Bürgermeister

Neuer Rathauschef Matthias Rubröder spricht über Herausforderungen und Pläne

Hinter Matthias Rubröder liegen turbulente Tage, vor ihm auch. Der 31-Jährige hat sich im Bürgermeisterwahlkampf gegen Amtsinhaber Arnold-Richard Lenz durchgesetzt und steht nun vor der Aufgabe, gemeinsam mit einer streitbaren Gemeindevertretung die Geschicke der hochverschuldeten Gemeinde Villmar zu lenken. Mit Redakteurin Katja Mielcarek hat er sich über Herausforderungen, Veränderungen und Pläne unterhalten.

NNP: Hallo Herr Rubröder, fühlen Sie sich heute eigentlich als Unternehmensberater oder als Bürgermeister?

MATTHIAS RUBRÖDER: Puh, irgendwas dazwischen. Ich hatte am Mittwoch meinen letzten Arbeitstag als Unternehmensberater, Bürgermeister werde ich erst ab Juli sein. Aber immerhin habe ich mich langsam an den Gedanken gewöhnt, dass ich tatsächlich die Wahl gewonnen habe. Das war ein wirklich einschneidendes Erlebnis, das man wahrlich nicht alle Tage hat.

NNP: Was unterscheidet die beiden Berufe voneinander und was haben sie gemeinsam?

RUBRÖDER: Na ja, mir wird sicher entgegenkommen, dass ich als Unternehmensberater im Projektmanagement tätig war. Ich habe Projekte entwickelt, begleitet und umgesetzt. Das werde ich als Bürgermeister auch tun. Man denke nur an die Baustelle im Kernort. Und Unterschiede: In Zukunft werde ich Verantwortung für Bürgerinnen und Bürger und damit für Menschen tragen und nicht mehr in erster Linie für Unternehmen. Aber ganz ehrlich: Beide Berufe sind so grundverschieden, dass ich mich schwertue, einzelne Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zu benennen.

NNP: Dann liegt ein Wechsel, wie Sie ihn gerade vollziehen, ja nicht auf der Hand. Wie ist es dazu gekommen?

RUBRÖDER: Der Vorschlag kam aus dem CDU-Gemeindeverband, das war im Herbst 2015. Damals war ich 28 Jahre alt und im ersten Moment ziemlich überrascht von der Idee. Ich habe mir damals ein paar Tage Zeit genommen, um zu überlegen, ob ich mir das zutraue, bin aber ziemlich schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass mich diese Herausforderung reizt.

NNP: Und jetzt ist aus der Idee eine Realität geworden. Haben Sie womöglich zwischenzeitlich Angst vor der eigenen Courage bekommen?

RUBRÖDER: Nein, Angst habe ich keine. Ich habe Respekt und Demut vor der Aufgabe. Immerhin leite ich bald ein Unternehmen mit einer ganzen Reihe von Mitarbeitern. Es dauert zwar noch drei Monate, bis es losgeht, aber diese Zeit geht ganz schnell vorbei.

NNP: Was wird die größte Herausforderung für Sie sein?

RUBRÖDER: Es werden viele unterschiedliche Aufgaben auf mich zukommen, die ich alle möglichst gut ausfüllen will. Das wird sicher nicht mit einem 40-Stunden-Job zu machen sein. Erst recht nicht, weil ich mir vorgenommen habe, vieles selber zu erledigen. Natürlich brauche ich auch meine Mitarbeiter, aber alle wichtigen Sachen, wie das geplante Baugebiet, werden über meinen Tisch gehen. Dazu kommen viele Veranstaltungen, zum Beispiel der Vereine am Abend und an den Wochenenden. Es wird schwieriger werden, meinen Beruf mit der Familie und den Freunden unter einen Hut zu bekommen. Da wird zwangsläufig einiges zu kurz kommen, mein Beruf wird das nicht sein. Zum Glück weiß ich, dass sowohl meine Freunde als auch meine Familie das mittragen werden. Das habe ich mit ihnen vor meiner Entscheidung zu kandidieren besprochen.

