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Villmar: Bis zum Zuchtbullen ist es ein langer Weg

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Von: Klaus-Dieter Häring

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Die Aufzucht von Rindern gehört zu den Hobbys von Dr. Jürgen Reichwein auf seinem Traisfurther Hof.
Die Aufzucht von Rindern gehört zu den Hobbys von Dr. Jürgen Reichwein auf seinem Traisfurther Hof. © Klaus-Dieter Häring

Rinderhalter treffen sich auf dem Traisfurther Hof, um sich auszutauschen

Villmar -Wer am Wochenende aus Richtung Villmar in Richtung Aumenau unterwegs war, der sah schon von Weitem den voll belegten Parkplatz am Anwesen des Gladbacher Hofs. Grund für den Betrieb waren die Öko-Feldtage, die dort abgehalten wurden und über 15000 Menschen aus ganz Deutschland anlockten.

Wer es etwas gemütlicher, aber nicht weniger interessant haben wollte, der musste die Einfahrt auf der anderen Straßenseite nutzen und den Weg zum Traisfurther Hof einschlagen. Dorthin hatte der Besitzer des historischen Anwesens, Dr. Jürgen Reichwein, Züchter der Rinderrasse Blonde d' Aquitaine eingeladen, um sich bei Fachgesprächen über den Stand der Aufzucht dieser speziellen Rinderrasse zu informieren, die in seinem Stall und auf seinen Weiden steht.

"Eine spezielle Rinderrasse aus Südfrankreich, die erst in den 1960er Jahren als Rasse anerkannt wurde", war von Zuchtleiter Jost Grünhaupt zu erfahren. Auch, dass Dr. Jürgen Reichwein bundesweit einer der aktivsten Züchter dieser Rasse sei und in unregelmäßigen Abständen zu diesem gemeinsamen Austausch einlade.

Die Züchter nahmen für diesen Tag weite Anreisen auf sich. Unter den Teilnehmern waren Züchter aus Kassel und dem Odenwald, die sich zu Beginn auf dem historischen Hof, der im Jahr 1053 zum ersten Mal erwähnt wurde, umsahen.

Seit dem Jahr 1990 ist der Hof mit seinen damals 3,5 Hektar Grünland und 12 Hektar Ackerland im Besitz von Dr. Jürgen Reichwein. Durch sukzessiven Zuerwerb von Flächen sowie Zukauf und Zupacht ist die landwirtschaftliche Nutzfläche auf 18,5 Hektar Grünland und 68 Hektar Ackerland angestiegen.

Ganze Herde basiert auf drei Kühen

Wichtig war aber für die Besucher der Viehbestand, der aus 35 Mutterkühen und zwei Zuchtbullen besteht und derzeit zum größten Teil auf den Weiden zu finden ist. "Keine Milchrinder", sagte Dr. Jürgen Reichwein über seine Tiere, die zeitaufwendig seien. Denn bevor die Tiere für die Zucht prädestiniert seien, müssten sie ein Gewicht von 500 bis 550 Kilogramm auf die Waage bringen.

Die ganze Herde basiere auf drei Kühen, die 1989 im Béarn im Südwesten Frankreichs erworben worden seien. Alle drei Kühe hätten mit ihren unterschiedlichen Merkmalen gute Muttereigenschaften gehabt, wie Fruchtbarkeit und Kalbeverhalten, so Reichwein. Oberstes Ziel bei der Mutterkuhhaltung sei die Kalbung ohne Hilfe. Eine Kuh, die aufgrund ihrer anatomischen Verhältnisse zu Schwerkalbungen neige, sollte nicht zur Nachzucht verwendet werden. Ein Bulle, der zu schwere Kalbungen verursache, dessen Nachkommen schon bei der Geburt Muskelansätze zeigten, sei von der Zucht auszuschließen. Komme es zu Nachkommen, werde ein Teil der besten Nachkommen zur Zucht verkauft, der andere werde im eigenen Bestand remontiert, war weiter bei dem Treffen zu erfahren.

Nicht zur Zucht geeignete Tiere werden, männlich wie weiblich, gemästet und entweder auf dem Weg der Selbstvermarktung oder von einem nahen, qualitätsbewussten Metzger geschlachtet. Es erfolge kein Verkauf von minderwertigen Tieren an Händler.

Auch wird in der bereitgestellten Broschüre über den Betrieb ein Ausblick in Sachen Weidetierhaltung gemacht. Hier angesprochen die zunehmende Wolfspopulation. Die Weidetierhaltung wird demnach maßgeblich davon abhängen, ob die politisch Verantwortlichen auch bezüglich des Wolfsmanagements sich zu einer Zeitenwende, also zu einer gezielten Bestandsregulierung entschließen können.

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