Beeindruckende Geschichte

Wie ein Villmarer in den USA Millionär wurde

Louis Ackerman stammte aus einer jüdischen Familie in Villmar. Mit 17 Jahren emigrierte er in die USA, wo er es zu Reichtum und Ansehen brachte.

Als am 28. Juni 1902 Miss Flora Ackerman aus den USA ihren Verwandten in Villmar besuchte, schickte sie eine Postkarte an ihren Onkel Louis Ackerman nach San Hewel Monitein, Kalifonien. Sie hatte als erste der Sippe Ackerman die Heimat ihrer Vorfahren und das Elternhaus des Onkels Louis Ackerman besucht und war begeistert vom Land der Väter.

Eine Lithografie-Karte zeigte die Sehenswürdigkeiten Villmars: Das Ortsbild, die Brücke, den Bahnhof, das König-Konrad-Denkmal und das schöne Lahntal. Als Amerikanerin berichtete Flora Ackerman auf Englisch: „Nur ein paar liebe Zeilen, dass ihr wisst, dass ihr von den Villmarern, die hier versammelt sind, nicht vergessen seid.“ Onkel Isaak Ackermann und Frau Olga, ihre Zwillinge Josef und Betty (geb. 1885) sowie Jettchen wohnten in der Grabenstraße, in der Nähe des Gasthauses „Germania.“ Sie fügten Grüße auf Deutsch hinzu.

Die Mehrheit der Villmarer Juden war nicht mit Reichtümern gesegnet, doch die Familie des Großvaters von Louis (früher Löb) Isaac Ackermann, Öconom (geb. 1778), hatte bis zu seinem Tode 1860 Erfolge. Sein Nachlass wurde vom Ortsgericht unter der Federführung des Bürgermeisters Adam Caspari aufgenommen, das Sterbehaus versiegelt und dem Amtmann (Villmar gehörte zum Amt Runkel) Bericht erstattet. Danach besaß er 11/2 Morgen Land im Taxwert von 1820 Gulden. Für Vieh, Frucht und andere Mobilien wurde eine erhebliche Summe angesetzt. Ackermann hatte also ein stattliches Vermögen hinterlassen, das nach dem Testament an die Erben verteilt wurde.

Dies waren Bernhard Rosenthal mit Gretchen Ackermann, geb. Levi, Jeanette Ackermann, verheiratet mit Marx zu Mosbach; Jettchen Ackermann, verheiratet mit dem Viehhändler Moses Beringer zu Limburg, und Hannchen, verheiratet mit Moses Herzfeld zu Oberursel. Die Familien der beiden Söhne Wolf und Carl wurden besonders gelobt, weil sie den Vater gepflegt und versorgt hätten. Dagegen hatte der Verstorbene den Schwiegersohn wegen dessen verschwenderischen Neigungen enterbt. Den Pflichtteil erhielten der Erblasser. Isaak Ackermann hatte in Villmar und im weiteren Umkreis sicher ein hohes Ansehen. Wer war Louis Ackermann, der sich in den USA „Ackerman“ schrieb?

Neuen Forschungsergebnissen zufolge wurde er nach seiner Auswanderung von Villmar nach Amerika zu einem einflussreichen Geschäftsmann und Millionär. Louis kam am 7. Februar 1863 morgens um 6 Uhr als Sohn des Villmarer jüdischen Bauern Carl Ackermann (geb. 1817) und Betty, geborene Marx aus Mosbach, zur Welt. Das Ehepaar hatte drei Söhne und drei Töchter.

Der Jüngste, Louis, wanderte mit 17 Jahren in die USA aus, um dort seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Seine erste Position war bei IB Rosenthal & Company von St. Louis. Bei ihnen lernte er alle Zweige des Mühlengeschäftes kennen. Er datiert seine Residenz in St. Louis von März 1882. Schon von Anfang an zeigte er Gründlichkeit und Energie in allem, was er unternahm. 15 Jahre lang war er in der Rosenthal Millinery Company beschäftigt, bevor er zum Präsidenten der Louis Ackerman Millinery Company von St. Louis avancierte.

Louis Ackerman schaffte sich an die Spitze einer der führenden hochklassigen Mühlenwerkstätten von St. Louis. Er war auch Direktor der Firma Sonnenfeld Millinery und wurde weithin als ein fähiger Geschäftsmann geschätzt. Ackerman war Mitglied des Tempels Israel. Als Regisseur gehörte er auch dem Columbian Club und dem Westwood Country Club an.

Sein Lebenslauf zeigt eindrucksvoll auf, was ein Auswanderer damals erreichen konnte, wenn er den Willen hatte, etwas zu wagen und zu tun. Er kam allein in die neue Welt, ohne Kapital und ohne Kenntnis der Sprache des Volkes, das seine zweite Heimat wurde. Villmar, seinen Geburtsort, hat er allerdings niemals wiedergesehen.

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