Seit 2020 ist das Kultur- und Sozialzentrum Aumenau, das ehemalige Feuerwehrhaus, fertiggestellt.
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Seit 2020 ist das Kultur- und Sozialzentrum Aumenau, das ehemalige Feuerwehrhaus, fertiggestellt.

Offener Brief an den Bürgermeister

Villmar: Förderverein kehrt Sozialzentrum den Rücken

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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Mitglieder fühlen sich von Bürgermeister und Gemeindevorstand getäuscht

Aumenau -Ein Treffpunkt der Generationen sollte es sein, das Kultur- und Sozialzentrum Aumenau. Ein Ort für die Vereine, aber auch die Senioren und die Jugend. Gemeinsame Frühstücke und Mittagstische von Jung und Alt waren ebenso geplant wie Spielenachmittage, die Einrichtung eines Ortsarchivs oder auch einer Geschichtswerkstatt. Aus alledem wurde nichts, bemängelt der Förderverein Kultur und Soziales Aumenau in einem offenen Brief an Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU) und den Gemeindevorstand.

Deshalb zog der 2012 ins Leben gerufene Verein jetzt die Reißleine: Einstimmig hat er in seiner Jahreshauptversammlung beschlossen, dem Kultur- und Sozialzentrum Aumenau "den Rücken zu kehren", wie es in dem Schreiben an Rubröder und den Gemeindevorstand heißt. Um diesen Beschluss auch nach außen hin zu bekräftigen hat der rund 35 Mitglieder zählende Verein zugleich seinen Namen geändert. Aus dem "Förderverein Kultur- und Sozialzentrum Aumenau" wurde der Verein "Kuso - Förderverein für Kultur und Soziales Aumenau".

Von einem "Schildbürgerstreich" ist in dem Brief die Rede von falschen Erwartungen, denen die Mitglieder des Fördervereins ausgesetzt und dann getäuscht worden seien. "Bürgermeister und Gemeindevorstand haben sich an keine Absprachen mit dem Förderverein gehalten", kritisiert der Vorsitzende Kai Lißfeld. Ohne den Verein zu informieren, habe die Gemeinde Villmar das Kultur- und Sozialzentrum für fünf Tage pro Woche an den Kreis Limburg-Weilburg verpachtet. Dieser nutzt das Gebäude aktuell von 7 bis 16 Uhr, um den Ganztagsbetrieb an der Amanaschule mit Mittagsverpflegung und Hausaufgabenbetreuung zu ermöglichen, kritisieren Lißfeld und seine Vorstandskollegen. Vereinbart gewesen seien lediglich zwei bis drei Tage pro Woche. Die Folge: "Der Verein kann nichts verwirklichen, was seinen Zielen entspricht", sagt Lißfeld.

Eigenes Geld in das Projekt gesteckt

Und das, obwohl der Förderverein schon frühzeitig Teil des Projekts Kultur- und Sozialzentrum gewesen sei, wie Lißfeld und Vereinsbeisitzer Andreas Städtgen, der auch Vorsitzender der Gemeindevertretung ist, berichten. Nicht nur, dass der Verein vor neun Jahren nur deshalb gegründet worden sei, um die Investitionen in das geplante Sozialzentrum den Bedürfnissen von Aumenau und seinen Bürgern anzupassen. Der Verein habe sogar eigenes Geld und Arbeitskraft seiner Mitglieder in das politisch lange umstrittene Projekt gesteckt. Zu einer für 11 000 Euro angeschafften mobilen Trennwand, so Städtgen, habe der Verein 5700 Euro beigesteuert. Mitglieder des Vereins hätten außerdem unzählige unentgeltliche Arbeitsstunden beim Ausräumen des ehemaligen Feuerwehrhauses und beim Einreißen von Mauern geleistet. "Und jetzt haben wir keine Chance, irgendetwas zu machen, außer samstags und sonntags", klagt Städtgen. Der Verein, so Vorsitzender Lißfeld, fordere daher von der Gemeinde Villmar eine zumindest teilweise Erstattung der geleisteten Investitionen in das Gebäude.

Insbesondere vermisse der Verein ausreichende Informationen zum Baufortschritt und die damit verbundene Nutzung. Erst im Spätsommer des vergangenen Jahres habe der Verein erfahren, dass nun der Landkreis Hauptpächter des Kultur- und Sozialzentrum ist - und nicht der Förderverein, wie es eigentlich vereinbart gewesen sei.

