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Christina Kuhn von der Verbraucherzentrale beantwortete Fragen von Siraj Ahmed und Peerjan Baloch.

Verbraucherzentrale

Nicht nur für Flüchtlinge: Vorsicht Falle

„Hier unterschreiben!“ Oder „Hier klicken!“ Einmal nicht lang genug nachgedacht, vielleicht etwas nicht richtig verstanden, und schon sitzt man in der Abo-Falle. Flüchtlinge sind willkommene Opfer wie Christina Kuhn von der Verbraucherzentrale Hessen weiß. Sie gab jetzt Menschen aus dem Betreuungsgebiet des Helferkreises Tipps.

Christina Kuhn von der Verbraucherzentrale Hessen hat Flüchtlinge aus dem Betreuungsgebiet des Helferkreises Villmar über Verbraucherfallen aufgeklärt, über ihre Rechte informiert und kostenlose Lotsendienste angeboten. Eingeladen hatte die erste Vorsitzende des Helferkreises, Angelika Guidry.

Die Verbraucherberatung hat Beratungsstellen beispielsweise in Wiesbaden und Gießen. Sie bieten kostenlose Hilfen bei Problemen mit Unternehmen an. Bei Beratungsgesprächen können die Verbraucherlotsen Übersetzer stellen.

Auch Christina Kuhn hatte in der König-Konrad-Halle Folien in verschiedenen Sprachen dabei. Das erleichterte die Kommunikation mit den 25 Interessierten aus Arabisch oder Dari/Farsi sprechenden Herkunftsländern. Kuhn nannte häufige Verbraucherfallen, wenn zum Beispiel bei Handyverträgen oder anderen Abonnement-Angeboten mit scheinbar günstigen Abschlüssen geworben werde, dann aber hohe Folgekosten entstehen. Da würden aus anfangs „9,90 Euro pro Monat“ ganz schnell 58 Euro.

Christina Kuhn warnte vor Spontankäufen. Stattdessen solle man sich fragen: „Will ich das wirklich?“ Kuhn verwies auf die in der Regel zweiwöchigen Widerrufsrechte und riet, auf Kündigungsfristen zu achten, eigene Daten nicht zu schnell preiszugeben und sich im konkreten Fall beraten zu lassen.

Vielen war neu, dass auch am Telefon oder an der Haustür geschlossene Verträge ohne Unterschriften bindend sind, aber ein Widerrufs- und bei entsprechenden Hinweisen ein Rückgaberecht besteht. Ein Rückgaberecht gebe es bei direkten Käufen in Geschäften nicht, hier sei der Käufer auf Kulanz angewiesen.

Eindringlich warnte Christina Kuhn ihre Zuhörer vor Betrügern, vermehrt auch unter eigenen Landsleuten. Oder wenn zwielichtige Banken scheinbar kostenfreie Kreditkarten anböten, die aber eine teure Clubmitgliedschaft voraussetzen. Zu dem unbedingt dafür nötigen monatlichen Einkommen zähle nur Arbeitseinkommen, nicht das Geld von Sozialamt oder Jobcenter oder Kindergeld. Deshalb sei die Ausgabe von Kreditkarten an Flüchtlinge untersagt. Aber auch die Verwendung von Girokarten sei verführerisch. Bei Kontounterdeckung entstünden hohe Gebühren und mit der Einschaltung von Inkassounternehmen bei häufig sehr kurzen Fristsetzungen zusätzliche Kosten. „Schulden werden in Deutschland nicht vergessen!“, sagte Kuhn. „Forderungen haben drei Jahre lang Gültigkeit, bei einem „Gerichtstitel“ sogar bis zu 30 Jahre. Und Monat für Monat laufen Verzugszinsen auf.“ Und wer in der „Schufa-Datenbank“ als Schuldner stehe, finde keine Wohnung.

Als Verbraucherfalle sieht Christina Kuhn auch die Energiekosten im Haushalt. Leistungsempfänger erhielten pauschale Mietzuschüsse. Überhöhter Verbrauch bei Wasser, Strom und Gas führten aber in der Jahresabrechnung eventuell zu Nachforderungen, die jeder Haushalt selbst zu tragen habe.

Die Referentin riet zum Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung. Die Verbraucherzentralen geben auch wertvolle mehrsprachige Tipps auf ihrer Internetseite und in Broschüren, die bei vielen Verbrauchernetzwerken und Helferkreisen zu haben sind. jw

Weitere Infos unter

www.verbraucherzentrale-hessen.de.

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