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Peerjan Baloch (von links), Axel Paul, Daniel Schlicht, Pia Ohr und Angelika Guidry beladen den Transporter.

Tolle Aktion in Villmar

Winterkleidung für Flüchtlinge auf Lesbos

Helferkreis schickt 120 Kartons auf "Mission Respekt" der Organisation "Gain"

Ehrenamtliche des Helferkreises Villmar (HKV) haben 120 Kartons mit gespendeter Winterkleidung geprüft und vorsortiert auf einen Transporter der Hilfsorganisation "Gain" aus Gießen geladen. Alle Lkw des "Global Aid Network" fahren jährlich rund 150 000 Kilometer und transportieren dabei um die 1400 Tonnen Hilfsgüter. Hoffnung für die Zukunft gewinnen ("gain") sollen in diesen Wochen auch Geflüchtete auf Lesbos, bis für sie eine europäische Lösung gefunden ist.

1990 wollten Studenten vom "Campus für Christus" in Gießen um den Fuhrparkleiter Klaus Dewald nach einem Appell des sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow die Not in der damaligen Sowjetunion lindern helfen. Sie organisierten einen ersten Hilfstransport nach St. Petersburg und Riga. Die "Aktion Hungerwinter" wurde geboren. 2001 wurde daraus "Global Aid Network", seit 2008 ein "eingetragener Verein" und seit 2015 mit der Gründung der "Gain gGmbH" eine gemeinnützige Gesellschaft, ausgezeichnet mit dem Spenden-Prüfzertifikat der Deutschen Evangelischen Allianz.

Gain Kanada, USA, Australien, Niederlande, Südkorea, Österreich, Spanien, England, Schweiz entstanden über die Jahre, ein Netzwerk der humanitären Hilfe über alle Kontinente. Ihre gemeinsamen Grundwerte: Barmherzigkeit, Leidenschaft, Offenheit und Partnerschaftlichkeit.

Das Missionswerk "Campus für Christus" versteht sich als überkonfessionell geprägte Bewegung im Sinne einer "Mission Respekt", ein 2011 verabschiedetes und seitdem breit diskutiertes ökumenisches Dokument. Als "Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt" will es einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander der Religionen leisten.

Den Worten folgen Taten der Menschlichkeit. "Gain" ist der humanitäre Partner mit unzähligen ehrenamtlichen Helfern weltweit, die ihre Motivation für den christlichen Auftrag zur Nächstenliebe aus der Bibel beziehen: "Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen", heißt es bei Jesaja 58,7.

Den Anfängen in Russland und Lettland folgten Einsätze in der Ukraine, in Armenien, Afghanistan, Irak, Indien, Nordkorea, in Israel für mittellose Holocaustüberlebende, in Afrika vor allem für Kinder. Nach den Einsätzen für Erdbebenopfer 2010 in Haiti entstand 2012 die Abteilung Katastrophenhilfe "Dart" (Disaster and Response Team). Sie führte seit 2014 zu mutigem Engagement für vom IS Vertriebene im Irak. Seit 2019 hilft Gain Geflüchteten auf Lesbos, "Gestrandeten am Rande Europas", vor allem im berüchtigten Lager Moria oder im nicht besseren Zeltlager Kara Tepe.

Bis Januar wollen die Gießener noch fünf Hilfstransporte zu griechischen Flüchtlingslagern auf den Weg bringen, bepackt mit Hygienepaketen, Medizinprodukten, Masken, Decken, Kleidung und Schuhen. "Wer alles verloren hat, braucht Hilfe, um weiterleben zu können", sagt Gain-Leiter Klaus Dewald. Das sehen auch Bewohner des Seniorenzentrums Villmar so, die extra noch warme Schals gestrickt und gespendet haben. Oder Hella und Ingo Jost aus Laubuseschbach, die von der Aktion des Helferkreises Villmar in der Zeitung gelesen hatten. Sie wollten Kleidung aus einer Haushaltsauflösung nicht einfach in einen Container werfen, sondern mit Hilfe des HKV gezielt über Gain weitergeben, dorthin, "wo es mit Sicherheit gebraucht wird und auch sicher bei Hilfsbedürftigen ankommt". Ingo sagte sich, "dann kann ich auch gleich in Aumenau beim Aufladen helfen".

Unterstützung

aus Bad Camberg

Jost motivierte noch Nachbar Daniel Schlicht, und beide packten mit an, zusammen mit Peerjan und Siraj Baloch und Khaled Abdul Malik, vom HKV unterstützte Neubürger, mit Axel Paul, Angelika und Sebastian Guidry sowie Pia Ohr, die schon mit Johanna Frei die meiste Vorarbeit geleistet hatte. Alle Kartons sind beschriftet und erleichtern so den Logistikfachleuten im Zentrallager Gießen die Zuordnung der Hilfsgüter, die dann zum Beispiel mit fünf eigenen 40-Tonnern weitertransportiert werden.

Die HKV-Vorsitzende Angelika Guidry erfreut besonders die Hilfe der "Baloch-Jungs", wie sie sagt, "die extra aus Bad Camberg zur Mithilfe angereist sind und damit Dank und Wertschätzung für ihre Unterstützung zum Ausdruck bringen." Immerhin hat Peerjan gerade nach erfolgreicher schulischer und fachlicher Ausbildung die staatliche Abschlussprüfung zum Altenpfleger bestanden und Siraj die Zwischenprüfung. jw

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