1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Villmar

Villmar: Wo Schätze aus den Tiefen der Erde archiviert werden

Erstellt:

Von: Klaus-Dieter Häring

Kommentare

Bohrkernmitarbeiter Hans Gerhard Frischen hatte auch Mammut-Knochen im Angebot
Bohrkernmitarbeiter Hans Gerhard Frischen hatte auch Mammut-Knochen im Angebot © Klaus-Dieter Häring

Führung durch das Bohrkernlager - Besucher erhalten Informationen über Historie und Aufgaben der Einrichtung

Aumenau -Wer den Weg in Richtung Langhecke einschlägt und das Hessische Bohrkernlager besuchen möchte, der muss schon ganz genau aufpassen. Denn der Eingang und das gesamte Gelände liegen idyllisch im Wald, und kaum einer, der die Straße nutzt, kann erahnen, welche "Schätze" in den Hallen lagern. Bei den Schätzen handelt es sich um Mineralien, die keinen finanziellen Wert darstellen, aber für Experten aus verschiedenen Gebieten von hohem Wert sind und auch nach Jahrzehnten noch heute angefordert werden.

Seit dem vergangenen Jahr wird nun Interessierten auf Einladung des Villmarer Marmormuseums die Möglichkeit geboten, einen Blick in die Hallen des Bohrkernlagers zu werfen. Nun war es mal wieder soweit. Sibylle Kahnt vom Verein begrüßte die vielen Gäste aus nah und fern und gab einen ersten geschichtlichen Rückblick zum Standort, der sich in unmittelbarer Nähe einer stillgelegten Eisenerzgrube befindet.

Von 1958 bis 1970 wurde am Münsterstollen, der eine Länge von 2296 Meter hat, Eisenerz gefördert.

Grubenbesitzer war von 1840 an der Fürst Wied, von 1872 an die Firma Krupp. Bis zum Betriebsschluss wurden hier insgesamt zwei Millionen Tonnen Eisenerz gefördert, "die letzte Tonne befindet sich im Bergbaumuseum Weilburg", so Kahnt. Weiter wurden im Umkreis von Aumenau und Langhecke noch Rot- und Magneteisenstein, Kupfer, Kupferkies, Zinkblende, Silbermineralien und Bleiglanz gewonnen.

Die Aussagekraft spielt eine Rolle

Nach diesem kurzen Einblick in die Geschichte übernahmen die Mitarbeiter des Hessischen Bohrkernlagers die Führung und versorgen die Gäste mit Informationen. Sie erfuhren, dass es in jedem Bundesland ein Bohrkernlager gibt, in dem Bohrkerne aus den verschiedensten Bohrungen und Tiefen gelagert werden. Hessen besitzt, neben Aumenau, noch ein zweites Bohrkernlager in Hünstetten-Limbach. Seit dem 19. Jahrhundert werden Bohrkerne gesammelt und jede Bohrung, die tiefer als fünf Meter reicht, muss angemeldet und abgegeben werden.

"Wir verfolgen jede Bohrung und wenn sie wertvoll ist, wird sie eingelagert", hieß es vonseiten der Mitarbeiter. Ob wertvoll oder nicht bemisst sich nach der Aussagekraft der gewonnenen Informationen aus den Bohrungen. Beim Besuch der Halle wurde deutlich, dass dort so einiges gelagert ist. In robusten Kästen, mit entsprechenden Daten versehen, kann hier auf die einzelnen Bohrkerne zurückgegriffen werden.

War es in hiesigen Breiten in der Vergangenheit wichtig, durch Bohrungen auf Marmorvorkommen zu stoßen, steht heute laut Aussage der Mitarbeiter des Bohrkernlagers die Erdwärme im Mittelpunkt von Bohrungen. Aber auch Radon gerät in Zeiten der knappen Erze und Mineralien mehr in den Fokus. Aber es werden nicht nur Bohrungen gelagert, die über den eventuellen Abbau Auskunft geben sollen. Auf einer der Kisten war beispielsweise zu lesen "Kassel-Eisenach A 99". Sie zeugt von Bohrungen, die vorgenommen worden waren, um über den Zustand des Erdreichs mehr zu erfahren, in dem ein Tunnel auf der Autobahn zwischen Kassel und Eisenach entstehen sollte.

Hochinteressant war bei dem Rundgang auch der Besuch des Bereiches, in dem Fossilien und Mikrofossilien lagern. Die Gäste bekamen Mammutknochen, Knochen eines Urpferdes und Versteinerungen in allen Größen und Farben und aller Erdzeitalter zu sehen.

Auch interessant

Kommentare