Katzenroman

Neuer Roman der Autorin Andrea Weil über die Erlebnisse einer Samtpfote

Andrea Weil aus Villmar, inzwischen Lektorin, Autorin und Journalistin in Schwedt im unteren Odertal, hat nach ihrem Debütroman „No Pflock“ um blutrünstige Vampire einen humorvollen Katzenroman geschrieben, mit erheblich weniger Toten, aber vielen spannenden Episoden aus den neun Leben des Straßenkaters Mrri.

„Neun Leben, achtzehn Krallen“ ist der zweite Teil der „Pfoten-Reihe“ des Arunya Verlages (Band 1: „Meerkatzen“), steht aber als Geschichte für sich allein. Darin hat die Autorin Andrea Weil ihre Erinnerung an „Tom“, den Straßenkater in der Johannes-Gutenberg-Straße, und ihre Kindheit in Villmar fiktionalisiert. Beeindruckende Illustrationen des Künstlers Peter Wall für das Cover und im Buch selbst charakterisieren treffend vor allem die Hauptkatze.

Katzenfreunde dürften ins Schwärmen geraten, weil Andrea Weil stilistisch konsequent aus der Katzenperspektive erzählt. Gleich zu Beginn riskiert der Kater beim Klettern in einem Baum sein sechstes Leben: „Um das Nest mit den piepsenden Leckerbissen zu erreichen, musste Mrri aber auf den schwankenden Zweig hinaus.“ Schnabelhiebe der Amseleltern setzen ihm zu, er stürzt ab. Tod begleitet ihn und warnt süffisant: „Sechs Leben in sechs Jahren. Willst du nicht langsam vernünftiger werden?“

Mrri kehrt ernüchtert in seinen Aikenweg zurück und sucht doch lieber die Menschen auf, die ihm freundliche Angebote machen. Jetzt wird zum Beispiel anschaulich das Fressverhalten des Katers geschildert, der die von „Mama Wilddose“ angebotene Leber unmöglich verschmähen kann: „Kaum hatte sie den Napf abgestellt, stürzte sich Mrri darauf und schlang das sehnige Fleisch, das alle seine Sinne in Ekstase versetzte, in sich hinein.“

Auf seine Unabhängigkeit bedacht geht Mrri allerdings am liebsten auf Mäusejagd, der gespannte Leser ist mitten im Geschehen: „Als die Maus innehielt, um eine abgeknickte Ähre nach Grassamen zu untersuchen, sprang der Kater los. Mit einem Satz katapultierte er sich nach vorn, die Vorderpfoten ausgestreckt, die Krallen ausgefahren …“

Kämpfe mit Artgenossen um das eigene Revier, abgesteckt durch Markierungen, die manchen Menschen gar nicht schmecken, hat Weil lebendig ausgemalt: „Mrri sah das Zucken der Pfote voraus und sprang zurück. Er antwortete mit einem Fauchen, verzichtete jedoch darauf, gleich zum Gegenangriff überzugehen.“

Detailreich beschrieben auch die kätzischen Gedanken und Gefühle, wenn Feinde, Mensch oder vor allem ein „Köter“ dem Kater schlimmste Verletzungen zufügen: „Schmerz schoss durch seine Seite, bohrte sich tief in die Innereien, zerfetzte jedes Bisschen klares Denken. Das Grollen des Monsters ließ die Welt vibrieren.“

Ein weiterer Höhepunkt der Erzählkunst der Autorin ist die delikate Schilderung einer liebestollen Verfolgungsjagd mit der Auserwählten: „Eigentlich hätte es Mrri gefallen, zur Abwechslung sie ein wenig warten zu lassen.“

Der Katzenroman enthält bei aller Verankerung in der Realität und wissenschaftlich fundiertem Katzenverhalten auch ein übernatürliches Element. „Tod“, nicht „der Tod“, sondern „die Tod“. Tod ist weiblich, nimmt Leben, erfüllt aber auch einfühlsam Mrri zweimal entscheidende Wünsche, jeweils eins seiner neun Leben für einen vertrauten Menschen einsetzen zu dürfen. Alles in allem eine wunderbare Hommage an die kleinen Tiger, besonders die selbstbewussten unabhängigen Straßenkatzen, aber auch an alle empathischen Individuen, die sich uneigennützig für Menschen in Not einsetzen und damit täglich ein klein wenig die Welt retten.

(og)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare