Tierarzt Florian Wiegand zeigt Margit Bach wie man ein Tier in Seitenlagen hält.
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Tierarzt Florian Wiegand zeigt Margit Bach wie man ein Tier in Seitenlagen hält.

Viel Unsinn im Internet

So funktioniert Erste Hilfe beim Hund

Ein Tierarzt in Villmar erklärt, wie Erste Hilfe bei Hunden richtig gemacht wird.

Villmar -Was tun, wenn der Hund in eine Scherbe getreten ist, wenn er gebissen wurde oder einen Fremdkörper verschluckt hat, wenn er krampft oder überhitzt ist? In vielen Situationen können Herrchen oder Frauchen Erste Hilfe leisten. Das Wie und Was erläuterte der Aumenauer Tierarzt Florian Wiegand in Elkerhausen. An der überaus geduldigen Hundedame Nadja von Gastgeberin Margit Bach konnten die Teilnehmer abschließend das Verbinden typischer Verletzungen üben.

Erste Hilfe beim Hund: Ausrüstung klug zusammenstellen

"Ich werde Sie heute nicht zu einem Notfallsanitäter ausbilden können", eröffnete Wiegand den fast vierstündigen Kurs. Aber im Internet kursiere zum Thema Erste Hilfe beim Haustier eine Menge Unsinn, den er gern richtigstellen wolle. Beispiel Ausrüstung: Statt irgendein spezielles Erste-Hilfe-Set anzuschaffen, rät der Tierarzt, Kompressen, Polsterwatte und Binden aus einem abgelaufenen Auto-Verbandskasten zu nehmen. Eine anatomische Pinzette und ein Fieberthermometer sollten auch griffbereit sein.

"Die Normaltemperatur bei Hund und Katze liegt zwischen 38 und 39 Grad.", erklärte der Fachmann. Falls man den Eindruck hat, das Tier sei überhitzt, sei die Temperatur sowohl zu Beginn der Hilfsmaßnahme als auch zehn Minuten später zu messen, um den Erfolg zu überprüfen. Dabei führe ausschließlich das rektale Fiebermessen zu zuverlässigen Werten. Ein Ohrthermometer funktioniere beim Hund leider nicht. Falls die Temperatur trotz Schatten und kühlender Wickel weiter steige, sei tierärztliche Hilfe zu holten.

Sollte das Tier eine stark blutende, offene Wunde haben, zum Beispiel durch einen Biss oder Schnitt, solle ihm ein Druckverband angelegt werden. Als Druckpolster empfiehlt der Tierarzt ein ungeöffnetes Päckchen Papiertaschentücher.

Villmar: Anlegen eines Druckverbandes sei beim Hund ungleich schwieriger als beim Menschen

Das Anlegen eines Druckverbandes sei beim Hund ungleich schwieriger als beim Menschen, weil das Tier zusätzlich fixiert werden muss. Dafür bringe man es in Seitenlage und halte die langgezogen bodennahen Beine fest. Zusätzlich sei eventuell der Kopf des Tieres auf den Boden zu drücken. Dem Arzt ist klar, dass es für den Halter nicht leicht ist, einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn das geliebte Tier unter der Fixierung fiepst und winselt. Deshalb sei es ratsam, sich von anderen Gassigänger helfen zu lassen.

Ein klassischer Notfall - vor allem bei großen Rassen - ist die Magendrehung. Sie kann binnen 24 Stunden zum Tod führen. Signale dafür sind, dass der Hund unruhig wird, immer wieder versucht sich zu erbrechen und es ihm zusehends schlecht geht. "Überprüfen Sie durch einen Druck auf das Zahnfleisch den Kreislauf". Sollte sich die Stelle nicht binnen zwei Sekunden wieder rosa färben, ist das ein Alarmzeichen. Wenn sich zudem der Bauch aufbläht und vor allem auf der linken Seite wie eine Trommel klingt, muss das Tier sofort zum Tierarzt.

Erste Hilfe beim Hund: Vergiftungen und Krämpfe

Vergiftungen kommen bei Hunden leider immer wieder vor, beispielsweise wenn sie Schokolade gefressen haben. Auch Zwiebeln, der Zuckerersatzstoff Xylit oder Schneckenkorn können dem Tier enorm schaden. "Rufen Sie im Zweifelsfall die Nummer (0 61 31) 1 92 40 vom Giftnotruf an, die sind rund um die Uhr auch für Tiere da", so der Tierarzt.

Zum Schluss griff er das Thema Epilepsie auf und beschrieb die Phasen eines Krampfanfalls. Sobald sich ein Anfall ankündigt, sei das Tier in einem abgedunkelten und ruhigen Raum am besten aufgehoben. Krämpfe ab fünf Minuten Dauer sind unbedingt medikamentös zu behandeln, ab 20 Minuten solle man in die Klinik fahren. "Manche Rassen sind besonders krampfanfällig. Möglicherweise spielt die Kopfform dabei eine Rolle", so der Veterinär.

Erste Hilfe beim Hund: Gute Tipps für den Alltag

"Was mache ich mit einem Hund der hustet, bloß nicht genau dann, wenn ich ihn in der Praxis vorstelle?", wollte ein Teilnehmer wissen. Hier könne es nützlich sein, die Symptome per Handyvideo zu dokumentieren, rät Wiegand. Katja Erbe aus Fürfurt hat einen 14-jährigen Australien Cattle Dog. "Zum Glück hat es bislang noch keinen Notfall gegeben, aber ich bin froh, jetzt besser vorbereitet zu sein", sagte sie nach der Veranstaltung. Auch Margit Falbel aus Wolfenhausen fand den Vortrag nützlich. "Obwohl ich schon lange Erfahrung mit Hunden habe, so habe ich doch heute einiges gehört, was ich noch nicht wusste."

Kerstin Kaminsky

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