Putzig: Die Mäusebussarde Jens und Tina noch zutraulich und beringt.
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Putzig: Die Mäusebussarde Jens und Tina noch zutraulich und beringt.

Greifvögel aus Weyer haben neue Heimat

Jens und Tina haben jetzt Adoptiveltern

  • vonRobin Klöppel
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Wo die kleinen Mäusebussarde in der Gemeinde Villmar leben, wird aber nicht verraten.

Villmar -Die beiden Mäusebussarde aus Weyer haben endlich eine neue Heimat. Falkner Berthold Geis setzte das fast vier Wochen alte Männchen Jens und das etwas größere Weibchen Tina bei Villmar am Wochenende in ein anderes Bussardnest im Feld bei Villmar. Geis hatte die beiden Eier nach Genehmigung der Behörden aus dem Nest des aggressiven Bussards vom Weyerer "Weilersberg" entnommen. Denn laut Geis verliert dieser, wenn er keine Brut mehr hat, auch das Brutverhalten und greift dann bis zur nächstjährigen Brutsaison erst einmal keine "feindlichen Jogger" mehr an. Jogger, die teilweise so heftig verletzt wurden, dass Geis keine andere Alternative zur Tötung des Bussards als die Eierentnahme mehr sah.

Greifvögel können

nicht zählen

Diese Zeitung durfte beim Einsetzen der Nestlinge in ihr neues Nest dabeisein. Geis möchte aber nicht, dass der genaue Villmarer Standort des Nestes genannt wird, da er in der Nähe einer Straße liegt und der Falkner nicht will, dass Schaulustige die Aufzucht der Jungen stören. In dem fremden Nest war ein einziger junger Bussard, nach Schätzung von Geis etwa zwei Wochen jünger als seine Jungtiere. Wie der Falkner weiß, können Greifvögel weder zählen noch fremde Brut erkennen, so dass sie sie problemlos mit aufziehen.

An Futter scheint es dem Altvogel in Villmar jedenfalls nicht zu mangeln, denn im Nest lagen eine tote Maus sowie ein erbeutete Jungelster. Das war wohl auch der Grund, warum ein Elsternpaar bei der Ankunft des Falkners den Altbussard immer wieder verfolgte und attackierte, bevor er erst einmal ganz das Weite suchte.

Geis hofft nun, dass seine beiden Jungtiere gesund groß werden können. In der freien Natur kann man sich natürlich nie sicher sein, ob sie überleben werden. Berthold Geis hatte bereits eine halbe Woche vorher im strömenden Regen versucht, die beiden Jungbussarde in einem anderen Nest in Weyer unterzubekommen. Doch als er mit der Drehleiter der Niederselterser Feuerwehr oben am Nest war, sah er, dass Teile des Nestes wohl beim Sturm davor abgestürzt waren und damit auch die Brut mit in den Tod. Selbst wenn die jungen Bussarde den Sturz erst einmal überlebt hätten, würden sie am Boden nicht lange am Leben bleiben, weil dort Füchse, Marder und andere Fressfeinde unterwegs seien, wie Geis erläuterte.

Die Angst

vor den Uhus

Auch oben im Nest seien die Jungen nicht 100-prozentig sicher, da es in Villmar beispielsweise auch Uhus gebe. In fünf bis sechs Wochen würden sie dann zu Ästlingen und könnten das Nest dann schon Richtung Nachbarbäumen verlassen. Selbst behalten durfte der Falkner die zwei Bussarde nicht, wollte das auch gar nicht. Nach dem Ausbrüten der Eier hatte der Falkner die Zwei ins Nest seiner Wüstenbussarde gesetzt, die sie aufgezogen hätten. Vor der ersten missglückten Einsetzaktion hatte Geis sie dann wieder aus der Voliere genommen, da das Hessenfernsehen Geis mit Tina und Jens ins Studio nach Frankfurt eingeladen hatte.

Nach der missglückten ersten Auswilderung hatte Geis die beiden Jungen nicht wieder zu den Mäusebussarden setzen wollen und sie darum mehrere Tage ins seinem Büro sitzen. Dort haben die beiden dann alles mit ihrem herumfliegenden Flaum verdreckt. Und da Geis Sonntag in seiner offiziellen Findlings-Aufzuchtstation schon wieder fünf verwaiste Jungeulen aufnehmen musste, sollten die beiden Bussarde dann Samstag endgültig weg. Dabei half gerne die Einsatzabteilung der Weyerer Feuerwehr, die Geis eine Leiter mitgebracht hatten. Da der brütende Bussard von den Elstern vorher erst einmal vom Ort des Geschehens vertrieben worden war, musste Geis nicht mit einem Angriff des Alttiers rechnen und konnte die beiden Jungen in Ruhe einsetzen.

Als Gastgeschenk für die nun drei Jungen im Nest legte er noch eine tote halbe Taube dazu. Berthold Geis erzählte, dass er die zwei Bussarde bewusst fast vier Wochen bei sich behalten habe, damit diese beim Aussetzen so groß seien, dass sie an einem kalten Tag nicht gleich erfrieren würden. Dass nicht jeder Bussard so aggressiv im Brutverhalten wie der Weyerer ist, zeigt sich daran, dass das Villmarer Paar bisher noch nie auffällig wurde. Ob der Weyerer Bussard nächstes Jahr wieder am Weg von der Volkshalle zum RSV-Sportplatz brütet und Jogger angreift, muss abgewartet werden.

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