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Villmar: Katholische öffentliche Bücherei feiert 150-jähriges Bestehen

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Von: Tobias Ketter

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Die Bücherei in Villmar ist sehr beliebt. Viele Bürger kommen regelmäßig vorbei, um sich Medien auszuleihen. Gabriele Schermuly (vordere Reihe rechts) leitet die Einrichtung. Ehrenamtlich unterstützt wird sie unter anderem von Luk Gierden (Vierter von links).
Die Bücherei in Villmar ist sehr beliebt. Viele Bürger kommen regelmäßig vorbei, um sich Medien auszuleihen. Gabriele Schermuly (vordere Reihe rechts) leitet die Einrichtung. Ehrenamtlich unterstützt wird sie unter anderem von Luk Gierden (Vierter von links). © Tobias Ketter

Mehrere Veranstaltungen geplant - Leseförderung steht im Fokus - Bürger retteten Bücher vor den Nazis

Villmar -Die Katholische öffentliche Bücherei in Villmar ist eine der ältesten Einrichtungen ihrer Art im Landkreis Limburg-Weilburg. In 2022 wird das 150-jährige Bestehen gefeiert. Gleich mehrere Veranstaltungen stehen deshalb auf dem Programm. Bereits stattgefunden hat ein Bücherflohmarkt und eine literarisch-historische Wanderung. Vom 20. Juli bis zum 2. September gibt es einen Schüler-Sommerleseclub. Für Donnerstag, 18. August, ab 18 Uhr, ist ein literarisches Picknick geplant. Am Sonntag, 16. Oktober, wird es ab 17 Uhr eine Autorenlesung mit Michaela Küpper in der König-Konrad-Halle geben. Darüber hinaus bietet die Bücherei am Donnerstag, 10. November, um 19 Uhr eine literarische Rheinreise mit Referent Jürgen Garrecht an.

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass in Villmar eine Bücherei eröffnet wurde? Und wie läuft die Ausleihe derzeit ab? Leiterin Gabriele Schermuly klärt auf.

"Laut ersten Aufzeichnungen des Borromäusvereins aus Bonn haben 1872 zum ersten Mal Villmarer Bücher zum Eigenerwerb gekauft", sagt Schermuly. Damit habe die erfolgreiche Arbeit der Bücherei begonnen. Durch den Borromäusverein seien Bücher vermittelt worden, um das katholische Bildungsdefizit auszugleichen und so der katholikenfeindlichen Regierung um Otto von Bismarck kritischer entgegentreten zu können. "1872 wurden in Villmar Bücher für insgesamt 15 Thaler vermittelt", so Schermuly. Wie hoch der Wert dieser Thaler war, sei nicht bekannt. Im Gegensatz zu den Städten habe es auf dem Land keine Buchhandlungen gegeben. Durch die Pfarrei sei den Bürgern die Möglichkeit gegeben worden, Bücher zu kaufen.

Seit 1911 sind die Bestände der Bücherei schriftlich dokumentiert. Damals standen 525 Bücher zur Ausleihe bereit. Die Zahl erhöhte sich in den folgenden Jahren stetig. Während des Ersten Weltkriegs lief die Ausleihe bis 1916 weiter. Dann fehlen weitere Aufzeichnungen bis zum Jahr 1919. Vermutlich sei die Bücherei in dieser Zeit geschlossen gewesen, sagt Schermuly. Während des Nationalsozialismus sind übrigens alle Borromäusbüchereien in Pfarrbüchereien umbenannt worden. Die Bücher in Villmar standen im Fokus der Nazis. "Bürger retteten die betroffenen Bücher in einer Nacht- und Nebelaktion, um sie vor der Vernichtung zu bewahren", heißt es in einer Mitteilung der Bücherei.

Das Bistum Limburg errichtete dann 1963 die noch heute aktive Fachstelle für Büchereiarbeit, die seitdem finanzielle Unterstützung leistet. Seit den 1970er Jahren trägt die Villmarer Einrichtung den Namen Katholische öffentliche Bücherei. Er weist auf den Träger hin und besagt, dass die Bücherei für jeden offensteht.

2800 Medien können ausgeliehen werden

Heute befinden sich in der Bücherei rund 2800 Medien. "Die Ausleihe ist kostenlos. Wir wollen nämlich niemanden ausschließen", sagt Schermuly. Lediglich bei verspäteter Rückgabe falle eine Gebühr an. Den Angaben der Leiterin zufolge besuchten meist Bürger aus der Gemeinde Villmar die Einrichtung. Für die Vermittlung der Medien bekommt die Bücherei übrigens eine Art Provision. "Diese wird ausschließlich genutzt, um neue Medien zu beschaffen", erklärt Schermuly.

Mit der Ausleihe möchte die 63-Jährige die Möglichkeit einer sinnvollen Freizeitgestaltung bieten. Außerdem steht die Leseförderung für Heranwachsende im Fokus. Deshalb sind oft auch Kindergartengruppen und Schulklassen in der Bücherei zu Gast. "Wir erklären den Kindern dabei, wie eine Ausleihe funktioniert", berichtet Gabriele Schermuly.

Das Bücherei-Team besteht derzeit aus neun Mitarbeitern. Hinzu kommen noch drei Männer, die sich um die IT kümmern und bei Veranstaltungen helfen. Alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich. Das jüngste Mitglied des Teams ist der zehnjährige Luk Gierden. "Ich habe alle drei Wochen mit meiner Mutter Dienst. Die Arbeit macht viel Spaß", sagt der Schüler, der sich hauptsächlich um das Einscannen der Bücher kümmert. "Luk ist der Chef am Rechner", ergänzt seine Mutter.

Derzeit befindet sich die Bücherei, in der auch Hörbücher, Zeitschriften und Spiele ausgeliehen werden können, in einem 32 Quadratmeter großen Raum in der Peter-Paul-Straße 3. Sie ist mittwochs von 16 bis 17 Uhr und freitags von 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet. Innerhalb der kommenden Jahre könnte die Bücherei in das nahe gelegene Schwesternhaus umziehen, welches umgebaut werden soll. "Dort steht bald ein 80 Quadratmeter großer Raum mit barrierefreiem Zugang zur Verfügung", sagt Schermuly.

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