HR-Reporter Benjamin Müller interviewt Marina Schäfer zur Botschaft der "Weißen Rose".
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HR-Reporter Benjamin Müller interviewt Marina Schäfer zur Botschaft der "Weißen Rose".

Aufstehen gegen Hass und Ausgrenzung

Villmar: Ein Meer aus weißen Rosen für mehr Toleranz

Helferkreis und Rockband "4ZimmerKücheBad" drehen Videoclip über Sophie Scholl

Villmar -Angelika Guidry, Erste Vorsitzende des Villmarer Helferkreises (HKV), tanzt mit einer weißen Rose in der Hand zum Song "Ein Meer aus weißen Rosen" der Limburger Rockband "4ZimmerKücheBad", Haiffaa Akeed tut es ihr nach, andere HKV-Mitglieder folgen, auch Kinder und Jugendliche trauen sich. Tobias Biedert, Gitarrist von "4ZKB", filmt die Szenen mit dem Handy.

Die gemeinsame Aktion von Helferkreis und Rockband letzte Woche, auf dem vom HKV mitgenutzten Gelände der Leichtathletikfreunde Villmar, ist Teil eines Projekts des Landkreises Limburg-Weilburg, das die Jugend- und Schulsozialarbeiter des Goldenen Grundes anlässlich des 100. Geburtstages von Sophie Scholl am 9. Mai angestoßen haben. Die "Weiße Rose", eine Widerstandsgruppe gegen die Nazis um die Münchener Studenten Hans und Sophie Scholl, kämpfte mit Flugblättern gegen das Unrecht an, appellierte an die Jugend, aufzustehen für "ein neues geistiges Europa", für "Freiheit und Ehre", wie es im sechsten und letzten Flugblatt der Gruppe vom Februar 1943 heißt. Verrat führte zu ihrer Verhaftung am 18. Februar, schon am 22. Februar 1943 werden sie hingerichtet.

Ein Meer aus weißen Rosen verbildlicht im Videoclip von 4ZKB "die Botschaft des Songs gegen Rassismus und Ausgrenzung und für Toleranz und Menschlichkeit", sagt Tobias Biedert, und erinnert damit an die Zivilcourage der "Weißen Rose" bei ihrem mutigen Eintreten für humanistische Werte, für Freiheit und Demokratie. Das Video dazu soll es vom 30. April an auf Youtube geben. Der Link soll über 4zkb.jimdofree. com zur Verfügung stehen.

Biedert ist im Hauptberuf Diplom-Sozialpädagoge und Lehrer an der Schule im Emsbachtal, bekannt auch als Erfinder des Lernspiels "Demokratie" für Schülerinnen und Schüler. Zusammen mit den Bandmitgliedern Oliver Best, Manuel Schneider und Matthias Krey sind sie "4ZimmerKücheBad".

Auftritte bei

Kundgebungen

Sie nennen ihre deutschsprachige Rockmusik "eine Symbiose aus Rock-, Punk- und hitverdächtiger Popmusik", sind auf Konzertbühnen zwischen Frankfurt und Kassel unterwegs und auch durch diverse Internetauftritte in Live-Streams bekannt. Ihr vielleicht bekanntester Song: "Kein Mensch ist illegal". Ihre Musik verbinden sie mit sozialkritischen und gesellschaftlichen Themen. Deshalb traten sie auch bei "Wir sind mehr" - Kundgebungen in Limburg (2019/2020) auf und machten unter anderem bei der "Mahnwache Seebrücke" im September 2020 in Wiesbaden auf die Flüchtlingslage im Camp Moria aufmerksam, danach in Limburg auf dem Europaplatz bei "Wir haben Platz". Nun also singen sie zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl symbolträchtig: "Die Liebe einer weißen Rose - lass sie leuchten in der Nacht".

"Liebevolles Miteinander wichtig"

Alle genannten Themen beschäftigen auch die Mitglieder und Unterstützer des Helferkreises Villmar. Viele sind zum Aufnahmetermin gekommen, halten einzeln und auf Abstand weiße Rosen in die Kamera, einige singen den Refrain mit: "Sein wir ein Meer aus weißen Rosen, in dem die Zwietracht untergeht, für alle Menschen, die gefloh'n sind, ein Meer, in dem man nicht ertrinkt. Sein wir die Welle, die voran rollt, mit einem tosend lauten Nein, für unsre Freiheit, für den Frieden, für Liebe, Recht und Menschlichkeit."

Auch der Hessische Rundfunk hat seinen Reporter Benjamin Müller geschickt, der mit einem langen Mikrofon in der Hand die großen und kleinen Zuschauer für ein Podcast auf hr4.de interviewt. "Ich möchte alle Leute unterstützen, die gegen Rassismus sind", sagt der 14-jährige Ahmad Ibrahim. "Ein wahnsinnig wichtiges Thema, 'nein!' zu sagen zu Ausgrenzung und Hass", ergänzt Veronika Klum.

Und Marina Schäfer meint: "Gerade in der heutigen Zeit sollten wir viel mehr zeigen, dass Toleranz und ein liebevolles Miteinander wichtig sind." Jürgen Weil

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