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Villmar: Der lange Weg zur Krippen-Erweiterung

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Von: Rolf Goeckel

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Im Erdgeschoss des ehemaligen Schwesternwohnheims in Villmar ist seit 2010 eine Kinderkrippe untergebracht. Im Zuge einer umfassenden Sanierung des historischen Gebäudes soll die Krippe erweitert werden.
Im Erdgeschoss des ehemaligen Schwesternwohnheims in Villmar ist seit 2010 eine Kinderkrippe untergebracht. Im Zuge einer umfassenden Sanierung des historischen Gebäudes soll die Krippe erweitert werden. © Robin Klöppel

Gemeindevertretung stimmt demnächst über Sanierungslösung im ehemaligen Schwesternhaus ab

Villmar -Seit rund anderthalb Jahren steht die Schaffung zusätzlicher Kinderkrippen-Plätze in der Gemeinde Villmar zur Diskussion. Dabei geht es um die Frage, ob die bestehende katholische Kinderkrippe im ehemaligen Schwesternhaus saniert und erweitert werden soll oder der Marktflecken einen Anbau an den kommunalen Kindergarten in der Ferdinand-Dirichs-Straße errichtet. In der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung am 4. November könnte das Thema Kinderkrippe zu einem Abschluss kommen. Dann wird das Parlament über eine Beschlussempfehlung des Haupt- und Finanzausschusses abstimmen, wonach ein Haushaltssperrvermerk über 340 000 Euro für die Erweiterung der katholischen Kinderkrippe aufgehoben werden soll. Sobald der Beschluss gefasst ist, wäre der Weg frei nicht nur für die Krippen-Erweiterung, sondern auch für die geplante Sanierung des gesamten zweieinhalbstöckigen Gebäudes.

Das frühere Schwesternwohnheim, in dem schon in den 90er Jahren erstmals eine Kindergartengruppe untergebracht war, ist Eigentum der katholischen Kirche und seit Jahren dringend sanierungsbedürftig; vor allem Dach und Heizung müssen erneuert werden. Seit dem Jahr 2010 dienen Räume im Erdgeschoss des Gebäudes, das Teil eines unter Denkmalschutz gestellten Ensembles ist, als eingruppige Kinderkrippe mit einer Betreuungskapazität von bis zu zwölf Plätzen. Konnten die Krippenplätze in der Anfangszeit zunächst gar nicht vollständig belegt werden, so übersteigt die Nachfrage inzwischen das Angebot bei weitem. "Die Warteliste für Eltern ist lang", beschreibt Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU) die Situation. Und der Bedarf werde noch steigen. Deshalb müsse die Gemeinde möglichst zügig für zusätzliche Krippenplätze sorgen, zumal Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf Betreuung haben. Die Schaffung von Krippenplätzen sei ganz klar eine kommunale Pflichtaufgabe, so Rubröder.

Nutzungsrecht über 25 Jahre

Nach aktueller Planung soll die bestehende Kinderkrippe im ehemaligen Schwesternwohnhaus um eine zweite Gruppe auf 24 Krippenplätze erweitert werden. Dafür zahlt die Gemeinde Villmar der katholischen Kirche einen Baukostenzuschuss von knapp 340 000 Euro und erwirbt dafür ein Nutzungsrecht über 25 Jahre. Dazu kommen die laufenden Betriebs- und Unterhaltungskosten, die ebenfalls von der Gemeinde zu zahlen wären. Betreiberin der Einrichtung soll wie bisher auch die katholische Kirchengemeinde bleiben. Für den Ortsausschussvorsitzenden der katholischen Kirchengemeinde Dr. Bernold Feuerstein ist das Angebot des Bistums "konkurrenzlos günstig". "Jede andere Kommune würde sich danach die Finger lecken", sagte er dieser Zeitung. Denn: "Sämtliche Gemeinschaftsräume, wie Essraum, Küche oder Schlafraum, sind bereits vorhanden und müssen nicht erst neu geschaffen werden."

Den Kostenvorteil des kirchlichen Angebots sieht auch der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses Andreas Götz (CDU). Ein Anbau an den Gemeindekindergarten würde nach einer aktuellen Schätzung knapp 938 000 Euro kosten. Hinzu käme der Faktor Zeit: Um einen Neubau zu realisieren, würden bis zu fünf Jahre ins Land gehen - ein langer Zeitraum, in dem die Gemeinde Villmar ihrer Pflichtaufgabe nur unzureichend nachkommen würde. Die Erweiterung der bestehenden Krippe soll hingegen bereits eineinhalb Jahre nach dem Beschluss der Gemeindevertretung möglich sein.

