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Villmar: Arbeitsplätze schaffen und den Ort attraktiver machen

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Carlos Merz (links) wünscht sich mehr Biodiversität, die Sicherung von Arbeitsplätzen und eine Aufwertung von Weyer.
Carlos Merz (links) wünscht sich mehr Biodiversität, die Sicherung von Arbeitsplätzen und eine Aufwertung von Weyer. © Kerstin Kaminsky

Investor Merz stellt Vorzüge eines Golfplatzes vor

Weyer -Bei ihrer Sitzung am Donnerstag, 7. April, soll die Villmarer Gemeindevertretung über eine Änderung des Regionalplans für den Ortsteil Weyer entscheiden. Dabei steht die Umwidmung von 25 Hektar landwirtschaftlicher Fläche als Vorranggebiet für den Sport- und Freizeitbereich an.

Bei der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstagabend in der Volkshalle Weyer, zu der sich mehr als 80 interessierte Bürgerinnen und Bürger eingefunden hatten, präsentierte Carlos Merz die Idee eines naturnahen Golfplatzes, den er zusammen mit etwa 15 anderen Investoren verwirklichen möchte.

"Weil die Infrastruktur im Ort vorhanden ist, brauchen wir keine Halle und kein Restaurant, sondern lediglich einen Holzständerbau als Wetterschutz und für den Sanitärbereich", erklärte er. Neben der Schaffung artenreicher Lebensräume für mehr Biodiversität erachtet er die Umwandlung der hanglagigen Äcker in Grünflächen als nützlich für den Hochwasserschutz. Merz erinnerte an die schlimmen Folgen eines Wolkenbruchs im Frühsommer 2016, als das Wasser ungebremst in die Ortslage von Weyer schoss. Zudem verwies er auf die günstigere Düngebilanz einer naturnahen Golfanlage im Vergleich zur intensiven Landwirtschaft. Eine attraktive Sport- und Freizeiteinrichtung könne junge Leute zum Zuzug nach Weyer bewegen, sichere Arbeitsplätze im Wissegiggl und dem Carolinger Hüttendorf und trage positiv zur Außenwirkung der Gemeinde Villmar bei. Der auf die Planung naturnaher Golfplätze spezialisierte Landschaftsarchitekt Achim Reinmuth erläuterte seinen Entwurf: Die Neun-Loch-Golfanlage ziehe sich entlang eines feuchten Grabens und liege weitgehend im Bereich der historischen Grube "Alte Hoffnung". Die Hanglage sei durch verschiedene Gestaltungsebenen abgesichert, ein Teich am unteren Ende diene auch dem Hochwasserschutz. Nur etwa die Hälfte der Fläche würde intensiv genutzt, etwa elf Hektar Rough-Areale blieben weitgehend naturbelassen. Hier sollen blütenreiche Flächen, Streuobstwiesen oder vielfältige Uferstrukturen entstehen.

Betrieb von März bis Oktober

Floristische und faunistische Untersuchungen sind für das laufende Jahr geplant. Besonders wichtig ist ein Gutachten zum Wasservorkommen im Bereich des Platzes. "Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir dort Brunnen finden", so Merz. Für die Bewässerung veranschlagt er bis zu 8000 Kubikmeter, die aber an gleicher Stelle in den natürlichen Kreislauf zurückfließen. Sollte es an dieser Stelle kein ausreichendes Wasser geben, ließe sich das Projekt nicht realisieren.

Die Golfanlage würde zwischen Mitte März und Mitte Oktober bespielt. Angedacht sind dauerhafte Kreuzwege, die auch im Winter für Fußgänger nutzbar sind. "Eines meiner großen Ziele neben der Biodiversität ist es, die Wanderwege in Weyer in Ordnung zu bringen", so Merz. Auf die Kritik von Anwohnern hin hatte Merz am Vortag der HFA-Sitzung den Verkehr zwischen 6 und 22 Uhr in der Untergasse/Wiesenstraße zählen lassen. Obwohl an diesem Tag drei Trainingseinheiten auf dem Sportplatz stattfanden und aufgrund des Wetters viele Kinder mit dem Auto zur Kita gebracht wurde, ergab das Mittel lediglich 16 bis 20 Fahrzeuge pro Stunde. Merz geht von einer Mehrbelastung durch die Golfer von fünf Fahrzeugen pro Stunde aus.

In Anschluss an die Präsentation konnten die Zuschauer Fragen stellen. Kann die Renaturierung des Bachlaufs in das Projekt eingezogen werden? Müssen Ausgleichsflächen geschaffen werden oder erzielt das Projekt sogar Ökopunkte? Wer übernimmt die Haftung, wenn etwas passiert? Auch auf die Frage, wo und wann Brunnen gebaut würden, hatte Merz eine Antwort: "Wir sind zuversichtlich, im Verlauf der alten Stollen auf Sickerwasser zu stoßen."

Ob bereits alle 28 Grundstücksbesitzer ein positives Signal gegeben hätten und wie das mit dem Rückbau im Falle einer Insolvenz sei, wurde ebenfalls besprochen.

Besorgte Mütter hinterfragten die Verkehrs- und Parksituation und ob durch den Golfplatz die Möglichkeit zu Spaziergängen in der Natur eingeschränkt würde. Zudem kam die Frage auf, ob Rehe und Füchse durch die Bauarbeiten dauerhaft vertrieben würden. "Die Erdarbeiten brauchen nur zwei bis drei Monate. Allerdings braucht der Rasen viel Zeit zum Wachsen", antwortete der Architekt. Riesige LKW seien nicht zu befürchten, da auf einem naturnahen Golfplatz die Verdichtung des Bodens vermieden wird.

"Selbst wenn das Gemeindeparlament am 7. April eine Änderung des Regionalplans befürwortet, heißt das nicht, dass hier tatsächlich ein Golfplatz entsteht", erklärte Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU).

Sollte das Projekt scheitern, kann eine Vorrangfläche für den Sport- und Freizeitbereich selbstverständlich weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden.

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