NNP: Am Wahlabend hatten Sie unserer Zeitung gesagt, Sie würden sich unter anderem Rat beim Kreisvorsitzenden Ihrer Partei, beim Landrat und bei CDU-Bürgermeistern holen. Ich stelle dem die These entgegen, dass auf kommunaler Ebene die Parteizugehörigkeit zweitrangig sein sollte.

RUBRÖDER: Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Die genannten Personen sind zwar alle in der CDU, sie sind aber auch meine persönlichen Freunde. Und der Rat meiner Freunde, auch der Freunde, die nicht in der Politik sind, ist mir wichtig. Das wird auch in Zukunft so sein, natürlich nur, wenn keine vertraulichen Belange betroffen sind. Aber als Bürgermeister spielt meine Parteizugehörigkeit keine Rolle, ich bin für alle Bürger in gleichem Maße da.

NNP: Die Villmarer Gemeindevertreter sind ziemlich streitbar. Wie wollen Sie das in den Griff bekommen?

RUBRÖDER: Das stimmt, die Gemeindevertreter können sehr streitbar sein. Aber nach meinem Eindruck hat sich die Situation nach einer turbulenten Anfangsphase nach der Kommunalwahl beruhigt. Dass diskutiert wird, halte ich für normal und auch für notwendig. Ich glaube aber, dass es mir gelingen wird, das auf sachlicher Ebene zu halten. In der Vergangenheit ist ja vor allem von uns bemängelt worden, dass die Vorlagen teilweise schlecht vorbereitet worden sind und dass die Kommunikation vom Bürgermeister in das Gremium mangelhaft war. Das kriege ich definitiv besser hin.

Ich komme jedenfalls mit allen Gemeindevertretern gut aus und kann mit jedem problemlos nach einer Sitzung noch ein Bier trinken. Ich habe auch nicht gehört, dass einer von ihnen mit mir massive Probleme hat.

NNP: Wie sieht Ihre Vorbereitung aus?

RUBRÖDER: Na ja, bis Mittwoch war ich ja noch als Unternehmensberater unterwegs. Jetzt steht erst einmal ein Gespräch mit Bürgermeister Arnold-Richard Lenz an. Der ist aber noch in Urlaub. Wie es genau ablaufen wird, weiß ich noch nicht, aber es wird sicher einen geordneten Übergang geben.

NNP: Gab es nach der Wahl eigentlich schon ein Gespräch zwischen Ihnen beiden?

RUBRÖDER: Nein, noch nicht. Am Wahlabend war er wohl relativ schnell weg, jedenfalls habe ich ihn nicht mehr gesehen. Danach haben wir uns nur einmal kurz auf einer Feuerwehr-Veranstaltung gesehen. Die Situation ist ja auch für uns beide komisch. Er ist sicher enttäuscht, ich freue mich. Aber wir sind ja beide erwachsen, deshalb ist die Situation zwischen uns so normal, wie sie in dieser Situation normal sein kann.

NNP: Wie wird sich Villmar bis zur nächsten Bürgermeisterwahl in sechs Jahren verändert haben?

RUBRÖDER: Zum Guten, hoffe ich. Im Ernst: Das ist eine schwierige Frage, für deren Beantwortung ich eine Glaskugel bräuchte. Ich werde daran arbeiten, die Einwohnerzahl stabil zu halten oder sogar zu steigern. Das ist eine wesentliche Grundlage für unsere Einnahmen. Bei unserem Schuldenstand können wir zwar keine großen Sprünge machen, aber wir dürfen uns auch nicht zu Tode sparen. Insofern bin ich für jedes sinnvolle Projekt zu haben, das Villmar und seinen Bürgern zugutekommt.

NNP: Mögen Sie eigentlich Herausforderungen?

RUBRÖDER: Definitiv! Ich scheue keine Herausforderung, das zeigt auch mein Lebensweg. Ich war beispielsweise für ein halbes Jahr zum Praktikum in Südkorea – ohne vorher die Sprache zu sprechen oder die Kultur zu kennen. Die Idee dazu wurde ganz spontan an einem Sonntagsnachmittag geboren, beim Kaffeetrinken.

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