Heike Holfeld (links) präsentierte zusammen mit Dr. Bernold Feuerstein und Ursula Alban vom Museumsverein ihr Buch.
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Heike Holfeld (links) präsentierte zusammen mit Dr. Bernold Feuerstein und Ursula Alban vom Museumsverein ihr Buch.

Reise durch die Erdzeit

Villmar: Unica-Bruch gehört zum "steinigen Deutschland"

  • vonRobin Klöppel
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Autorin Heike Holfeld hat den ehemaligen Marmorbruch in ihrem Buch verewigt

Villmar -Im realen Leben ist Heike Holfeld als Szenenbildnerin in der Filmbranche bekannt. Doch bei ihren beruflich bedingten und privaten Reisen durch viele Länder kam bei der Berlinerin die Neugier auf, wie viele beeindruckende Landschaften wohl entstanden sein mögen. Sie beschäftigte sich intensiv mit dieser Frage und hat nun den Bildband "Steiniges Deutschland - 38 Entdeckungsreisen zu geologisch faszinierenden Steinen, Steinmetamorphosen und Versteinerungen" herausgebracht. Sie stellte das Buch, einen mitnehmbaren Reiseführer, am "Tag des Geotops" im Villmarer Unica-Bruch vor.

Genau dort, weil der Unica-Bruch einer der 38 Punkte in Deutschland ist, den die Leser des Buches hoffentlich bald mal besuchen werden. Er ist das ganze Jahr über ohne Voranmeldung und Eintritt auf der rechten Lahnseite 380 Meter hinter dem Lahn-Marmor-Museum zu bewundern. Der ehemalige Marmorbruch bietet mit einer glatt gesägten und geschliffenen Marmorwand einen weltweit einmaligen Einblick in ein mitteldevonisches Stromatoporenriff in Lebendstellung. Zu erkennen sind auch Korallen sowie Seelilien, Kopffüßler, Schnecken sowie Brachiopoden, deren Wachstum durch den hohen Kalkgehalt des Devonmeeres begünstigt wurde.

hält den Altersrekord

Hier kann man 380 Millionen Jahre in die Vergangenheit zurückblicken, als tropische Korallen und Schwammriffe das Material bildeten, das im letzten Jahrhundert als Lahn-Marmor Weltruhm erlangte. Ein wenig bitter ist für manchen Villmarer wohl, dass ihr Unica-Bruch in Sachen Alter in dem Buch von einer anderen Sehenswürdigkeit übertrumpft wird. Es geht, so Heike Holfeld, um die große Granitschale vor dem alten Museum im Berliner Lustgarten. Sie wurde aus einem riesigen Findling von schätzungsweise 700 bis 750 Tonnen Gewicht gefertigt, der 1420 Millionen Jahre alt ist. Die Granitschale mit einem Durchmesser von 6,91 Metern und einem Gewicht von 75 Tonnen wird als "Biedermeierweltwunder" bezeichnet. Die Granitschale, die der preußische König Friedrich Wilhelm III. bestellte, sollte zunächst in der Rotunde des Museums aufgestellt werden. Da sie aber viel größer wurde als ursprünglich geplant, musste sie vor dem Museum Platz finden. Auf der Akademie-Ausstellung in Berlin von 1826 zeigte der Bauinspektor und Steinmetz Christian Gottlieb Cantian eine kreisrunde Granitschale mit 1,83 Meter Durchmesser, an der der englische Gesandte William Cavendish Gefallen fand, was ihn dazu veranlasste, eine solche Schale zu ordern. Als der preußische König Friedrich Wilhelm III. davon erfuhr, beauftragte er 1826 Cantian, ebenfalls eine solche Granitschale anzufertigen. Sie sollte aber in ihrer Größe die britische Schale übertreffen und das größte Produkt seiner Art im Lande bleiben.

Cantian fertigte die Schale nach einem vergeblichen Versuch mit einem zu spröden Stein dann aus dem Großen Markgrafenstein, einem riesigen Findling. Diese beiden und 36 weitere Geschichten aus dem ganzen Bundesgebiet finden die Leser im Buch "Steiniges Deutschland", das ab sofort auch für 29,90 Euro im Villmarer Museumsshop erhältlich ist.

Heike Holfeld arbeitete zwei Jahre daran, machte tolle Bilder und trug interessante Hintergrundinformationen zu allen Sehenswürdigkeiten zusammen. In dem Buch sind sogar deren exakte Koordinaten eingetragen, da nicht alles so einfach zu erreichen ist wie der Unica Bruch, der hinter dem Museum in der Nähe des Villmarer Bahnhofs gut ausgeschildert ist. "Der Bildband soll neugierig auf Deutschland machen", sagte die Autorin. Holfeld hat schon in der Mongolei gelebt, im kubanischen Dschungel und im Sumpfland Paraguays.

Immer wieder stellte sie sich dabei die Frage, wie wohl diese tollen Landschaften entstanden sein mögen. Das führte dazu, dass sie damit anfing, sich auch wissenschaftlich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Sie habe dabei festgestellt, dass viele solcher Naturwunder auch in Deutschland vorkommen. Unter anderem haben sie in Chemnitz den versteinerten Wald besucht, Bäume, die luftdicht begraben sind und ohne Sauerstoff auch nicht verwesen. "Ich war dann angefixt und habe halb Deutschland bereist, erzählt sie.

Sie sah die auf Basalt errichtete Burg Stolpen in Sachsen, die roten Sandsteine auf Helgoland und fossile Saurierspuren im niedersächsischen Münchhagen. "Nachdem ich überall viele schöne Bilder gemacht habe, entstand die Idee, sie in einem Bildband zu verewigen", so die Autorin. Wer sich das Villmarer Lahn-Marmor-Museum und den Unica-Bruch ansehen möchte, erfährt alles Nötige auf der Webseite lahn-marmor-museum.de. Gruppen können auch Führungen buchen. rok

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