kümmert sie sich schon seit Jahren um eine Kolonie des Großen Mausohrs und konnte dadurch die dortige Tierzahl von 800 auf mittlerweile 1600 verdoppeln. Im Schnitt 900 Junge kommen dort pro Jahr neu auf die Welt. Neben seiner hessenweiten Tätigkeit kümmert Haun sich natürlich vor allem im heimischen Landkreis um den Schutz dieser außergewöhnlichen Tiere. Zwölf Fledermausarten gebe es in der Region Limburg-Weilburg, berichtet der Fachmann. Haun sieht allerdings Windkraft auch hier als zunehmendes Problem für Fledermäuse an, denn in den Regionen, wo bereits zahlreiche Anlagen stehen, sei der Bestand vieler Fledermausarten stark eingebrochen. Davon ausgenommen seien lediglich die nahe am Boden jagenden Arten. Es liege nicht in erster Linie daran, dass sie von Flügeln erschlagen würden. Durch den Unterdruck platzten ihnen, wie Haun erläutert, schlichtweg die Lungenflügel.

Die toten Fledermäuse seien nur deshalb kaum am Boden zu finden, weil Füchse und Marder die Kadaver meistens schnell verspeisen, sobald sie diese entdeckt haben. Deshalb kann der Naturschützer auch Windkraftanlagen auf dem Villmarer „Galgenberg“ nicht für gut heißen, denn dort lebe eine Vielzahl von Fledermäusen. Neben der stark gefährdeten Bechsteinfledermaus sind das nach seinen Angaben die Wasser-, die Bart-, die Fransen-, die Zwerg-, die Zweifarben- und die Wimperfledermaus, aber ebenso das Große Mausohr und das Braune und das Graue Langohr.

Im ganzen Kreis ist Uwe Haun unterwegs, um die Fledermausvorkommen zu kartieren. Mit Unterstützung einiger Kollegen kontrolliert er beispielsweise 260 Stollen. Die Standorte hängt er nicht an die große Glocke, weil jede menschliche Störung der Tiere zu erheblichem Stress und im schlimmsten Fall zum Tode führen könnte. Oftmals würden sich Fledermäuse aber auch heimlich in Privathäuser einnisten, in Scheunen, auf Dachböden oder in Rollladenkästen. Es gebe leider Bürger, die keine Fledermäuse in ihrer Nähe haben wollten, doch die Rechtslage ist laut Haun klar. Da Fledermäuse unter Artenschutz stehen, mache sich jeder strafbar, der die Tiere beispielsweise durch Zuschmieren der Einfluglöcher vertreibt oder gar tötet. Wer erwischt wird, müsse mit einer Strafanzeige rechnen. Der Villmarer will aber keine Konflikte mit den Bürgern, sondern über Aufklärung Verständnis wecken.

Falls eine Fledermaus auf der Jagd nach Mücken versehentlich in einen Wohnraum gerate, sich dort an die Decke, die Gardine oder hinter den Schrank hänge, solle man einfach das Fenster weit öffnen, Handschuhe überziehen und die Fledermaus vorsichtig wieder nach draußen setzen. Wenn jemand Fledermäuse im Haus hat oder verletzte Fledermäuse findet, könne er sich jederzeit an ihn wenden. Oft passiere es leider, dass Jungtiere aus den Wochenstuben metertief auf den Boden fallen. Im Schnitt zehn verletzte Jungtiere jährlich kann Haun mit Pipette und Mehlwürmern gesund pflegen.

Ein weiteres Einsatzgebiet des Villmarers ist ein Stollen im Wald in Weyer: Das dort stehende Wasser hat er begonnen abzulassen, damit er wieder ein Lebensraum für Fledermäuse werden kann. Sämtliche von ihm durchgeführten Arbeiten sind natürlich mit der Bergbauverwaltung abgestimmt.

Der gelernte Maler und Lackierer träumt davon, Naturschutz zu seinem Hauptberuf zu machen. Haun bietet Vorträge und Exkursionen an und besucht häufig Schulen und Kindergärten. Wenn er es schaffe, die Kinder für den Naturschutz zu begeistern, gingen häufig auch die Eltern sensibler mit diesem Thema um, so seine Erfahrung.

Wer Fragen zum Thema Fledermäuse hat oder eine Veranstaltung mit Uwe Haun buchen will, erreicht ihn unter Telefon:  (0 64 82) 60 75 95 oder 01 51 67 71 24 65.

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