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Eine goldfarbene Justitia-Figur steht vor Aktenbergen. Foto. Britta Pedersen/Archiv

Prozess

Kirmesschläger müssen sich verantworten

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Der Besuch der Villmarer Kirmes 2017 endete für einen Mann mit üblen Verletzungen. Die vier mutmaßlichen Täter sind nun wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Kirmesveranstaltungen gelten dem Vergnügen, dem unbeschwerten Zusammensein und dem ausgelassenen Miteinander, bei dem auch Alkohol oft eine Rolle spielt. Manch ein Zeitgenosse nutzt eine Kirmes jedoch, um die überschüssige Muskelkraft bei tätlichen Auseinandersetzungen spielen zu lassen. Übertrieben haben es dabei offenbar vier Männer im Alter von 21 bis 28 Jahren im vergangenen Jahr in Villmar. Ihre brutale Vorgehensweise am 10. September 2017 gegen 3 Uhr am Morgen veranlasste Staatsanwältin Sabine Hönnscheidt, die Männer vor dem Jugendschöffengericht wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung anzuklagen.

Eine verbale Auseinandersetzung zwischen dem späteren Opfer und seinem Kontrahenten führte laut Anklage dazu, dass einer der beiden 28-jährigen Angeklagten den vermeintlichen Störenfried in einen kleinen Hof lockte und ihn dort in eine Hecke stieß. Nachdem sich der Geschlagene aus dieser Lage befreit hatte, schubste der Angeklagte diesen vor sich her die Straße entlang. Als sich der in Bedrängnis geratene Mann nun hinter einem Auto verschanzte, traten die Mitangeklagten in Aktion. Sie schlugen und traten auf ihr Opfer ein und trafen es am Oberkörper, Rücken und Bauch.

Einer Zeugin, die schlichten wollte, machten die Männer unmissverständlich klar, dass sie sie umbringen würden, wenn sie die Polizei alarmieren sollte. Den Verletzten ließen die Täter zunächst blutüberströmt auf dem Boden zurück, ehe der als Hauptangeklagter geltende 28-jährige Produktionshelfer ihn zu einem Brunnen brachte. Von dort soll der Verletzte von einem Freund nach Hause begleitet worden sein. Ob er dort das Bewusstsein verloren hat, ist noch nicht geklärt. Staatsanwältin Hönnscheidt sprach in ihrer Anklageschrift von das Leben gefährdenden Handlungen. Das Opfer erlitt eine halbseitige Gesichtsprellung, mehrere Prellungen am Körper und zahllose Hämatome.

Die Angeklagten, die insgesamt 15 Vorstrafen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Betrugs, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorweisen, präsentierten sich neben ihren Verteidigern kleinlaut, zeigten einen Hauch von Reue und waren zu Teilgeständnissen bereit. Ein 28 Jahre alter Gärtner sei zwar am Tatort anwesend gewesen, habe, wie die anderen übereinstimmend erklärten, aber weder geschlagen noch getreten. Diese Auffassung teilten junge Leute, die das Geschehen beobachtet hatten, bis auf eine 15-jährige Schülerin. „Der war 100-prozentig dabei und hat wie die anderen drei Angeklagten auf den am Boden liegenden Mann getreten“, sagte sie und belastete nicht nur den immerhin achtmal vorbestraften Angeklagten, sondern auch einen nicht angeklagten Mann, der sich am Ort des Geschehens aufgehalten haben soll. Der Jüngste des Quartetts, der elf Jahre lang Thai-Boxen betrieben hat, bestätigte einen Schlag in den Bauch des Opfers. Die Mitangeklagten gaben an, zumindest geschlagen zu haben.

Da die Aussage der 15-Jährigen noch einige Fragen offen ließ, wurde die Verhandlung unterbrochen und wird am heutigen Mittwoch fortgesetzt.

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