Bürgermeister Matthias Rubröder kann die Verärgerung des Fördervereins gut verstehen, wie er auf Anfrage dieser Zeitung erklärte. Allerdings seien der Gemeinde aus finanziellen Gründen die Hände gebunden gewesen. Denn für den Einbau einer vom Landkreis geforderten Küche, in der das Mittagessen für die Schülerinnen und Schüler der Grundschule frisch zubereitet werden kann, habe der Marktflecken kein Geld gehabt. Der Kreis habe sich daraufhin bereit erklärt, die Kosten für die Küche zu übernehmen - vorausgesetzt, dass das Kultur- und Sozialzentrum an fünf Tagen pro Woche für die Ganztagsbetreuung zur Verfügung steht. Wie nun mit den Investitionen, die der Verein geleistet hat, umgegangen wird, konnte Rubröder nicht sagen. "Darüber werden wir erst im Gemeindevorstand und dann mit dem Vereinsvorstand beraten müssen", sagte der Verwaltungschef. Er zeigte sich allerdings optimistisch, dass eine Lösung gefunden wird - auch was die weitere Nutzung des Gebäudes angeht. Zum Thema mobile Trennwand erklärte er, dass diese alleine auf ausdrücklichen Wunsch des Vereins angeschafft worden sei. Angesichts einer Raumgröße von nur 70 Quadratmetern, die in dem Kultur- und Sozialzentrum zur Verfügung stehe, sei die Trennwand aus seiner Sicht von vornherein nie wirklich sinnvoll gewesen. Denn bei der von dem Förderverein beabsichtigten Teilung des Raums in zwei Hälften wäre eine Schülerbetreuung gar nicht mehr möglich. Die Schülerbetreuung an mindestens zwei Tagen sei jedoch von Anfang an Teil des Nutzungskonzepts gewesen.

Dass nun der Förderverein seine Ziele nicht verwirklichen könne, sei zwar bedauerlich, aber letztendlich den finanziellen Verhältnissen des Marktfleckens geschuldet. Ohnehin sei das Kultur- und Sozialzentrum Aumenau trotz erheblicher Fördermittel mit Baukosten von 460 000 Euro deutlich teurer geworden als geplant, erinnerte Rubröder an eine von der Gemeindevertretung beschlossene Deckelung der Ausgaben auf höchstens 365 000 Euro.

Von Anfang an wegen der Kosten umstritten

Mit dem Umbau des ehemaligen Feuerwehrhauses in Aumenau haben sich drei Villmarer Bürgermeister befasst - von Hermann Hepp (CDU) über Arnold-Richard Lenz (SPD) bis hin zu dem derzeit amtierenden Matthias Rubröder (CDU). Politisch umstritten war das Projekt von Anbeginn vor allem wegen der Kosten. Stand ursprünglich eine Summe von 270 000 Euro im Raum, so erhöhte diese sich zunächst auf rund 365 000 Euro, um schließlich bei 460 000 Euro zu landen. Aber auch die Notwendigkeit für ein "zweites Bürgerhaus", wie Kritiker das Kultur- und Sozialzentrum nannten, war lange umstritten. Während SPD und AAV für das Projekt waren, verhielt sich die CDU zögerlich, die UFBL war strikt dagegen.

Erste Überlegungen für ein Kultur- und Sozialzentrum Aumenau reichen bis ins vorletzte Jahrzehnt zurück. 2012 wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, während sich noch im selben Jahr auf Empfehlung des Amtes für den ländlichen Raum, das das Vorhaben begleitete, ein Förderverein gründete. Im Jahr 2015 wurde die Planung erstellt, 2016 die Baugenehmigung erteilt. 2017 war Baubeginn, eröffnet wurde das sanierte Gebäude im Jahr 2020. Bereits im Jahr zuvor war in einem benachbarten Gebäude ein Jugendraum eröffnet worden.

Die hohen Kostensteigerungen sorgten immer wieder für Ärger in der Gemeindevertretung, aus deren Reihen sogar Regressforderungen gegen den Architekten laut wurden. Insgesamt hatten sich drei Entwurfsplaner mit dem Gebäude befasst.

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