Die digitale Marmor-Route zwischen Wetzlar und Balduinstein wurde gestern von vielen Redner im Villmarer Lahn-Marmor-Museum gewürdigt und der Öffentlichkeit vorgestellt.
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Die digitale Marmor-Route zwischen Wetzlar und Balduinstein wurde gestern von vielen Redner im Villmarer Lahn-Marmor-Museum gewürdigt und der Öffentlichkeit vorgestellt.

Abbau und Verwendung von Marmor

Villmar: Lahn-Marmor-Route digital erlebbar gemacht

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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Neue App bietet viele Informationen über Marmorbauten zwischen Wetzlar und Balduinstein

Villmar -Der Lahnradweg gehört von je her zu den touristischen Höhepunkten der Region und ist schon vor einigen Jahren mit dem Thema Lahn-Marmor verknüpft worden. Der knapp 100 Kilometer lange Abschnitt zwischen dem hessischen Wetzlar und dem rheinland-pfälzischen Balduinstein bildet mit einer Schleife durch das Kerkerbachtal die sogenannte Lahn-Marmor-Route, auf der sich der kulturhistorisch interessierte Radfahrer über Abbau und Verwendung des edlen Gesteins informieren kann.

Seit kurzem ist diese länderübergreifende Lahn-Marmor-Route nicht nur geografisch, sondern auch inhaltlich erschlossen - dazu noch digital: Über die Smartphone-App "Ku La Dig" - alternativ über das Internet - können sich Radfahrer an etwa 100 Stationen über Bauwerke informieren, in denen der Lahn-Marmor Verwendung fand, seien es Kirchen, Schlösser und Burgen oder auch technische Bauten wie Schleusen und Brücken. Gestern ist im Lahn-Marmor-Museum Villmar die Route als Teil des Systems Ku La Dig erstmals öffentlich vorgestellt worden.

Idee entstand schon vor rund 25 Jahren

"Für mich ist heute ein kleiner Feiertag", sagte Rudolf Conrads, Mitglied in den Vorständen des Lahn-Marmor-Museums-Vereins und des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Denn mit der Aufnahme des Themas Lahn-Marmor in die App Ku La Dig - das Kürzel steht für Kultur Landschaft Digital - sei ein länderverbindendes Projekt realisiert worden, das die Region des historischen Lahn-Marmor-Abbaus nun auch digital erschließt. Die Idee zu einer Lahn-Marmor-Route habe er bereits vor 25 Jahren entwickelt, erinnerte sich Conrads; seit 20 Jahren existiere außerdem der Lahn-Marmor-Weg in Villmar, der mit dem Hessischen Denkmalschutz-Preis ausgezeichnet worden ist.

Die vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) geschaffene Lahn-Marmor-Route in der App Ku La Dig sei eine Informationsquelle nicht nur für Touristen, sondern auch für Wissenschaftler und Technikinteressierte, vor allem aber auch für die heimische Bevölkerung. Für den LVR handele es sich, so Conrads um ein Pilotprojekt, in dem erstmals eine touristische Route mit Ku La Dig inhaltlich erschlossen werde. Conrads erläuterte weiter, dass der Radfahrer die Marmor-Route nicht einfach nur abzufahren gehalten sei, sondern einige Kilometer links und rechts abzweigen müsse, um zu den entsprechenden Sehenswürdigkeiten zu gelangen. "Insofern handelt es sich um eine ganz neue Route."

Auch Landrat Michael Köberle (CDU) freute sich, dass die Lahn-Marmor-Route für die Bürger erlebbar gemacht worden sei. "Das ist ein tolles Projekt", sagte der Kreispolitiker, der daran erinnerte, dass gerade in der Corona-Zeit viele Menschen die Heimat entdeckt hätten - auch mit dem Fahrrad.

Villmars Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU) wies auf "die vielen ehrenamtlichen Stunden" hin, die in dem Projekt stecken, "das ein Stück unserer Geschichte darstellt". Er gratulierte, dass es der Lahn-Marmor-Verein geschafft habe, "den Lahn-Marmor, ein toter Gegenstand, zum Leben zu erwecken". Die Ku La Dig-App, so Rubröder, sei Stand der modernen Technik und ein ansprechender digitaler Reiseführer für die Lahn-Marmor-Region.

Milena Karabaic, Landesrätin des Landschaftsverbands Rheinland, erläuterte, dass es das Ziel von Ku La Dig sei, den Menschen die Umgebung zu erschließen, in der sie leben. Mit Blick auf die 2010 begründete Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Hessen sagte Karabaic: "Wir sind steinreich an gemeinsamer Geschichte." Die Bezirksarchäologin Dr. Sandra Sosnowski unterstrich die große Bedeutung des Lahn-Marmor-Abbaus und der Industriekultur auch für die Archäologie. Knut Rehn Vorsitzender des Fördervereins Nationaler Geopark Westerwald-Lahn-Taunus zeigte sich trotz anfänglicher Skepsis "stolz auf die Lahn-Marmor-Route in Ku La Dig". Er bat darum, auch touristische Angebote wie Hotels und Gaststätten mit dem System zu verknüpfen.

Regionalmanager Christian Piterek wies auf mehr als 300 Objekte der Industriekultur als "Teil der Identität in der Region Mittelhessen" hin, die es miteinander zu verknüpfen gelte. Da seien "Ankerpunkte" wie das Lahn-Marmor-Museum sehr wichtig. Ulrike Petersen vom Lahntal Tourismus Verband betonte, wie wichtig der Marmor auch für die touristische Vermarktung der Region sei.

Abschließend sprach Hermann Hepp, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lahn-Marmor-Museum, von einem "Highlight für die ganze Region". Das Museum habe sich auf die Fahnen geschrieben, die Erinnerung an 400 Jahre Marmorabbau an der Lahn wach zu halten. Dies fange bereits mit praktischen Kursen für Kinder an, so Hepp.

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