Über die Auszeichnung freuten sich die Repräsentanten des Lahn-Marmor-Museums mit Vertretern der überregionalen Behörden und Verbände.
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Über die Auszeichnung freuten sich die Repräsentanten des Lahn-Marmor-Museums mit Vertretern der überregionalen Behörden und Verbände.

Polit-Prominenz in Villmar

"Nur als Teil eines Netzwerks sind wir stark"

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
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Lahn-Marmor-Museum als Objekt der Industriekultur Mittelhessen ausgezeichnet

Zum fünften Geburtstag hat das Lahn-Marmor-Museum Villmar ein ganz besonderes Geschenk erhalten: Das Regionalmanagement des Gießener Vereins Mittelhessen zeichnete das Museum als eines von 28 Objekten der Industriekultur Mittelhessen aus. Damit gehört das Lahn-Marmor-Museum einem weiteren überregionalen Netzwerk an, nachdem es bereits vor Jahren zum Geopunkt des Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus und mit dem Unica-Bruch zum Nationalen Geotop erklärt worden war. Nach der Corona-Pause öffnet das Museum morgen, Sonntag, 5. Juni, wieder seine Pforten für Besucher.

Eine schlichte kleine Tafel vor dem Eingang des Museums öffnet die Welt zu einer Fülle von Informationen über die Industriekultur zwischen Marburg und Limburg, erläuterte Projektleiter Manuel Heinrich vom Regionalmanagement Mittelhessen bei der Übergabe der Auszeichnung. Die Tafel enthält einen sogenannten QR-Code, mit dem Smartphone-Nutzer einen weiterführenden Link zu einer Website und einer neuen App mit Erläuterungen erhalten. Darin wird über das Lahn-Marmor-Museum ebenso informiert wie beispielsweise über das Stufenkraftwerk in Bad Camberg, die Hammermühle Oberselters, die Christianshütte in Schupbach, das Bahnausbesserungswerk in Limburg oder auch die Steedener Eisenbahnbrücke und den Weilburger Schiffstunnel. Die App, so Heinrich, sei eine moderne, vor Vandalismus geschützte "Informationstafel für die Hosentasche", die die Industriekultur der Region sichtbar macht. Seine Wurzeln habe das Projekt Industriekultur als "thematisches Dach für die Region Mittelhessen" in einem Seminar, das vor Jahren Prof. Otto Volk an der Philipps-Universität Marburg gehalten habe.

Über die Auszeichnung freuten sich die Vertreter des Lahn-Marmor-Museums Villmar, die darin eine Bestätigung ihrer Arbeit sahen. Die Vorsitzende des Fördervereins Ursula Alban erinnerte an die Entdeckung des "Schatzes Unica-Bruch" in den 80er Jahren, die Gründung des Vereins Lahn-Marmor-Museum 1997 mit heute 220 Mitgliedern und 50 Aktiven und schließlich den Bau des Lahn-Marmor-Museums am Villmarer Bahnhof vor fünf Jahren. In der Auszeichnung sah Alban eine Würdigung des ehrenamtlichen Engagements seiner Mitglieder, die mehrere tausend Arbeitsstunden beim Bau des neuen Museums geleistet hätten. "Wir sind stolz auf das, was wir hier geschaffen haben", sagte sie.

Partnerschaften zu vielen Museen

Der Vorsitzende der Stiftung Lahn-Marmor-Museum, Villmars Altbürgermeister Hermann Hepp, freute sich darüber, dass das Museum heute von der Bevölkerung gut angenommen werde, nachdem es in der Planungsphase "viel Gegenwind" gegeben habe. Mit Blick auf die Auszeichnung als Objekt der Industriekultur Mittelhessen sagte Hepp: "Wir sind nur stark, wenn wir vernetzt sind." Touristen, die das Lahn-Marmor-Museum aufsuchen, nutzten auch die Gelegenheit zu einem Besuch der Burg Runkel, des Weilburger Schlosses oder der Kubacher Kristallhöhle.

Auf die überregionale Vernetzung des Villmarer Museums machte der Vorsitzende des Stiftungsbeirats Rudi Conrads aufmerksam. Es sei nicht nur eines von zehn Geopark-Zentren, sondern pflege auch Partnerschaften zum Senckenberg-Museum Frankfurt, zum Ruhr Museum in Essen oder auch zum Marmor-Museum in Reims (Frankreich). Als Mitglied im Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz erreiche das Lahn-Marmor-Museum bis zu 30 000 Menschen in der ehemaligen Preußischen Rheinprovinz, sagte Conrads.

Um das Thema Marmor touristisch noch weiter zu erschließen, sei derzeit eine Verlängerung der Lahn-Marmor-Route von Wetzlar nach Balduinstein geplant. Dort werden die Besucher unter anderem erfahren, dass die Pferdetröge im Marstall von Schloss Schaumburg aus Lahn-Marmor gefertigt wurden. Conrads zeigte sich stolz darauf, dass das Lahn-Marmor-Museum inzwischen als überregionales "Kompetenzzentrum" wahrgenommen werde, wie Anfragen unter anderem von der Kathedrale im englischen Canterbury zeigten.

Einmalig: Geopark

der Rohstoffe

Der Villmarer Beigeordnete Dieter Scheu (CDU) erinnerte daran, dass Abbau und Verarbeitung von Lahn-Marmor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region gewesen und heute eine Attraktion für Touristen sei. Dies betonte auch der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Limburg-Weilburg Diez, Lars Wittmaack. Für Touristen sei es wichtig, dass sie etwas über die Vergangenheit ihrer Urlaubsregion erfahren. Da sei das Netzwerk Industriekultur Mittelhessen ein wichtiger "niedrigschwelliger" Einstieg. Karl Eckart Mascus, Leiter des Amtes für den Ländlichen Raum, ergänzte: "Als Besucher braucht man Informationen, um ein Erlebnis zu haben."

Der Geopark Westerwald-Lahn-Taunus, so dessen Fördervereinsvorsitzender Knut Rehn, sei ein Netzwerk, das sich über vier Landkreise erstreckt. Dieser "Geopark der Rohstoffe" sei einmalig in Deutschland. Prägend sei der Bergbau gewesen, dem viele Unternehmen der Region, von der Schlosserei bis zum Zimmermannsbetrieb, ihre Existenz zu verdanken hätten. Von einer "tollen Bildungs- und Wirtschaftsregion" sprach der Vorsitzende des Vereins Mittelhessen, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Er wies auf die vielen Ehrenamtlichen hin, "die sich mit Herzblut engagieren." Rolf Goeckel

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