Stürmische Debatte über Windkraft

  • vonRobin Klöppel
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Sehr hitzig und emotional wurde teilweise auf Einladung des Marktfleckens Villmar und des Bürgerforums „Energieland Hessen“ in der Villmarer König-Konrad-Halle über die Vor- und Nachteile von Windkraftanlagen diskutiert. Das Bürgerinteresse war groß, leidenschaftliche Windkraftunterstützer und -gegner lieferten sich harte Wortduelle.

Benjamin Dannemann von der Agentur für Erneuerbare Energien meinte in seinem Schlussstatement, dass er es für zu einfach halte, zu sagen, man sei für oder gegen Windkraft. Denn es gebe sowohl gute Argumente dafür wie dagegen. Dr. Justus Brans vom Hessischen Wirtschaftsministerium berichtete, dass ihn die Motivation in Sachen Energiewende treibe, etwas gegen schädliche Umwelteinflüsse und den Klimawandel zu tun. Ziel sei es, auf zwei Prozent der hessischen Flächen Windkraftanlagen zu schaffen. Derzeit würden bereits 780 Anlagen stehen. 2000 sollten es werden. Brans sagte, jeder müsse seinen Beitrag zur Energiewende leisten. Ihm sei klar, dass Deutschland alleine den Klimawandel nicht hinbekomme. Er findet aber, dass Deutschland als Vorreiter mit gutem Beispiel vorangehen solle. Anja Hentschel von der Uni Kassel meinte, wenn Bürger und Kommunen Einwände gegen Windkraft an bestimmten Standorten hätten, sollten sie diese schon auf Regionalplanungsebene Mittelhessen beim Regierungspräsidium Gießen vortragen. Laut Hentschel wird der nach Einsprüchen überarbeitete Regionalplan Erneuerbare Energien Mittelhessen mit den Windkraftvorrangflächen noch im zweiten Halbjahr 2014 offengelegt. Derzeit werde sich in Gießen mit den Auswertungen einiger eingeholter

Gutachten

befasst. Stefan Franzen von der Uni Aachen bezeichnete die Gegend um Villmar als ein Schwachwindgebiet. Doch gebe es mittlerweile Anlagen, die auch mit schwächerem Wind mit Gewinn arbeiteten.

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Vor dem Bau einer Windkraftanlage müsse aber für jeden einzelnen Standort ein

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vom Betreiber erstellt werden, das aufzeige, ob sich an diesem Ort der Betrieb einer Anlage überhaupt lohne. Winfried Klein von der örtlichen Bürgerinitiative gegen den Windwahn hält das Geschäft mit Windkraft für einen großen Schwindel. Die einzigen, die daran verdienten, seien über die Subventionen die Betreiber. AAV-Fraktionsvorsitzender Axel Paul ärgerte sich darüber, dass die Windkraftgegner sich geweigert hätten, sich offiziell am Podium zu beteiligten und scheinbar lieber aus dem Hintergrund agierten. Franzen entgegnete Klein, dass die Technologie sich weiterentwickele und künftig auch ohne Subventionen konkurrenzfähig sein werde.

Dannemann meinte, die Wertschöpfung einer Anlage in 20 Jahren betrage 2,83 Millionen Euro. 70 Prozent der Gewerbesteuer blieben in der Gemeinde. Zudem könnten die Kommunen auf eigenen Flächen mit Pachteinnahmen von im Schnitt 14 250 Euro im Jahr pro Anlage rechnen. Karl Aumüller äußerte, die Kommunen würden denken, sie könnten mit der Windkraft das schnelle Geld machen. Doch oft würden Gewinnprognosen nicht stimmen. Dannemann widersprach und sagte, die Zahl der Insolvenzen bei Windkraftanlagen liege unter einem Prozent.

Eingriffe in die Natur

Der Villmarer Haupt- und Finanzausschussvorsitzende Ludger Behr (CDU) erklärte, bei einem Gesamthaushaltsvolumen von 13 Millionen Euro im Jahr seien Einnahmen von 10 000 Euro es ihm nicht wert, für Windkraftanlagen einen einzigen Baum fällen zu lassen. Dr. Claus Mücksch vom Büro für Landschaftsökologie sagte, dass die Schaffung von Windkraftanlagen immer mit Eingriffen in die Natur verbunden sei. Ob mehr dafür oder dagegen spreche, hänge vom konkreten Standort ab. Aber auch Wald sei nicht immer gleich Wald und ein monotoner Fichtenbestand weniger erhaltenswert als ein Altholzbestand. Natürlich müsse auch auf seltene Vögel geachtet werden. Aber auch hier müsse der Einzelfall betrachtet werden. Denn der Aktionsradius eines Rotmilans um seinen Horst hänge vom bestehenden Futterangebot ab. Hermann Maxeiner vom BUND-Kreisvorstand hält die mit Windkraft verbundene Waldrodung in ihrer Größe für unproblematisch. Für fünf Anlagen in Kirberg würden beispielsweise 1,6 Hektar Fläche für die Anlagen und weitere 0,9 Hektar für die Zuwegungen benötigt. UFBL-Fraktionsvorsitzender Jürgen Schmidt zweifelte an, ob ein von einem Windkraftbetreiber in Auftrag gegebenes

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zu einem neutralen Ergebnis kommen könne. Mücksch meinte aber, dass er keinen Gutachter kenne, der bewusst falsche

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erstelle. Zu Schmidts Nachfrage, was mit überzähligem Strom geschehe, antwortete Dannemann, dass die Netzbetreiber zum Anschluss der Anlagen verpflichtet seien. Hierdurch kämen keinerlei Kosten auf die Gemeinde zu. Aumüller meinte, die Planungen für den Villmarer „Galgenberg“ müssten schon längst im Papierkorb liegen, denn dort existierten nachweislich mehrere Rotmilan-Brutorte. Dieter Stahl, Kreisvorsitzender der HGON, zeigte sich erstaunt, wie schlecht das Regierungspräsidium scheinbar über Rotmilan- und Schwarzstorchvorkommen informiert sei. Brans fragte die Gegner, ob sie denn an Kernenergie und Kohlekraft festhalten wollten. Die Bedenken eines Bürgers wegen Infraschall nahm er aber ernst. Dessen Auswirkungen würden weiter untersucht, versicherte er.

(rok)

Inzwischen gibt es neuen Ärger um die Windkrafträder. Die Kontrolle von Vogelnestern sorgt bei Windkraftgegnern für Unmut.

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