Der Vorteil eines Neubaus läge allerdings darin, dass die Gemeinde Villmar Eigentum erwerben und nicht nur ein zeitlich begrenztes Nutzungsrecht schaffen würde. Andererseits würde sich die Kommune auch selbst beschneiden, gibt Götz zu bedenken. Denn das Gelände, auf dem der Anbau errichtet würde, stünde für eine eventuell anstehende Erweiterung der Kindertagesstätte nicht mehr zur Verfügung. Diese könnte aber notwendig werden, wenn weitere Kindergartenplätze (Ü 3) benötigt werden. Damit, so Götz, müsse durchaus gerechnet werden, wenn junge Familien in das geplante Villmarer Neubaugebiets Arfurter Berg/Lamboiswies ziehen.

Nicht alle Gemeindevertreter sind vorbehaltlos glücklich mit der sich anbahnenden Erweiterungslösung im alten Schwesternhaus. So hatte die SPD die Idee ins Spiel gebracht, mit Hilfe sogenannter "Schäferwagen" rasch und kostengünstig Betreuungsraum zu schaffen. Eine Idee, die laut Götz aber zumindest für die unter Dreijährigen inzwischen vom Tisch sein dürfte. Mit Blick auf Kinder über drei Jahre will die SPD zur nächsten Parlamentssitzung immerhin einen Prüfauftrag für den Gemeindevorstand einbringen.

Skeptisch sieht die Erweiterungspläne neben der UFBL-Fraktion beispielsweise auch Gertrud Brendgen von der AAV-Fraktion. "Wir investieren in ein Gebäude, das der Kirche gehört", sagt sie. "Was passiert denn, wenn das Nutzungsrecht nach 25 Jahren abgelaufen ist?" Brendgen würde deshalb "Kombilösungen" mit bestehenden Kindertagesstätten der Gemeinde bevorzugen. So könne sie sich vorstellen, dass die ehemaligen Räume der Feuerwehr in Weyer zu einer Kinderkrippe umfunktioniert werden.

Das ist im ehemaligen Schwesternhaus geplant

Das ehemalige Schwesternhaus auf dem Gelände des historischen Pfarrhofs in Villmar gilt schon seit Jahren als Sanierungsfall. Vor mehreren Jahren bereits hat das Bistum der damals noch selbstständigen katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul zugesagt, das Gebäude - ebenso wie das Pfarrhaus - zu sanieren. Nachdem die Entscheidung gefallen war, dass nicht Villmar, sondern Niederbrechen der Sitz der neuen Pfarrgemeinde Heilig Geist Goldener Grund Lahn sein wird, zog das Bistum seine Sanierungszusage zurück. Das Pfarrhaus wurde an den Marktflecken Villmar verkauft, das Schwesternhaus blieb bei der katholischen Kirchengemeinde und soll nun saniert werden.

Den Kostenaufwand bezifferte der Architekt Markus Bardenheier mit knapp 1,9 Millionen Euro. Davon soll das Bistum 82 Prozent und der Marktflecken Villmar 18 Prozent tragen. Während das Erdgeschoss mit einer Fläche von 215 Quadratmetern als Zwei-Gruppen-Kinderkrippe genutzt wird, sollen die zurzeit noch leerstehenden Räume im ebenso großen ersten Stockwerk unter anderem von der Katholischen Öffentlichen Bücherei belegt werden, die derzeit in einem Nebengebäude des Pfarrhofs untergebracht ist und aus allen Nähten platzt. Außerdem sollen Büros und das Pfarrarchiv im ersten Stock Platz finden, ebenso ein Besprechungsraum, der sowohl von der Kirchengemeinde als auch von der Kita genutzt werden kann.

Da das frühere Schwesternhaus im Ensemble mit den benachbarten Gebäuden unter Denkmalschutz steht, darf die Fassade nicht verändert werden. Dies gilt allerdings nicht für die Innenräume; hier ist das Bistum in der Gestaltung völlig frei, so der Ortsausschussvorsitzende Dr. Bernold Feuerstein.

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