Geschützt von dicken Handschuhen durften die Kinder die Eulen hautnah erleben.
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Geschützt von dicken Handschuhen durften die Kinder die Eulen hautnah erleben.

Auge in Auge mit der Eule

Villmar: Jäger der Nacht hautnah erleben

Die Kinder der Ferienspiele erfahren alles rund um Uhu, Eule und Steinkauz

Villmar -In der Antike galt die Eule als heilig, für die alten Ägypter war sie der Vogel der Finsternis und des Todes, für Harry Potter ist sie eine treue Postbotin. Was es wirklich mit Eulen auf sich hat, erklärte ein Experte im Rahmen der Villmarer Ferienspiele.

Eulen sind nachtaktive Jäger, die sich tagsüber in Baumkronen oder an Felswänden verstecken. Kein Wunder also, dass die beiden Uhus und ihre drei gefiederten Freunde, die Falkner Berthold zum Lahnmarmor-Museum mitgebracht hatte, anfangs sehr unruhig waren. "Seht ihr, wie die Kehlen der Vögel pumpen und flattern? Das ist ein Zeichen der Aufregung", erklärte der Fachmann den zahlreich anwesenden Kindern.

Einen sibirischen und einen europäischen Uhu, eine Schleiereule sowie einen Wald- und einen Steinkauz hatte der erfahrene Züchter mitgebracht. "Je kälter der Lebensraum ist, desto heller ist das Gefieder", erklärte er die unterschiedliche Färbung der Uhus, von denen einige der heimischen Art im Unica-Steinbruch leben. Sie sind zwischen 60 und 80 Zentimeter groß und werden bis zu 50 Jahre alt. Charakteristisch sind markante Federbüschel am Kopf, die je nach Stimmungslage des Vogels stehen oder liegen. "Der Uhu hat keine natürlichen Feinde, außer dem Waschbären, der sich immer mehr in Deutschland verbreitet. Die Eier sind für den Räuber eine Delikatesse", so Geis. Fuchs und Marder hingegen seien kein Problem, weil diese Wildtiere nicht klettern.

Uhus sind geschickte Jäger. Mühelos erbeuten sie Hasen, Ratten oder Kaninchen. Auch Tauben oder Katzen, die nachts herumstreunen, sind vor der großen Eule nicht sicher. "Bei den Uhus hier im Unica-Bruch steht wohl mehrmals pro Woche Ente auf dem Speiseplan", ist sich Geis sicher.

Dann durften mutige Kinder selbst die scharfen Krallen der Uhus fühlen. Weil drei Krallen nach vorn und zwei nach hinten zeigen, können die Vögel ihre Beutetiere so fest in die Zange nehmen, dass eine Flucht unmöglich ist. Im Gegensatz zu den scharfen Krallen ist das Gefieder von Eulen sehr weich. "Schnell fliegen können nicht", sagte der Falkner, "aber das brauchen sie ja auch nicht für ihre Jagd." Anders als bei den meisten Tierarten, sind bei Eulen die Weibchen deutlich größer als die Männchen.

Nachdem die Uhus erklärt waren, wandte sich Geis dem Steinkauz zu. Neben seinen riesigen Verwandten wirkte er wie ein Baby. "Diese Eulenart lebt gern in Streuobstwiesen und legt ihre Eier in Baumhöhlen. Regenwürmer, Mäuse, Eidechsen oder großen Insekten sind die Jagdbeute", erklärte Geis.

Kopf um 270 Grad drehbar

Eulen haben 14 Halswirbel und können ihren Kopf um 270 Grad drehen. Dies demonstrierte der Falkner, indem er den Blick seiner Schleiereule fesselte, während er das Tier umrundete. Dieser schlanke Vogel mit seinem markanten Erscheinungsbild und dem typischen weißen Gesichtsschleier käme in Deutschland immer seltener vor. Früher habe er oft in der Nähe von Bauernhöfen gelebt und sich die Mäuse geholt.

Nun konnten die Kinder Fragen stellen. Sie erfuhren, dass Uhu-Eier nur etwas größer als Hühnereier sind, wie sich die Gewölle von Eulen und Greifvögeln unterscheiden und dass Eulen nicht im Regen jagen, da sie mit nassem Gefieder ihr Flugfähigkeit verlieren. Wie viel besser die Sehkraft von Eulen gegenüber dem Menschen ist, konnte Geis allerdings nicht beantworten. "Von Falken weiß man aber, dass sie sieben- bis achtmal besser sehen als der Mensch", gab er an.

Zum Abschluss der spannenden und lehrreichen Erläuterungen durften Kinder und Erwachsene selbst einmal einen der Vögel auf die Faust nehmen und deren Gewicht, Kraft und Anmut hautnah erleben.

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