npo_quartettverein_231120
+
Jetzt muss sie noch wachsen: Bernd Schröder, Uwe Brast und Raimund Werner pflanzten eine Linde zur Erinnerung an das Jubiläum des Quartettvereins Villmar.

Feier wird nachgeholt

Villmar: Ein Lindenbaum für den Quartettverein

Wo früher die Gerichtslinde stand, erinnert jetzt ein neuer Baum ans Jubiläum

Villmar -Gerne hätte der Quartettverein Villmar sein 100-jähriges Jubiläum in diesem Jahr ganz groß gefeiert. Geplant waren am ersten Juni-Wochenende ein Akademischer Abend, ein Konzert der A-cappella-Band Maybebop sowie ein Festumzug mit anschließendem Beisammensein im Pfarrgarten. "Leider konnten durch die Pandemie diese Feierlichkeiten nicht stattfinden", bedauert Vorsitzender Raimund Werner. Auch die Verleihung der Zelter-Plakette an den Chor konnte nicht erfolgen werden. Aber dies soll 2021 auf dem Hessentag nachgeholt werden. Auch das Konzert von Maybebop wurde für den 13. Juni 2021 neu terminiert.

Hinweistafel

fehlt noch

Der Verein habe aber noch eine andere Möglichkeit gefunden, mit der das Jubiläum auch für nachfolgende Generationen in Erinnerung bleiben könne, sagt Raimund Werner. In Absprache mit der Gemeinde habe der Quartettverein eine Linde im Pfarrer-Homm-Park pflanzen lassen. Eine entsprechende Hinweistafel zur Erinnerung an das Jubiläum soll noch angebracht werden.

Dass sich Raimund Werner und seine Sänger für eine Linde entschieden haben, hat einen geschichtlichen Hintergrund. "Nach germanischem Recht wurden Gerichtsversammlungen auf einem Versammlungsplatz im Freien unter freiem Himmel durchgeführt. Dieser Versammlungsplatz lag häufig etwas erhöht oder unter einem Baum, einer Gerichtslinde", erklärt Raimund Werner. Die Versammlungsplätze wurden als "Thing" oder "Ding" bezeichnet.

In Villmar fand das "Ding" auf dem Burgplatz neben der Kirche, im heutigen Nikolaus-Homm-Park, statt. "Die hohe und mittlere Gerichtsbarkeit lag in der Hand des Vogtes, die niedere Gerichtsbarkeit in der Hand der Benediktinerabtei St. Matthias zu Trier, die neben der Grundherrschaft auch das Recht besaß, den Vogt einzusetzen", weiß Werner zu berichten. Im 13. und 14. Jahrhundert hätten die Isenburger Vögte Villmar zu einer Festung ausgebaut, "Valstock" genannt. Aus dieser Zeit dürfte auch die dreistöckige Vogteiburg stammen, die auf einem Ortsplan aus der Mitte des 18. Jahrhunderts als "arx vetus" ("Alte Burg") auf dem "Alten Burgplatz" erscheint. Von dieser Burg sind heute nur noch die Grundmauern in der Südwestecke des Parks erhalten.

Die Verbindung von Gericht und Linde lebt übrigens im Sprachgebrauch heute noch fort: "lind" (gelinde) bedeutet "mild" und zeugt von der Hoffnung auf ein mildes Urteil. Das Wort "subtil" stammt vom lateinischen "sub tilia" und bedeutet "unter der Linde", der Platz, an dem Recht gesprochen wurde.

Zeichnung der

historischen Linde

Der Villmarer Bernold Feuerstein hat in der graphischen Sammlung des Frankfurter Städel-Museum Bleistiftzeichnungen des Frankfurter Architektur- und Landschaftsmalers Carl Theodor Reiffenstein (1820-1896) gefunden, die den Flecken Villmar aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Darunter befindet sich auch eine frühe Zeichnung (aus dem Jahr 1843) eines großen Baums vor einer Brüstung und einem Gemäuer im Hintergrund. Dabei dürfte es sich um die Gerichtslinde vor der alten Vogteiburg handeln, bevor in den 1840er Jahren der Burgplatz in einen Friedhof umgewandelt wurde. Auf späteren Zeichnungen von 1864 taucht die Linde nicht mehr auf.

Ein weiteres Indiz für die Existenz der Linde liefert der nach dem Ortsbrand von 1699 durch den Kurtrierer Hofbaumeister Philipp Honorius von Ravensteyn erstellte Bebauungsplan der "Stadt Villmar". Dort ist auf dem Burgplatz nördlich der Burg ein einzelner Baum eingezeichnet, offenbar die Gerichtslinde.

Die vom Quartettverein Villmar gestiftete Winterlinde hat ihren Platz in unmittelbarer Nähe der historischen Gerichtslinde gefunden. Ein benachbarter Baum war der Dürre zum Opfer gefallen und deshalb bot sich die Linde als Ersatzpflanzung an. "Sie möge sich gut entwickeln, bei Veranstaltungen den Besuchern Schatten spenden und die Nachwelt an das Vereinsjubiläum und den historischen Villmarer Burgplatz erinnern", hoffen Raimund Werner und der Quartettverein. Andreas E. Müller

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare