Die Vertriebenenaktiven Otto Riedl (von links), Ernestine Roth, Albrecht Kauschat und Josef Plahl kämpfen mit Nepomuk im Rücken weiter gegen das Vergessen von Unrecht und für Völkerverständigung.
+
Die Vertriebenenaktiven Otto Riedl (von links), Ernestine Roth, Albrecht Kauschat und Josef Plahl kämpfen mit Nepomuk im Rücken weiter gegen das Vergessen von Unrecht und für Völkerverständigung.

Gedenkfeiern

Villmar: Eine Brücke zwischen den Völkern schlagen

  • vonRobin Klöppel
    schließen

Nepomuk-Statue wird 25 Jahre alt - Gedenkfeiern im Kleinen Kreis auf der Lahnbrücke

Villmar/Limburg -25 Jahre wird die Statue des heiligen Johannes von Nepomuk in diesem Jahr. Aufgrund der Corona-Einschränkungen wird die Gedenkfeier diesmal am Sonntag, 16. Mai, um 17 Uhr nur im kleinen Kreis stattfinden. Trotzdem kann jeder Interessierte gegen Voranmeldung teilnehmen, genauso wie um 19 Uhr an der Nepomuk-Gedenkfeier in Limburg auf der Alten Lahnbrücke.

Günter Daum, der damalige Villmarer Pfarrer, kann sich noch gut erinnern, als die mittlerweile verstorbenen Aktiven des Bundes der Vertriebenen (BdV), Franz Krotzky und Elfi Caspari, vor dem Jubiläum "50 Jahre Vertreibung" mit der Idee gekommen seien, eine Gedenkstatue in Villmar aufzustellen. Neben dem BdV war damals auch die Ackermann-Gemeinde der Diözese Limburg maßgeblich an der Schaffung der Gedenkstätte an die Vertreibung beteiligt. Diese weihte an Christi Himmelfahrt 1996 dann auf der Brücke der Limburger Weihbischof Gerhard Pieschl ein.

Warum der Johannes damals auf die Lahnbrücke gestellt werden sollte, der den Bereich des Bahnhofs mit dem Villmarer Ortskern verbindet? Die Intention dahinter sei, so Pfarrer Daum, gewesen, dass die Heimatvertriebenen mit den Zügen damals am Villmarer Bahnhof angekommen und dort zunächst in Baracken einquartiert worden seien. Über die Brücke hätten sie damals dann kommen müssen, um im Kreis dann weiter über die Orte verteilt zu werden. Somit habe die Lahnbrücke ein verbindendes Element und könne der Johannes über diese Menschen wachen.

Daum weiß noch, dass der örtliche Steinmetzbetrieb Engelbert Müller vor 25 Jahren das Material stiftete. Der Bildhauer Walter Schmitt gestaltete aus dem Marmor den Brückenheiligen. Die entstehenden Kosten wurden, wie Daum erzählt, durch eine Spendensammlung im Dorf finanziert. Günter Daum ist dem damaligen Bürgermeister Hermann Hepp (CDU) immer noch dankbar, dass er die Aufstellung des Johannes auf der gemeindlichen Brücke unterstützt habe. Seitdem habe bis zum Corona-Ausbruch 2020 jedes Jahr um den 16. Mai, dem Tag des heiligen Johannes von Nepomuk, eine Gedenkfeier stattgefunden.

Die Vertreibung nicht vergessen

Daum erzählt: "Die Gedenkfeier findet statt, um die Vertreibung und das Unrecht nicht zu vergessen". Es gehe auch um das Unrecht, das die Deutschen gegenüber den Tschechen begangen hätten, betont der Pfarrer. Um etwas für die Völkerverständigung, ein wieder positives Klima zwischen Deutschen und Tschechen zu tun, habe die katholische Pfarrgemeinde "St. Peter und Paul" damals die Partnerschaft zwischen Villmar und Grulich (Králiky) gestartet, die zwischenzeitlich auch von der Zivilgemeinde Villmar als offizielle Partnerschaft übernommen worden sei. Die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Freundschaft mit Grulich seien aufgrund der Pandemie-Beschränkungen für 2021 erst einmal komplett abgesagt worden und würden voraussichtlich kommendes Jahr nachgeholt, wie Günter Daum ankündigt. Der Pfarrer in Unruhestand freut sich, dass diese wichtige Arbeit über die Grenzen hinaus in der Tschechischen Botschaft in Berlin sowie der hessischen Landesregierung positiv aufgefallen sei.

Günter Daum erzählt, dass Johannes von Nepomuk um das Jahr 1340 in Pomuk bei Pilsen geboren worden sei. Als gebildeter Kirchenjurist habe er zuletzt als Generalvikar im Dienst des Prager Erzbischofs Johann von Jenzenstein gestanden. Daum: "Mit diesem geriet Johannes von Nepomuk in die Streitigkeiten zwischen König und Kirche, deren Opfer er wurde". Nach grausamer Folterung wurde Johannes laut Daum auf Befehl des Königs am 20. März 1393 in Prag in die Moldau gestürzt.

Als seine Leiche später im Wasser treibend gefunden wurde, wurde Johannes in den Veitsdom gebracht, wo er beigesetzt wurde. 1729 wurde er dann in der Lateranbasilika durch Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen. Die Verehrung von Johannes von Nepomuk habe sich dann über ganz Europa verbreitet. Seine Figur stehe auf vielen Brücken. Er werde als Brückenheiliger verehrt, weil er Brücken zwischen den Völkern schlagen könne.

Der heutige BdV-Kreisvorsitzende Josef Plahl erklärt : "Aufgabe unserer Generation ist es, immer an Flucht und Vertreibung zu erinnern, damit dieses Geschehen nicht in Vergessenheit gerät." Ein Beispiel dafür sei die Nepomuk-Statue in Villmar. Johannes werde von Deutschen wie Tschechen gleichermaßen verehrt. Er sei ein Mensch gewesen, der für Gerechtigkeit, Wahrheit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung sein Leben geopfert habe.

Für Gedenkfeier anmelden

Am Sonntag, 16. Mai, um 17 Uhr wird die diesjährige Gedenkfeier im kleinen Rahmen stattfinden. Auf der Villmarer Brücke werden Vertreter des Bundes der Vertriebenen, der Egerländer Gmoi und der Landsmannschaften der Sudetendeutschen und Schlesier an den Märtyrer von Prag aus dem Böhmerwald erinnern. Wer dabei sein will, sollte sich telefonisch bei Ernestine Roth, (0 64 82) 10 00 anmelden.

Von 19 Uhr an findet dann eine weitere Gedenkfeier am Nepomuk auf der Alten Lahnbrücke in Limburg statt. Wer hier teilnehmen möchte, sollte vorher Albrecht Kauschat unter (0 64 31) 2 52 00, kontaktieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare