Stefan Süselbeck (links) und Matthias Kramer von der Syna fackelten bei Aumenau das nicht mehr benötigte L-Gas ab. Sie sind derzeit auch in Seelbach, Arfurt und Wirbelau unterwegs.
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Stefan Süselbeck (links) und Matthias Kramer von der Syna fackelten bei Aumenau das nicht mehr benötigte L-Gas ab. Sie sind derzeit auch in Seelbach, Arfurt und Wirbelau unterwegs.

Ungewohntes Schauspiel

Villmar/Runkel: Meterhohe Flammen mitten im Wald

  • vonRobin Klöppel
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Der Energieversorger Syna stellt sein Verteilernetz um. Dazu muss Gas abgefackelt werden, da sonst Gefahr für Verbraucher besteht.

  • Meterhohe Flammen sind derzeit zwischen Villmar und Aumenau zu sehen.
  • Grund ist eine Umstellung des Gasnetzes beim Energieversorger Syna.
  • Das Abfackeln ist notwendig, um eine Gefahr für Verbraucher zu verhindern.

Villmar/Runkel -Zwei Stunden loderte an einer Verteilstelle der Süwag-Netztochter Syna zwischen Villmar und Aumenau eine 800 Grad heiße Flamme. Wer zufällig auf der Landesstraße vorbeikam und sich wunderte, was die teilweise zehn Meter hohe Flamme soll: Die Olympischen Spiele sind nicht von Tokio nach Villmar verlegt und feierlich eröffnet worden, auch wenn Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU) da war.

Die Syna stellt aktuell ihr Verteilnetz von L- auf H-Gas um, da der Gasliefervertrag mit den Niederlanden ausläuft. Denn dort neigt sich das Gasvorkommen langsam dem Ende zu. Künftig kommt das Gas in Villmar aus Russland, Skandinavien und aus der Nordsee. Matthias Kramer, Syna-Netzingenieur und Projektverantwortlicher Marktraumumstellung, erläuterte, dass das Abfackeln des noch vorhandenen L-Gases in den Leitungen notwendig sei, da sonst bei der Umstellung angeschlossene Geräte in den Haushalten kaputtgehen oder gar Flammen entstehen könnten, die für die Verbraucher gefährlich sein könnten.

Trotz meterhoher Flammen: Umstellung ist einfach

Denn das neue Gas in den Leitungen brenne heißer als das alte ab. Da sich laut Kramer das neu eingeleitete H-Gas in den Leitungen mit dem L-Gas nicht vermische, könne genau festgestellt werden, wann das L-Gas zu Ende abgebrannt sei und das Abflammen beendet werden könne. So konnte ein fließender Übergang von der einen zur anderen Gasart erreicht werden, ohne dass es in den Privathaushalten zu Versorgungslücken kam. Das nicht mehr benötigte L-Gas wurde in Villmar abgefackelt, damit nicht einfach umweltschädliches Methan in die Luft geht. Negativ sei das Abbrennen nur für die CO2-Bilanz, erläuterte Kremer. So etwas werde aber wirklich nur ganz selten gemacht und sei hier natürlich im Vorfeld von den Behörden genehmigt worden.

Gasgeräte müssen angepasst werden

Im konkreten Fall versorgt das Netz Aumenau, Seelbach, Arfurt und Wirbelau. Derzeit findet dort laut Kramer eine Anpassung der Gasverbrauchsgeräte statt. Dabei spiele der Anpassungszeitpunkt eine wichtige Rolle. Es gebe Gasgeräte, die schon vor der Versorgung mit H-Gas zwingend anzupassen seien, es gebe aber auch Geräte, bei denen man sich bis zu sechs Wochen nach der Umstellung Zeit lassen könne. Wie Kramer erläuterte, ist die Erdgasumstellung momentan einer der größten Infrastrukturprojekte der deutschen Erdgaswirtschaft, seit es die leitungsgebundene Energieversorgung gebe.

Bis 2030 müssten in Nord- und Westdeutschland die Versorgungsgebiete auf H-Erdgas umgestellt werden. Dazu müssten insgesamt in Wohnhäusern, Gewerbe- und Industrieunternehmen 5,5 Millionen Gasgeräte umgestellt werden. H-Gas habe einen höheren Energiegehalt als L-Gas, so Kramer. Die Gaspreise für die Verbraucher blieben aber konstant. Robin Klöppel

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