Berthold Geis mit Wüstenbussard "Sally". Ein ähnlich großer Mäusebussard attackiert bei Weyer immer wieder Menschen.
+
Falkner Berthold Geis aus Villmar mit Wüstenbussard "Sally". Ein ähnlich großer Mäusebussard attackiert bei Weyer immer wieder Menschen.

Gefahr

Bussard greift Menschen an - Jetzt spricht Falkner eine deutliche Warnung aus

  • vonRobin Klöppel
    schließen

In Villmar bei Limburg haben Mäusebussarde schon vier Menschen angegriffen. Der RSV Weyer empfiehlt, Kinder mit dem Auto zum "Weilersberg" zu fahren.

  • In Villmar hat ein Mäusebussard schon mindestens vier Menschen angegriffen.
  • Mäusebussard verteidigt sein Nest während der Brutzeit.
  • Falkner warnt vor weiteren Angriffen in den nächsten Wochen.

Villmar - Ein Jogger läuft eilig und gehetzt an der Weyerer Volkshalle vorbei, bleibt beim zufällig gerade zur Gemeindevertretersitzung gehenden Reporter stehen. "Blute ich?", fragt der Mann und senkt den Kopf. Der Mann aus Weyer hat tiefe, blutige Streifen auf der Glatze. "Mich hat ein Greifvogel attackiert", sagt er. "Ich habe den nicht kommen sehen."

Villmars Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU) ist das Problem bekannt. Wie er auf Nachfrage berichtet, wisse er von vier Vorfällen dieser Art in den vergangenen Wochen zwischen Volkshalle und Sportplatz auf dem „Weilersberg“. Der „Täter“ ist ein männlicher Mäusebussard, der mit den Angriffen seine Brut dort im Wald verteidigen will.

Ungewöhnlich ist dieses Verhalten nicht. Immer wieder kommt es zu Angriffen von Vögeln während der Brutzeit. Auch bei Groß-Gerau hat ein Mäusebussard in den vergangenen Jahren schon vor allem Jogger attackiert.

Rubröder erzählt, dass die Gemeinde Villmar reagiert habe und auf beiden Seiten Warnschilder aufgestellt habe mit dem Hinweis, den Bereich nicht zu begehen, bis die Brutsaison der Mäusebussarde beendet sei. Leider gebe es, so der Bürgermeister, aber nach wie vor Leute, die die Hinweisschilder ignorierten und sich in Gefahr begeben würden.

Die Greifvögel stehen unter Schutz

Rubröder sagt, dass die Gemeinde, da die Greifvögel unter Schutz stehen, den aggressiven Mäusebussard weder abschießen noch vertreiben lassen dürfe. Das Dumme an der Sache ist nur, dass es keinen alternativen Fußweg aus dem Dorf zum Sportplatz des RSV Weyer gibt und der örtliche Fußballclub nach der Corona-Pause vor einer Woche wieder mit dem Training begonnen hat.

"Wir wissen von mehreren Angriffen auf Menschen", sagt RSV-Pressewart Dominic Barthelmes. Leider sei es auch nicht so, dass der Bussard nur Jogger attackiere. Es gibt nämlich Fachleute, die behaupten, Mäusebussarde würden nur laufende und nicht gehende Personen angreifen. Barthelmes sagt, dass bisher zum Glück noch kein Aktiver seines Vereins unter den Verletzten gewesen sei. Der Verein könne nur raten, die Kinder zum Training mit dem Auto zu bringen.

Der in der Region bekannte Berufsfalkner Berthold Geis lebt auch in Villmar-Weyer und wurde schon mehrfach von besorgten Bürgern wegen der Vogel-Angriffe kontaktiert. Er sagt aber, dass man sich strafbar mache, wenn man den Mäusebussard einfach töte und er nichts machen könne. Eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss würde er nach eigener Einschätzung von der Jagdbehörde nur bekommen, wenn der Mäusebussard sich an einem Schulhof oder in einem belebten Stadtpark aufhalten würde.

Vogel-Angriffe in Villmar könnten bald enden: Brutzeit steht kurz vor dem Ende

Berthold Geis vermutet, dass sich das Thema für dieses Jahr in wenigen Wochen erledigt habe, weil die Brutzeit kurz vor dem Ende stehe. Nächstes Jahr sieht er aber dasselbe Problem auf Weyer zukommen, da Mäusebussarde mit Nestern sehr standorttreu seien. Obwohl er sich als Falkner und Jäger viel draußen im Wald aufhält, ist er persönlich noch nie von einem wilden Greifvogel attackiert worden.

Berthold Geis berichtet, dass die meisten Mäusebussarde Spaziergänger und Jogger nicht angreife. Viele würden nur Scheinattacken fliegen, damit Menschen als potenzielle Gefahr für die Brut vom Nest wegblieben. Dass in Deutschland immer wieder mal von Attacken gerade von Mäusebussarden berichtet werde, habe damit zu tun, dass diese einfach deutlich häufiger als andere Greifvogelarten vorkommen. Am besten sei, während der Brutzeit mehrere Hundert Meter von bekannten Nestern wegzubleiben. Denn das sei ein natürlicher Trieb der Greifvögel, die eigene Brut gegen Störenfriede zu verteidigen.

Das geht selbst Berthold Geis mit seinen eigenen Vögeln so, wenn diese brüten und der Falkner zum Säubern und Füttern in die Volieren muss. Der Weyerer demonstriert das mit seinen Wüstenbussarden ("Harris Hawks"), die dem heimischen Mäusebussard in der Größe ähneln. Die Mutter greift Berthold Geis zwar nicht direkt an. Doch sie springt sofort zwischen ihn und die Jungen im Nest, um klar zu sagen: "Bis hierher und nicht weiter. Sonst gibt es Ärger."

Berthold Geis sagt, dass er im aktuellen Fall die Bürger nur davor warnen könne, bis Ende der Brutsaison zu Fuß zum Sportplatz zu gehen. "Wenn das mein Kind wäre, würde ich das auch nicht alleine zum Training schicken", sagt Geis. Das könne gefährlich sein. Er selbst sei schon einmal von einem Greifvogel über dem Auge verletzt worden. Er hält es auch für Blödsinn, zu sagen, Greifvogel reagieren nur auf Jogger. Sie könnten in Nestnähe auch genauso angreifen, wenn jemand sich nur langsam bewege. "Wenn der Bussard wie beim Beuteanflug von hinten kommt, hört man ihn in der Luft nicht mal kommen", warnt Geis.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare