Der Mäusebussard hat bereits Spaziergänger attackiert - laut Falkner Berthold Geis wollte er so die Brut vor Eindringlingen schützen.
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Der Mäusebussard hat bereits Spaziergänger attackiert - laut Falkner Berthold Geis wollte er so die Brut vor Eindringlingen schützen.

Aggressiver Greifvogel

Angriff aus der Luft – Vogel terrorisiert Fußgänger und Jogger

  • vonRobin Klöppel
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In Villmar bei Limburg attackiert ein Greifvogel immer wieder Fußgänger und Jogger und verletzt dabei mehrere Menschen. Doch der Spuk ist nun vorbei.

Villmar – Der Falkner hat die Eier aus dem Nest gestohlen, d.h. der Greifvogel muss seine Brut nicht mehr verteidigen. Seit mehreren Jahren terrorisiert ein männlicher Mäusebussard Jogger und Fußgänger in Weyer auf dem "Weilersberg" im Waldbereich zwischen der Volkshalle und dem RSV-Sportgelände. Dabei wurden schon mehrere Menschen verletzt. Für dieses Jahr ist der Spuk aber zumindest vorbei. Der Weyerer Falkner Berthold Geis ist in den Baumwipfel geklettert, hat das Nest zerstört und die beiden Eier mit nach Hause genommen. In seinem Brutkasten sind die beiden Jungen, ein weiblicher und ein männlicher Bussard, mittlerweile geschlüpft. Geis wird beide daheim aufpäppeln, bis sie stark genug sind, um auch an futterarmen Tagen in einem fremden Horst zu überleben.

200 Meter hinter Geis' Haus am Ortsrand gibt es auch ein brütendes Bussardpaar, dem der Weyerer Falkner dann die Brut unterschieben will. Dafür wird extra die Drehleiter der Niederselterser Feuerwehr angefordert. Geis sagt: "Bussarde können nicht zählen. Die nehmen fremde Jungen problemlos an." Bei Greifvögeln sei es auch nicht wie bei Säugetieren, dass sie Nachwuchs aufgrund fremden Geruchs ablehnen würden. Greifvögeln könne man sogar den Nachwuchs anderer Arten unterschieben. Man müsse nur aufpassen, dass die Jungen stark genug seien, um sich im Nest durchzusetzen und nicht zu verhungern. Für das Weyerer Bussardpaar werde es aber, so Berthold Geis, kein Problem werden, zwei zusätzliche Jungen aufzuziehen, weil Bussarde einer der Gewinner der Kulturlandschaft seien. Freie Felder würden genug Nagetiere als Futter bieten und darum gebe es aktuell in Deutschland auch sehr viele Bussarde.

Villmar im Kreis Limburg-Weilburg: Attacken hinterlassen tiefe Kratzwunden am Kopf

Berthold Geis berichtet, dass er immer viel in der Natur unterwegs sei und üblicherweise von Greifvögeln draußen nicht angegriffen werde. Das Verhalten des aggressiven Bussards am "Weilersberg" sei aber kein Einzelfall. Es gebe in Deutschland immer mal wieder irgendwo ein Problem mit einem Bussard. Was dahinterstecke, sei ein ganz normales Brutverhalten, erläutert Geis. Der männliche Bussard wolle, solange seine Partnerin brütend auf dem Nest sitze, seine Jungen gegenüber Eindringlingen verteidigen. Von daher muss er in seiner Falknerei aktuell auch aufpassen, wenn er in die Volieren geht. Menschen zu attackieren, mache aber nicht jeder Bussard, weiß Geis. Die meisten würden nur Scheinangriffe fliegen und niemanden verletzen. Wenn die Jungen geschlüpft seien und der Bussard sich um das Heranschaffen von Nahrung kümmern müsse, nehme die Zahl solcher Greifvogelattacken auch ab.

Das Verhalten des besagten Weyerer Bussards sei besonders problematisch, weil er auch schon - für die Augen gefährlich - von vorne angegriffen habe und Menschen tiefe Kratzwunden am Kopf zugefügt habe. Berthold Geis sagt aber, dass für die Kinder des Kindergartens an der Volkshalle nie eine Gefahr bestanden habe, wie eine große deutsche Boulevardzeitung spekuliert habe. Die Angriffe würden im engen Radius um das Nest stattfinden und nicht mehrere hundert Meter entfernt.

Falkner aus Villmar nahe Limburg: "Ich hätte den auch nicht geschossen"

Das Problem sei in Weyer eben, dass der Horst in der Nähe des Fußwegs liege. Wäre er weiter im Wald drin, wo niemand hinkomme, wäre auch nie jemand auf den Bussard aufmerksam geworden, so der Falkner. Bisher habe der Mäusebussard nur Fußgänger attackiert, keine Radfahrer, weil letztere für ihn nicht einschätzbar seien. Da neben den Nutzern des Sportplatzes auch Spaziergänger und Jogger trotz der Warnschilder während der Brutzeit am Weg Richtung RSV-Gelände vorbeikommen, hatten die Gemeinde Villmar sowie die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises sowie das Regierungspräsidium Gießen nach Aussagen von Berthold Geis bereits ihre Zustimmung zu einem Abschuss des Bussards erteilt. Letztendlich habe das Hessische Umweltministerium die Tötung des Bussards jedoch gestoppt.

"Ich hätte den auch nicht geschossen", sagt Geis. Der Falkner war dafür, das Problem erst einmal friedlich zu lösen, ohne dass der Bussard getötet wird oder ein weiterer Mensch zu Schaden kommt. Dadurch, dass er das Nest zerstört habe, sei der Bussard dieses Jahr nicht mehr in Brutstimmung und greife keinen mehr an, erläutert der Falkner. Da es schon spät im Jahr sei, werde das Paar auch kein neues Nest mehr bauen und 2021 keine weiteren Eier mehr legen. Natürlich könne es sein, dass kommendes Jahr das Problem erneut auftauche. Aber der Bussard müsse schon um die acht Jahre alt sein und werde höchstens noch vier Jahre leben, bevor er eines natürlichen Todes sterben werde.

Villmar im Kreis Limburg-Weilburg: Eierklau ist die einfachste Lösung

Für Geis ist der Eierklau die einfachste Lösung, das Problem zu lösen. Försterin Nadine Ströbele habe, wie der Falkner weiß, untersagt, dass der Nistbaum komplett gefällt werde. Das sei auch Blödsinn, weil Bussarde sehr standorttreu seien und das Paar dann im nächsten Jahr das Nest auf den nächsten Baum gesetzt hätte. Durch laute Geräusche vertreibe man, wie Geis weiß, den Bussard auch nicht dauerhaft von seinem angestammten Revier. (Robin Klöppel)

In Villmar (Kreis Limburg-Weilburg) sorgt ein Vogel dafür, dass ein Bauprojekt ins Stocken kommt.

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