Vor dem Lockdown: Reitunterricht auf dem Weidenhof.
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Vor dem Lockdown: Reitunterricht auf dem Weidenhof.

Reiterhöfe in der Krise

Villmar/Beselich:Lockdown geht Reiterhöfen an die Substanz

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
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Kaum Einnahmen, aber weiterhin hohe laufende Kosten

Villmar/Schupbach -Für etliche Reiterhöfe im Nassauer Land nimmt der seit November geltende Lockdown infolge der Coronakrise existenzbedrohende Ausmaße an. Zwar ist das Reiten nicht grundsätzlich verboten, doch der Reitunterricht für Kinder sei laut einer Anordnung der Reiterlichen Vereinigung nicht mehr zulässig, berichten Gabriele Sobotta vom Schupbacher Weidenhof und Katja Istel vom Heidehof in Villmar.

Bereits während des ersten Lockdowns vor knapp einem Jahr habe der Heidehof sehr gelitten, berichtet Istel. "Der Sommer war dann aber relativ normal." Die Schließung im Herbst sei dann "heftig" gewesen. "Die finanziellen Folgen sind enorm", sagt Istel. "Wir haben schließlich keine Fitnessgeräte, die man einfach stehen lässt, sondern Lebewesen, bei denen man nichts einsparen kann. Die Kosten sind exakt gleich geblieben, die Einnahmen aber nicht." Vor allem der stark gestiegene Preis fürs Heu sei eine große Belastung, so die Heidehof-Eigentümerin, die neun Ponys im Stall stehen hat und versorgen muss. Neben den Kosten fürs Heu muss sie außerdem Kraftfutter, den Hufschmied und die Versicherung aufbringen. "Zum Glück habe ich Rücklagen", sagt Katja Istel. Und auch die 15 Pensionspferde, die bei ihr untergebracht sind, bilden ein verlässliches finanzielles Fundament. Dennoch fehlten ihr einige tausend Euro - jeden Monat im Lockdown.

Eltern leisten Unterstützung

Die Familie Istel mit ihren fünf Kindern lebt derzeit vor allem vom Gehalt ihres Ehemannes, der als Angestellter tätig ist. "Sonst wäre die Reitschule schon längst am Ende, und ich hätte die Ponys verkaufen müssen", sagt Katja Istel.

Unterstützung leisten auch viele Eltern der mehr als 100 Reitschülerinnen und Reitschüler des Heidehofs, die immer wieder mit Futterspenden aushelfen. "Es tut einfach gut, dass man nicht ganz alleine ist", so Katja Istel. Aufgeben kommt für die Unternehmerin dennoch nicht in Frage. Zumal sie die Hoffnung hat, dass der Schulbetrieb auf dem Heidehof schon bald wieder aufgenommen werden kann. "Ich warte sehnlichst auf eine Information der Reiterlichen Vereinigung", so Katja Istel.

Auch auf dem Weidenhof in Schupbach geht der Lockdown an die Substanz, erzählt Gabriele Sobotta, die elf Ponys unterhalten muss. "Für die Kinder ist das sehr traurig", sagt sie. Den sechswöchigen Lockdown im Frühjahr habe der Betrieb "gerade so hinbekommen". Jetzt aber gehe es an die Existenz. "Ich weiß nicht, wie lange wir das noch durchhalten", so Sobotta.

Zwar habe es vergangenen Sommer recht gut ausgesehen, und auch seien Reiterferien mit Hygienekonzept möglich gewesen. Doch habe es weder Hoffeste noch sonstige Veranstaltungen gegeben, die dem Verein Einnahmen gebracht hätten. Derzeit, so Sobotta, sei der Reitunterricht für die Kinder ab sechs Jahre gänzlich zum Erliegen gekommen. Kindern, die auf einer Warteliste stehen, könne sie derzeit keine Zusage geben. Die Kosten für Kraftfutter, Heu, Strom, Wasser und Versicherungen und den Hufschmied liefen weiter, während die Einnahmen auf nur noch die Hälfte geschrumpft seien. "Ohne meinen Ehemann ginge der Weidenhof den Bach runter", sagt Sobotta.

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