Villmarer Vereinsszene

Walter Haas über Baggern, Benefizspiele und eine Beachparty

Walter Haas war schon immer eine schillernde Figur der Villmarer Vereinsszene. Jemand, der immer klar seine Meinung sagte und damit aneckte. Aber auch einer, der sein Leben lang mit vollem Elan in der Leichtathletik engagiert war und ein großes Herz hat.

Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Robin Klöppel verrät der 67-jährige Vorsitzende der Leichtathletikfreunde, warum ihm das Baggern auf dem Beachvolleyballfeld mittlerweile schwer fällt, ihm Flüchtlinge keine Angst machen und der Erlös seines Benefizturniers am Samstag auf dem Sportgelände der Leichtathletikfreunde an den Elternverein der Kinderkrebsstation Peiper in Gießen geht.

Beachvolleyball boomt. Wie rege wird denn auf ihrer Beachvolleyballanlage auf der Vereinsanlage der Leichtathletikfreunde gespielt?

WALTER HAAS: Ich glaube, wir waren für den Beachvolleyballboom leider ein wenig spät als wir vor drei Jahren die Anlage bekamen. Wir haben immer wie die Verrückten nach dem Leichtathletiktraining gespielt, aber das ist ein wenig eingeschlafen. Ich habe der Senckenberg-Schule nebenan angeboten, die Anlage für die Schüler zu nutzen. Die haben zwar die Schlüssel, waren aber noch nie da.

Haben die Kinder heute keinen Bock mehr auf Sport?

HAAS: Die Interessen sind sehr verstreut. Als das Flüchtlingslager im früheren Rewe-Markt war, da habe ich gesehen, dass die Bewohner sich Tore und Bälle zusammengebastelt hatten, um kicken zu können. Dann habe ich sie zu uns auf die Anlage eingeladen. Jeden Abend waren viele da und auch Deutsche, die mit ihnen Volleyball gespielt haben. Aber das Lager hat sich aufgelöst, die Flüchtlinge lebenverstreut. Für die, die wollen, steht unsere Anlage weiter offen.

Sie arbeiten seit mehreren Jahren intensiv mit Flüchtlingen. Wie waren ihre Erfahrungen?

HAAS: Ich kann nur Positives berichten. Das waren teilweise Leute aus völlig unterschiedlichen Ländern, die sich sprachlich nicht verständigen konnten. Aber sie hatten bei uns alle enormen Spaß, zusammen Sport zu machen. Und soviel Höflichkeit und Dankbarkeit, die ich von Flüchtlingen erlebt habe, die erlebe ich bei Deutschen eher selten. Was mir für die Zukunft Deutschlands wirklich Sorgen macht ist der Rechtsruck in unserer Gesellschaft, dass es wieder hoffähig wird, völlig undifferenziert ausländische Mitbürger negativ in eine Schublade zu stecken.

Warum jetzt das Volleyball-Benefizturnier?

HAAS: Ich saß mit der Jugendpflegerin Cornelia Döhring zusammen und wir haben überlegt, was wir als Leichtathletikfreunde künftig zusammen mit der Jugendpflege an gemeinsamen Aktionen auf die Beine stellen können. Da kam mir die Idee, den Sand der Beachvolleyballanlage für eine Beachparty zu nutzen und einen Pool aufzustellen.

Warum geht der Erlös an die Aktion Peiper?

HAAS: Krebs- und leukämiekranke Kinder sind mir wichtig. Ich hatte ja selbst Leukämie. Mir ging es plötzlich nicht mehr gut. Ich dachte, es ist mein Herz, aber der Arzt sagte mir „Sie haben Leukämie“. Zum Glück wurde es aber nach fünf Chemotherapiephasen in Mainz wieder. Mittlerweile habe ich diese schlimmen Zeiten verdrängt. Aber ich habe dauerhafte Einschränkungen. Wegen den Auswirkungen der Chemo kann ich heute nicht mehr laufen wie ich will Ich hätte eigentlich richtig Lust, Samstag ein bisschen Volleyball mitzuspielen

Sind sie mit der Resonanz auf die Turnierausschreibung zufrieden?

HAAS: Ich war überrascht, dass sich zwölf Mannschaften angemeldet haben. Neben der Jugendpflege unterstützt uns der Villmarer Helferkreis bei der Organisation und ist auch mit drei Teams vertreten, in denen Flüchtlinge mitspielen werden. Die Leichtathletikfreunde haben auch ein Team gemeldet.

Was erwarten sie sich von dem Tag?

HAAS: Dass die Leute Spaß haben und es 2019 wieder ein Turnier geben wird. Dass auch möglichst viele Gäste kommen, damit der Reinerlös für den guten Zweck hoch wird. Esst und trinkt alle, damit wir eine hohe Spende übergeben können. Gespielt wird Samstag von 12.30 bis 18 Uhr.

Wie sieht die sonstige Zusammenarbeit mit den Helferkreis aus?

HAAS: Der Helferkreis bietet im Vereinsheim der Leichtathletikfreunde Deutschkurse für junge Frauen, Hausaufgabenbetreuung und Spielnachmittage für die Kinder an. Immer dienstags von 15 bis 17 Uhr findet hier ein Begegnungscafé statt, zu dem alle Interessierten -natürlich auch die Villmarer- herzlich eingeladen sind.

Wie sehen ihre persönlichen Pläne aus?

HAAS: Ich hoffe, meinen 68. Geburtstag demnächst zu erleben. Und ich hoffe, dass sich bald mal jemand findet, der nach 31 Jahren den Vorsitz bei den Leichtathletikfreunden übernehmen wird, damit ich mich sorgenfrei ins zweite Glied zurückziehen kann. Einige treue Helfer sind mir immer zur Seite gestanden, Wolfgang Ansorge, Sabine Brahm oder unser Oldie Adolf Stenchly, aber wäre ich nicht immer weiter vorangegangen, würde es heute diesen Verein und die Sportanlage nicht geben. Wir haben aktuell 20 aktive Leichtathleten und ich würde mich sehr freuen, wenn diese Anlage künftig wieder öfter genutzt würde. Wir hatten hier schon regelmäßig Basketball, haben die Möglichkeit für Streetball, aber es muss immer Leute geben, die die Verantwortung für ein neues Angebot übernehmen, dass es in die Gänge kommt und am Laufen bleibt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare