Matthias Laux und Tochter Melanie (mit Enkelin Kaja im Arm) sind stolz auf Plakette und Urkunde "schwalbenfreundliches Haus".
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Matthias Laux und Tochter Melanie (mit Enkelin Kaja im Arm) sind stolz auf Plakette und Urkunde "schwalbenfreundliches Haus".

Würdigung für Naturschützer

Villmar: Hier fühlen sich nicht nur Kühe und Pferde wohl

Der Talhof ist als "schwalbenfreundliches Haus" zertifiziert

Villmar -Über dem bäuerlichen Anwesen von Matthias, Petra und Melanie Laux, dem Talhof in Villmar, schießen den ganzen Tag lang Dutzende Rauchschwalben durch die Luft. Sie sind mit zehn bis 20 Metern in der Sekunde unterwegs, fangen Insekten und bringen sie im anschließenden Tiefflug zielsicher durch die offenen Fenster des Kuhstalls zu ihrer Brut. Elegant sieht das aus, unwillkürlich ziehen Besucher den Kopf ein, wenn die schlanken, stromlinienförmig gebauten Vögel knapp, aber sicher an ihnen vorbeifliegen. Ein ständiges munteres Gezwitscher oder auch ein kurzes "Witt-Witt" begleitet ihr Tun.

"Wenn Schwalben niedrig fliegen, wird man Regenwetter kriegen", heißt es im Volksmund. Das gilt auch für die Mehlschwalben, die auf der Nahrungssuche bei Schönwetter in höheren Luftschichten unterwegs sind. Sie nisten an Hauswänden. Das Zerstören von Schwalbennestern steht laut Bundesnaturschutzgesetz unter Strafe. Beide Arten sind in ihrem Bestand gefährdet, stehen auf der Vorwarnliste zur "Roten Liste". Deshalb würdigt der Deutsche Naturschutzbund (NABU) Naturschützer, die Schwalbennester an oder in ihren Gebäuden erhalten, mit einer Plakette und einer Urkunde als "schwalbenfreundliches Haus". Die Familie Laux gehört seit September 2020 dazu, auf Vorschlag ihres Untermieters Joachim Beier.

Von den Vorsitzenden des NABU-Kreisverbandes, Harald Ristau und Benjamin Zabel, gab es schriftlich den "Dank für den Verdienst, die Mehl- und Rauchschwalben am oder im eigenen Anwesen zu dulden und damit einen wichtigen Baustein für den Fortbestand dieser Tiere zu leisten." Die Schwalben haben zunehmend Schwierigkeiten, geeignete Nistplätze zu finden. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft ist einer von mehreren Faktoren, die die Zahl der Brutpaare vielerorts schon um mehr als die Hälfte zurückgehen ließ. Rauchschwalben lieben als Kulturfolger des Menschen alte, kleine Ställe wie die auf dem Talhof. Ihre Nester schmiegen sich hier an die verwitterten Deckenbalken oder sind knapp unter der Decke an die raue Stallwand geklebt, als zusätzliche Stütze für das Nistmaterial dient schon mal eine Wasserleitung oder eine alte Uhr. Hier haben sie es warm und Insekten finden sie im Überfluss.

In Jahrzehnten über 100 Nester gebaut

Aber diese Höfe verschwinden immer mehr, moderne, nahezu offene moderne Kaltställe, die eine artgerechtere Rinderhaltung ermöglichen, meiden die Schwalben, sie mögen den ständigen Durchzug nicht, es gibt dort weniger Insekten. Wahrscheinlich stört auch ihr Kot, nicht jedoch Matthias Laux: "Die Schwalben kacken in der Regel beim Füttern, direkt auf den Stallboden unter den Nestern, nicht aufs Futter." Über die Jahrzehnte haben sie auf dem Talhof über 100 Nester gebaut, die meisten im Kuhstall, seltener bei den Pferden. Zwischen den zwei bis drei Bruten, die sie pro Jahr haben können, wechseln sie gerne die Nester. Wenn sie aus den Winterquartieren im westlichen und südlichen Afrika zurück sind, suchen Rauchschwalben, die sich ihr kurzes Leben lang treu bleiben, immer wieder den angestammten Hof auf. "Wir warten schon immer gespannt regelmäßig zwischen dem 9. und 12. April auf die Ankunft unserer Frühlingsboten", sagt Melanie Laux, "jeder will sie als Erster sehen. Immer auch mit Bangen, viele überstehen ja auch den Vogelzug nicht."

Matthias Laux weiß, dass der Rückgang des Vogelbestandes in Deutschland auch mit der intensiven Landwirtschaft, den Monokulturen und dem Pestizideinsatz oder mit versiegelten Flächen und dem damit verbundenen Insektenschwund zu tun hat. Deshalb hat er auch bereits zwei Prozent seiner Betriebsfläche dank der Zuschüsse eines Förderprogramms in Blühfläche verwandelt und freiwillig noch zusätzliche bis vier Meter breite Blühstreifen mit "Honigweide" angelegt, an den Rändern seiner Äcker mit Hafer, Mais, Raps, Weizen oder Wintergerste in Fruchtfolge. Die Saatgutmischungen enthalten zum Beispiel Korn-, Ringel- und Sonnenblumen, Schafgarbe, Kümmel, Fenchel oder Klatschmohn. Dazu werden inzwischen zwölf Prozent seines "Gemischtbetriebes", zu dem auch Grünland gehört, häufig mit Luzerne als Futter für die 40 Milchkühe, nach den "Richtlinien des ökologischen Landbaus" betrieben. Das heißt, kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, nur organische Dünger. Laux schätzt, dass die Hälfte der Villmarer Landwirte mitmachen. "Kein Bio-Anbau, aber immerhin", sagt Laux, der sich zudem im "Arbeitskreis Umwelt und Naturschutz" einbringt, um die Initiative "Villmar blüht auf" zu unterstützen.

Matthias Laux ist auf dem Talhof groß geworden, hat auch Teile seiner Ausbildung zum Landwirt bei Vater Bernhard absolviert. In einer "Winterschule" qualifiziert er sich zum "Staatlich geprüften Wirtschafter". 1987 ist er in den väterlichen Betrieb eingestiegen, seit seiner Heirat vor fast 30 Jahren führt er ihn zusammen mit Ehefrau Petra, inzwischen gehört Tochter Melanie dazu, seit einem Jahr auch Enkeltochter Kaja. Schwester Anne hilft täglich bei der Arbeit, besonders beim Management von 30 Pferdepensionen und einer großen Reithalle, ein weiteres Standbein des Talhofs. Auch Tochter Diana ist zuverlässig zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wird.

Jährlich zum Erntedankfest treffen sich hier die Schlepperfreunde Aumenau, die "Lohspoizer". Matthias Laux ist Gründungsmitglied und zweiter Vorsitzender. Wenn Pfarrer Michael Vogt Menschen, Tiere und manchmal bis zu 100 Oldtimer segnet, sind die Schwalben wieder fort. Doch nicht nur die Bewohner und Freunde des Talhofes wünschen ihnen Glück auf ihrer langen Reise.

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