Rudolf Conrads (von links) konnte Clemens und Elisabeth Hillebrand und deren Familien begrüßen.. Rechts Angelika Meuser, die als Bürokraft Hillebrands Sütterlin-Briefe entschlüsseln musste.
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Rudolf Conrads (von links) konnte Clemens und Elisabeth Hillebrand und deren Familien begrüßen.. Rechts Angelika Meuser, die als Bürokraft Hillebrands Sütterlin-Briefe entschlüsseln musste.

Ausstellung im Lahn-Marmor-Museum

Villmar: Ein Meister im Schlagen des Marmors

  • VonRobin Klöppel
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"Erzählcafé" anlässlich der Sonderausstellung mit Werken von Elmar Hillebrand

Villmar -Eine Sonderausstellung im Villmarer Lahn-Marmor-Museum, die noch bis Ende Oktober zu sehen ist, widmet sich dem Wirken des vor fünf Jahren im Alter von 90 Jahren verstorbenen Kölner Bildhauers Elmar Hillebrand.

Hillebrand war zu seiner aktiven Zeit regelmäßig in Villmar zu Gast, weil er eng mit dem dortigen Steinmetzbetrieb Engelbert Müller zusammenarbeitete. Mit seinen Studenten der Technischen Hochschule Aachen war der Professor für plastisches Gestalten auch jährlich zwei Mal zu Seminaren in Villmar. Bei einem "Erzählcafé" im Museum wurden alte Erinnerungen aufgefrischt.

Dabei waren auch zwei der Kinder Hillebrands mit ihren Familien, Elisabeth sowie Clemens. Letzterer ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten und selbst Künstler geworden, hat mit seinem Vater noch zusammen ein Werkverzeichnis Elmar Hillebrands als mittlerweile vergriffenes Buch herausgebracht. Der Besuch in Villmar zeigte ihm, dass es nicht ganz vollständig ist. Wer also noch ungekannte Werke Elmar Hillebrands kennt, kann seinen Sohn Clemens über dessen Webseite kontaktieren, damit er diese in der geplanten zweiten Auflage noch ergänzen kann. Rudolf Conrads, Stiftungsbeiratsvorsitzender des Museums, berichtete, dass Elmar Hillebrand über 50 Jahre mit der Firma Engelbert Müller zusammengearbeitet habe. Von daher habe es nahegelegen, die Sonderausstellung für Villmar zu planen. Clemens Hillebrand berichtete, sein Vater sei stets gerne nach Villmar gekommen, weil er das Handwerkliche sehr geschätzt habe. Das Faszinierende an seinem Vater sei gewesen, dass er die fertigen Kunstwerke vor dem Schlagen des Marmors immer schon exakt im Kopf gehabt habe.

Ruhiger und bescheidener Mann

Nina Pörtner, erster weiblicher Steinmetzlehrling beim Betrieb Engelbert Müller, erinnerte sich zurück, dass Hillebrand bei seinen Studenten sehr großen Respekt genossen habe. Er sei stets ein ruhiger und bescheidener Mensch gewesen und habe nie den Professor hervorgekehrt. Elmar Hillebrand habe eine "irrsinnige bildhauerische Kompetenz" besessen. So habe er aus dem Stegreif seinen Studenten mal schnell etwas vorführen können. Hillebrand heuerte Pörtner dann zu ihrer Zeit als Architekturstudentin für Kurse an, um seinen Studenten das räumliche Vermögen zu vermitteln. Pörtner erinnert sich noch gut an schöne Exkursionen nach Italien. Sie ist dankbar, als erste junge Frau im Betrieb Engelbert Müller eine Steinmetz-Ausbildung machen zu dürfen, obwohl dem Chef damals klar gewesen sei, dass sie nach der Lehre dort nicht bleiben werde.

Dr. Roswitha Kaiser, Direktorin des rheinland-pfälzischen Landesamtes für Denkmalpflege, meinte, dass es schade sei, das heimische Werkstoffe wie Lahnmarmor aus der Mode gekommen seien. "Wir brauchen das Handwerk, denn was handwerklich gefertigt ist, ist robust und hält auch Fluten stand", sagte sie.

Thomas Meuser, letzter Geschäftsführer des Steinmetzbetriebes Müller, konnte sich noch gut daran erinnern, wie er als Kind Elmar Hillebrand kennenlernte. "Das war eine innige Beziehung - beruflich wie privat", sagte Meuser. Die Studenten der 1968er Generation mit ihren langen Bärten seien ihm damals als Kind sehr alt vorgekommen, erinnerte Meuser sich zurück. Sie seien mit ihren Enten und Käfern nach Villmar gefahren. Hillebrand habe ihnen dann gezeigt, wie man den Meißel halte und was man aus den Steinen rausholen könne. Meuser meinte, Hillebrand habe jeden Menschen angenommen, wie er war, seine Talente gefördert. Er erinnert sich noch gut daran, als er im Betrieb in der Ausbildung war und Hillebrand die jungen Leute ohne große Erfahrung Intarsien fertigen ließ. Wenn es nötig gewesen sei, habe er dann korrigiert. Thomas Meuser sagte, wenn er später Hillebrand in Köln besucht habe, habe es einen Tee und eine Suppe gegeben und dann immer noch vor der Heimfahrt ein paar Walnüsse vom Baum vorm Haus als Wegzehrung.

Angelika Meuser hat im Büro bei Engelbert Müller gelernt und sagte, dass Hillebrand mit allen wertschätzend umgegangen sei. "Das ist heute in den Betrieben alles andere als selbstverständlich", meinte sie. Eine große Herausforderung sei es aber stets gewesen, Hillebrands Briefe zu entziffern, weil sie alle in Sütterlin verfasst gewesen seien.

Ottfried Adler erinnerte sich von Besuchen bei Hillebrand, dass er sehr gut zu Tieren gewesen sei. So habe er im Wohnzimmer einen verletzten Spatz aufgezogen. Seine Tochter Elisabeth freute sich, alte Weggefährten ihres Vaters aus Villmar kennenzulernen. "An einige Namen erinnere ich mich noch von Gesprächen mit meinem Vater beim Abendbrot", sagte sie.

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